„Das Ergebnis der jahrelangen Zermürbungstaktik“

Rot für Opel Bochum ab 2016: Ab diesem Jahr soll dort kein Auto mehr gebaut werden.
Rot für Opel Bochum ab 2016: Ab diesem Jahr soll dort kein Auto mehr gebaut werden.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Mit Betroffenheit, Sorge und Kritik haben Politiker und die IG Metall auf das am Montag angekündigte Ende der Autoproduktion im Bochumer Opel-Werk im Jahr 2016 regiert. Die WAZ-Lokalredaktion hat einige Stimmen zusammengetragen.

Bochum.. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): „Dies ist eine traurige Nachricht für Opel, die Beschäftigten und ihre Familien, aber auch die Region und das Land. Jetzt muss es darum gehen, den Opel-Vorstand beim Wort zu nehmen. Es muss ernsthaft und belastbar an einer Perspektive für den Standort gearbeitet werden.“

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin: „Das Unternehmen muss Verantwortung übernehmen. Niemand darf in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Wir fordern ein klares Bekenntnis von Opel zur ‚Bochum Perspektive 2022‘.“

Bochums Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz: „Wir haben uns alle in Bochum gewünscht, dass es ernsthafte Verhandlungen über die Zukunft von Opel in Bochum gibt und es keine Schließung des Werkes auf Raten geben wird. Seit heute wissen wir, dass dies nicht die Strategie des Opel-Vorstandes ist... Heute liefert GM das Ergebnis der jahrelangen Zermürbungstaktik. Immer wieder wurden die Opelaner vertröstet und hingehalten. Das GM nun keine Autos mehr in Bochum nach 2016 produzieren wird, ist ein herber Verlust für die Stadt und die Region... Es ist enttäuschend, in welcher Weise der Vorstand die Belegschaft über die aktuellen Entwicklungen informiert hat. Der Vorstand ist gefordert, sich den Fragen der Beschäftigten zu stellen und sie konkret und umfassend über die Entscheidungen im Unternehmen zu informieren.“

Dieter Fleskes, SPD-Fraktionschef in Bochum: "Nachdem das Management die Marke Opel
immer weiter ramponiert hat, steht das Bochumer Werk jetzt vor dem Aus.
Stadt, Land und Bund müssen darauf achten, dass Opel der Behauptung,
sich seiner sozialen Verantwortung bewusst zu sein, Taten folgen lässt.
Das gilt für die Ankündigung, bestimmte Werksteile wie die
Komponentenfertigung über 2016 hinaus in Bochum zu belassen.
Betriebsbedingte Kündigungen müssen zudem auch nach 2016 ausgeschlossen
bleiben. Vielmehr muss es Ziel sein, im Rahmen der Initiative Bochum
Perspektive 2022 bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue zu
schaffen. Dabei muss sich Opel bei der Folgenutzung der Werksflächen
kooperativ verhalten. Nur dann besteht eine Chance, dass Opel nicht nur
Probleme macht, sondern auch dabei hilft, sie zu lösen."

Ingrid Fischbach, CDU-Bundestagsabgeordnete mit Wahlkreis Bochum/Herne: „Die Entscheidung der Opel-Geschäftsführung, die Fahrzeugproduktion am Standort Bochum ab 2016 einzustellen, ist der nunmehr letzte Akt in der jahrelangen Tragödie um das heimische Werk. Angesichts der Zugeständnisse, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen Jahren gemacht haben, sind die Pläne der Geschäftsführung ein harter Schlag für die Bochumer Opelaner... „Es ist schon erstaunlich, noch vor wenigen Monaten war Bochum der Opelstandort mit dem höchsten Qualitätsstandard und der besten Produktivität im Opelverbund. Diese harten Fakten sollen jetzt nicht mehr ausreichen, um hier vor Ort erfolgreich Automobilbau betreiben zu können, dabei haben die Beschäftigten bislang eindrucksvoll bewiesen, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Es muss jetzt gelingen, für diese Menschen auch über 2016 hinaus Perspektiven zu finden.“

Sevim Dagdelen, Bochumer Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke: „Die Beendigung der Opel-Produktion in Bochum gefährdet eine ganze Region. Die in Aussicht gestellte Ersatzproduktion von Komponenten, die aber überhaupt noch nicht konkretisiert wurde, ist nichts weiter als der Versuch, die gravierenden negativen Auswirkungen des Produktionsstopps für den Moment zu beschönigen. Gerade die Bochumer Opel-Beschäftigten haben in der Vergangenheit auch durch persönlichen Verzicht alles dafür getan, dass Opel wieder auf die Räder kommt. Dass ihnen nun ihre Existenzgrundlage genommen werden soll, zeugt von der gewissenlosen Konzernstrategie der GM-Führung. Nach der Verlagerung der Nokia-Handy-Produktion und der beschlossenen Schließung von Thyssen Krupp Nirosta wird damit erneut eine wichtige Produktion stillgelegt. Der Industriestandort Bochum wird im Interesse der Profitmaximierung der Konzerne nach und nach platt gemacht. Die Politik in Bund und Land muss hier endlich gegensteuern, statt hilflos mit den Achseln zu zucken.“

„Das ist ein schwarzer Tag für den deutschen Automobilbau“

Gregor Gysi, Bundestags-Fraktionschef der Partei Die Linke: „Das ist ein schwarzer Tag für den deutschen Automobilbau. GM opfert den Standort, an dem der mit dem Goldenen Lenkrad 2012 ausgezeichnete Zafira produziert wird, weil andere Automarken dem Konzern wichtiger sind. Ein Bekenntnis zur Marke Opel jedenfalls sieht anders aus. Die Belegschaft und das deutsche Management sind völlig unzureichend in den Entscheidungsprozess einbezogen worden und werden jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt. GM will Chevrolet und lässt Opel dafür am ausgestreckten Arm verhungern. Statt Produktionsstopp wären Verhandlungen mit Beschäftigten und Management zur Steigerung des Opel-Absatzes und der Effizienz angebracht gewesen, wenn GM etwas an Opel liegen würde. Dass nun das Ende der Automobilproduktion in Bochum verkündet wurde, lässt nichts Gutes ahnen für die Zukunft der Marke.“

Axel Schäfer (SPD), MdB aus Bochum. "Das angekündigte Aus für die Automobilproduktion bei Opel-Bochum nach fast genau 50 Jahren hat entscheidend das Management zu verantworten:
jahrelang wurde spekuliert, fehlgeplant, zuweilen gedroht, immer wieder Verantwortung an andere abgeschoben, immer wieder wurden Führungspersonen ausgewechselt. Die Belegschaft hat währenddessen hart gearbeitet, gute Autos gebaut und auch Nachteile in Kauf genommen. Das kann jetzt nicht alles vergebens gewesen sein! Es ist eine direkte Folge verheerender Fehler im Management, dass in Deutschland und Europa mehr Opel produziert wurden, als verkauft werden konnten. Dennoch muss der einzige Standort für die Produktion von Autos im Ruhrgebiet erhalten werden. Chancen gibt es: Tradition und Modernisierung kommen in unserer Stadt zusammen."

Knut Giesler, IG Metall-Bezirksleiter: „Es geht nicht an, dass die Beschäftigten in Bochum ohne Perspektive bleiben. Unser Ziel ist klar: Keiner soll das Arbeitsamt von innen sehen. Auch über 2016 hinaus brauchen wir Produktion am Standort Bochum. Wir lassen nicht zu, dass GM mit einseitigen Verkündungen den Verhandlungstisch verlässt. Heute geht es um Bochum, morgen um alle Standorte. Statt Kampfansagen an die Belegschaft brauchen wir endlich eine Lösung für die Menschen, mit Zukunft und Beschäftigung.“

Günter Gleising, Ratssprecher der Sozialen Liste Bochum: "Die aktuelle Entwicklung um das OPEL-Werk Bochum macht deutlich, das Alternativen zur bisherigen kapitalistischen Wirtschaftspolitik und
deren Krisenbewältigung notwendig sind.“


Geäußert hat sich auch Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Mit Bedauern und Sorge die Entscheidung habe er zur Kenntnis genommen, dass die Produktion im Opelwerk Bochum 2016 stillgelegt wird und in der Konsequenz bis zu 3000 Stellen wegfallen werden. Eindringlich forderte Overbeck Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften auf, alles zu tun, um der Opelbelegschaft existenzsichernde Perspektiven zu bieten. Gerade in dieser Zeit sei es notwendig, dass sich die Sozialpartnerschaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bewährt. Nach Auffassung des Ruhrbischofs ist dazu auch ein konstruktives Zusammenwirken von Betriebsrat und Arbeitgeberseite dringend geboten. Die Kirche stehe an der Seite der Arbeitnehmer und ihrer Familien, die gerade jetzt solidarische Hoffnungszeichen benötigten, so der Bischof. Das Ruhrgebiet müsse als lebenswerte Region auch in Zukunft den Menschen die Chance bieten, durch Arbeit ihr Leben bestreiten zu können."

 
 

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