Debatte um Minarett-Bau in Bochum geht weiter

Michael Weeke
Nach der Baugenehmigung eines Minarettes an der Merkez-Moschee in der Schmidtstraße geht die Debatte in der Nachbarschaft weiter. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Nach der Baugenehmigung eines Minarettes an der Merkez-Moschee in der Schmidtstraße geht die Debatte in der Nachbarschaft weiter. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum. Der Bau des Minarettes an der Merkez-Moschee ist genehmigt, aber die Debatte geht weiter. Anwohner berichten über Verkehrsprobleme, Pro-NRW spricht von einer „Vormachtstellung“, Linke unterstützen das Bauprojekt .

Nach der Baugenehmigung eines Minarettes an der Merkez-Moschee in der Schmidtstraße geht die Debatte in der Nachbarschaft weiter. „Das gehört hier nicht hin. Wir sind ein christliches Land“, sagt ein Anwohner Sein Begleiter kommt zwar aus Rheine, eine Meinung zum Thema Minarett hat er dennoch: „Wer hier lebt, muss sich unseren Sitten anpassen.“

Es ist Gebetstag, viele Muslime kommen aus der Moschee, gehen in kleinen Gruppen durch die Schmidtstraße. Eine Anwohnerin, die seit 45 Jahren in der Straße wohnt, sagt: „An den Gebetstagen ist hier alles zugeparkt.“ Auch sie möchte ihren Namen nicht nennen. Sie fürchtet, dass, wenn das Minarett einmal steht, von dort bald der Muezzin rufen würde. Etliche Nachbarn dächten da ganz ähnlich. Sie nennt ein Beispiel: Vor einiger Zeit habe sie eine Wohnung in ihrem Haus vermieten wollen. Als die Mieter gewahr wurden, dass es nebenan eine Moschee gibt, hätten sie Abstand genommen. Einige Nachbarn hatten sogar überlegt, mit einer Unterschriftenaktion gegen den Minarett-Bau zu protestieren.

Niemand wollte den Kopf hinhalten

Doch niemand wollte offenbar den Kopf hinhalten. „Jetzt, wo wir von der NPD-Fragebogenaktion erfahren haben, sind wir froh, das nicht gemacht zu haben.“ Wie sie würden viele den Minarettbau kritisch sehen, in die rechte Ecke wollen sie sich aber nicht stecken lassen, mit der NPD wollen sie nichts zu tun haben.

Im Caritas-Kindergarten um die Ecke steht das Thema ‘Minarett’ nicht auf der Tagesordnung. Von den rund 50 Kindern komme ein Großteil aus Migrantenfamilien, die Moschee habe den Kindergarten im vergangenen Jahr zur Besichtigung eingeladen.

Nach gut einer Woche ist auch das Online-Voting zum Thema „Minarett-Bau“ abgeschlossen. 4202 Leser haben sich an dieser Rundfrage beteiligt. 86 Prozent der Teilnehmer stimmten gegen den Bau eines Minarettes, neun Prozent begrüßten es und rund sechs Prozent sind der Debatte gegenüber gleichgültig. Die Redaktion legt Wert darauf, dass es sich bei einer solchen Online-Abstimmung im Internet keinesfalls um eine repräsentative Befragung, sondern vielmehr um ein Stimmungsbild handelt.

Linke setzt sich für Moslems ein

Gleichwohl nimmt die rechtspopulistische Gruppierung „Pro-NRW“, die in Köln und anderswo Stimmung gegen Moscheen und Minarette macht, die Befragung zum Anlass für eine Presseerklärung: Ihr Bezirksvorsitzender im Ruhrgebiet, Kevin Hauer, teilt mit: „Das Minarett ist nicht nur ein religiöses Symbol, sondern steht für die vom Islam beanspruchte Vormachtstellung, über diejenigen, die nach islamischem Recht nicht der Gemeinschaft der Muslime, der Umma, angehören.“

Entschieden setzt sich die Partei „Die Linke“ in Bochum für die Religionsfreiheit gerade auch der Moslems ein. Anlässlich des Neujahrsempfang der Ratsfraktion unterstrich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bianca Schmolze in ihrer Rede: „Wir werden die politische Debatte um das Thema Migration in Bochum sehr genau beobachten und jeglicher Form von Rassismus und Diskriminierung entgegenwirken. Dazu gehört für uns auch das Recht der freien Religionsausübung und das heißt: Die Moschee an der Schmidtstraße hat das Recht, ein Minarett zu bauen.“