Das Szene-Publikum entdeckt den Wein

Mit dem „Glück auf Küwee“ haben die Messe-Macher einen Wein für Bochum und das Ruhrgebiet auf den Markt gebracht. Nadine Fabiao ließ sich den Tropfen am Wochenende im Jahrhunderthaus schmecken.
Mit dem „Glück auf Küwee“ haben die Messe-Macher einen Wein für Bochum und das Ruhrgebiet auf den Markt gebracht. Nadine Fabiao ließ sich den Tropfen am Wochenende im Jahrhunderthaus schmecken.
Foto: FUNKE Foto Services
3000 meist junge Besucher füllten bei der „Weine vor Freude“-Messe am Wochenende das Jahrhunderthaus. Der Rebensaft ist gefragter denn je.

Bochum.. Eine Weinmesse in der Bier-Hochburg Ruhrgebiet, und das für ein junges Szene-Publikum, das, so glaubt(e) man, edlen und durchaus hochpreisigen Tropfen eher wenig zugeneigt ist: Eine scheinbar verrückte Idee, die drei Bochumer vor drei Jahren entwickelt haben. Inzwischen folgt das Trio seinem eigenen, weinseligen Veranstaltungstitel: „Weine vor Freude!“

Oliver Sopalla, Stefan Gerth und Holger Manzke sind mit ihrer Agentur „Go Between“ mit Sitz an der Pieperstraße stets auf der Suche nach dem Besonderen, Einzigartigen. 2013 entdeckten sie den guten, alten Rebensaft. Arrivierte Weinmessen gibt es vielerorts, etwa die jährliche Produktschau aus Rheinland-Pfalz in der Jahrhunderthalle. „Für junge Winzer jedoch“, beobachtet Gerth, „wird zu wenig getan.“ Dabei sind es gerade sie, die andere Wege als ihre Eltern und Großeltern gehen, die neue Marken und Labels schaffen, die den Wein als Szene-Getränk jungen Kunden nahebringen wollen.

Gegenmodell zu arrivierten Treffs

Die Veranstaltungsmacher bewiesen Mut für ein urbanes, modernes Weinfestival als Gegenmodell zu den üblichen, leicht angestaubten Branchentreffs. 20 Winzer auch aus Frankreich, Österreich und Italien stellten 2013 an drei Tagen in der Rotunde ihre Weine und Visionen vor (anfangs noch unter dem Titel „Weine vor Glück“) – und fanden so regen Anklang, dass die Wiederholung 2014 an gleicher Stelle mit 40 Winzern auf fünf Tage ausgeweitet werden konnte. 2015 folgte Teil 3. An fünf Tagen. Mit 45 Winzern. Nicht mehr in der Rotunde, sondern – flankiert von Partys, Dinner-Abenden und Kochen am KAP – erstmals mit dem Jahrhunderthaus als Messe-Standort.

Ein Erfolgsmodell, das ab Mittwoch vergangener Woche auch bei der vierten Auflage umgesetzt wurde. „Es läuft grandios“, schaute Oliver Sopalla am Samstag auf die prall gefüllte Halle an der Alleestraße, in der 49 Winzer aus allen wichtigen deutschen Anbaugebieten sowie aus Frankreich, Italien und Spanien sich und ihre Tropfen vorstellten und kräftig ausschenkten.

"Kunden von morgen"

3000 meist junge Messebesucher, so die ersten Schätzungen, ließen es sich bis Sonntag schmecken. Für 15 Euro (Schüler und Studenten 10 Euro) gab’s ein Probierglas, das so oft wie gewünscht von den Winzern gefüllt wurde. „Ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis. Wo gibt’s für das Geld so viel zu trinken?“, schwärmte Carmen (22), die mit ihren Freundinnen gleich mehrere Runden drehte.

Für die Winzer, so ist zu hören, ist die Messe kein Geschäft: Gerade Schüler und Studenten belassen es meist beim Probieren, nehmen allenfalls ein oder zwei Flaschen mit. Als lohnendes Invest sieht es Oliver Sopalla gleichwohl: „Das hier sind die Kunden von morgen.“

 
 

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