Das Grün im Wald und in Ruinen

Der Bochumer Peter Gros (Jahrgang 1962) stellt in  der Galerie Januar in Langendreer aus.
Der Bochumer Peter Gros (Jahrgang 1962) stellt in der Galerie Januar in Langendreer aus.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Zweimal Kunst, zweimal Natur als Thema: Thorsten Schnorrbusch zeigt „Green“ in der Galerie Provinz und Peter Gros „Waldinneres“ in der Galerie Januar. Zwei Positionen, die auf ein Nachdenken über das Verhältnis Natur/Zivilisation abzielen.

Bochum. Natur ist offenbar das Thema der Stunde in der Stadt. Zwei Ausstellungen von Bochumer Künstlern widmen sich im weitesten Sinne dieser Thematik, aber nur eine davon ist mit dem zurzeit allgegenwärtigen N.a.t.u.r.-Festival assoziiert. Das ist die von Thorsten Schnorrbusch (Jahrgang 1974) in der Galerie Provinz (Alte Hattinger Straße 11). Schnorrbusch ist vor allem Aktivist der Urban-Exploring-Szene. Das sind Menschen, die sich für den urbanen, gerne auch industrieruinierten Raum interessiere, sich oft semi-legal Zugang verschaffen und ihre Besuche fotografisch dokumentieren. In der gut vernetzten Szene dieser Entdecker von aufgelassenen Industrie-Ruinen, Kanalisationen und Katakomben hat Schnorrbusch schon Preise eingeheimst.

Spannungsverhältnis zum Wuchern

Stephan Strsembski, Galerist von Provinz, hat aus dem fotografischen Werk Schnorrbuschs für die kleine Schau „Green“ Bilder ausgewählt, die den urbanen Lebensraum vor allem im Spannungsverhältnis mit der wuchernden Natur zeigen. Ein schönes Beispiel für Schnorrbuschs autodidaktisch erworbene formale Meisterschaft ist das titellose Bild, das in einem verlassenen Büro-Komplex im Bergischen Land entstanden ist. Die ehemals kultivierten Zimmerpflanzen sind vertrocknet, durch ein rechteckiges Fenster platzt von Außen pralles Grün herein. Handwerklich perfekt kadriert erzählt das Foto sehr viel vom Verhältnis zwischen Mensch und Natur, zwischen Zivilisation und Natürlichkeit.

Die psychische Dimension

Der Mensch und die Natur ist auch für den 1962 geborenen Peter Gros ein großes Thema. „Waldinneres“ oder „Die psychische Dimension von Landschaft“ zeigt er bis zum 21. Juni in der Galerie Januar (Eislebener Straße 9) in Langendreer. Seine Malerei basiert auf autobiografischen Erfahrungen. Gros ist am Eingang eines ausgedehnten Waldgebietes aufgewachsen, er hat die Faszination des Waldes mit seinen unzähligen Lichtstimmungen und atmosphärischen Facetten immer schon stark empfunden. Das habe ihn zu der Einsicht gebracht, dass der äußeren Natur auch eine „innere Landschaft“ entspreche. Beide durchdrängten und bedingten sich.

Authetizität der Wahrnehmung

In seiner Malerei manifestiert sich das durch die Überlagerung von realistischen, vom Foto her kommenden Darstellungen mit abstrakten, manchmal nachgerade „leeren“ Flächen. Die Fotografie fließt auch in anderer Form in seine Gemälde ein. Bei einigen dienten Negative als Vorlage, eine weitere Ebene des Spiels des Künstlers mit der vermeintlichen Authentizität der Wahrnehmung.

Zwei Positionen, zwei Weltzugänge: wer über die wahre Natur der Natur nachdenkt, wird in beiden Ausstellungen interessante, künstlerische Ansätze finden.

Die Galerie Januar hat immer donnerstags 17 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung unter (0234) 3600578 geöffnet.

Die Galerie Provinz ist Dienstag bis Samstag 11 bis 19 Uhr geöffnet.

 
 

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