Das Märchen von Leicester und den Fans des VfL Bochum

Fans von Leicester City und des VfL Bochum nach dem Spiel des englischen Clubs gegen Watford auf dem Rasen des King Power Stadiums.
Fans von Leicester City und des VfL Bochum nach dem Spiel des englischen Clubs gegen Watford auf dem Rasen des King Power Stadiums.
Foto: privat
In der englischen Premier League wird dieser Tage ein Fußballmärchen sehr wahrscheinlich Realität. Das feiern auch Fußballfans in Bochum.

Bochum/Leicester.. Wer den Fußball liebt, der tut dies vor allem wegen jener Geschichten, wie sie der englische Club Leicester City gerade schreibt. Europas Sportjournalisten sind sich einig: Der (sehr) wahrscheinliche Meisterschaftsgewinn Leicesters ist nichts Geringeres als ein "wunderbares Märchen" im kommerziellen Fußball, in dem die (extrem) Reichen normalerweise immer alles gewinnen.

Das Märchen von der Fußballmannschaft, bestehend aus Spielern und einem Trainer, die zuvor bei ihren diversen Arbeitgebern aussortiert wurden, mitunter als gescheitert galten und es jetzt allen zeigen. Am Sonntag kann Leicester bereits das letzte Kapitel dieses Märchens schreiben, kann Meister werden im altehrwürdigen Old Trafford Stadium in Manchester. Die Spannung, die Vorfreude, der Stolz bei Mannschaft und Fans ist greifbar. In Mittelengland und zum Teil auch in Bochum. Denn seit 2007 gibt es eine gelebte Fanfreundschaft einiger Anhänger des VfL Bochum und eben Leicester Citys.

Besuch in Leicester

Fritz Hubrich ist einer jener Bochumer, die der Partie am Sonntag entgegenfiebern. Der 23-Jährige schwärmt von den Gemeinsamkeiten beider Clubs und Städte. Er spricht von den "grauen Mäusen", die irgendwo mitten im Land liegen, von Menschen, die vom selben Schlag sind, von Städten, die so ihre Probleme haben und nicht gerade mit Sehenswürdigkeiten gespickt sind und von zwei Fußballvereinen, deren Erfolge eher übersichtlich sind. Hubrich weiß, wovon er spricht. Gehört er doch zu dem rund 30-köpfigen VfL-Fankonsortium, das zuletzt im November nach England gereist ist, um zusammen mit den Freunden aus Leicester die "Foxes" bei ihrem Spiel gegen Watford anzufeuern. Umgekehrt reisen die englischen Fans auch immer wieder zur Unterstützung des VfL nach Bochum. Und so begann diese ungewöhnliche Fanfreundschaft zwischen Engländern und Deutschen auch.

"2007 waren erstmals ein paar Groundhopper aus Leicester hier", berichtet Fritz Hubrich. So nennt man Fans, die in möglichst vielen verschiedenen Stadien Fußballspiele besuchen, unabhängig vom Verein, dem sie ihre Treue geschworen haben. "Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Es war das Spiel gegen Schalke, das wir 2:1 gewonnen haben. Die Stimmung war fantastisch. Das hat den Jungs aus Leicester ganz schön imponiert", so Hubrich. Seither sind die rund 40 englischen Fans, die zum "harten Kern der Freundschaft" gehören, immer wieder mal zu Spielen des VfL rübergeflogen. In Gruppenstärke zuletzt im Februar beim Spiel gegen den SC Freiburg. "Wir gehen zusammen was trinken, stehen in der Ostkurve, unterstützen unsere Mannschaft und feiern", beschreibt Hubrich die Begegnungen der beiden Fanlager. Es ist eine große Party, ein bisschen wie ein Familientreffen. Nur ohne die ungeliebten Verwandten.

Und das Märchen wäre perfekt

Erstaunlich und zugleich sympathisch authentisch ist, dass die Leicester-Freunde aus Bochum für Sonntag noch keine Feier vorbereitet haben, für den Fall, dass der englische Club tatsächlich die Meisterschaft perfekt macht. "Wir, aber auch unsere Freunde in Leicester, haben bis zuletzt befürchtet, dass die Mannschaft es doch noch schafft, die Meisterschaft zu vergeigen. Auch das ist nämlich einer dieser Gemeinsamkeiten zwischen dem VfL und Leicester", flachst Fritz Hubrich. Allerdings halten die Bochumer schon die Augen nach Flugtickets offen, um am Pfingstwochenende nach London zu reisen. Dann nämlich tritt Leicester zum letzten Saisonspiel bei Chelsea an und wird sehr, sehr wahrscheinlich die Meisterschaftstrophäe überreicht bekommen. Und das Märchen ist perfekt!

 
 

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