"Crash Kurs NRW": Junge Menschen werden auf Gefahren im Straßenverkehr vorbereitet

Nadja A. Juskowiak
In der Aula des Alice-Salomon-Berufskollegs an der Akademiestraße in Bochum fand eine Infoveranstaltung für Schüler mit Bildern und Vorträgen unter dem Titel „Crash Kurs NRW – Jetzt auch in Bochum!“ statt. Im Bild: Notarzt Jens Asmus bei seinem Vortrag. Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool
In der Aula des Alice-Salomon-Berufskollegs an der Akademiestraße in Bochum fand eine Infoveranstaltung für Schüler mit Bildern und Vorträgen unter dem Titel „Crash Kurs NRW – Jetzt auch in Bochum!“ statt. Im Bild: Notarzt Jens Asmus bei seinem Vortrag. Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool
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Bochum. Junge Fahrer, unter 25 Jahre verursachen überdurchschnittlich viele Verkehrsunfälle. Eine landesweite Kampagne soll die Unfälle reduzieren.

In Bochum hat die Polizei dieses Jahr bis September 162 Unfälle gezählt, die von Fahrern im Alter zwischen 18 und 24 Jahre verschuldet wurden. Bei 110 dieser Unfälle kamen Personen zu Schaden.

Die Kampagne „Crash Kurs NRW – Realität erfahren. Echt hart.“ setzt genau bei dieser Zielgruppe an. Am Donnerstag fand die landesweite Veranstaltung der Polizeibehörde Nordrhein-Westfalen erstmals in Bochum vor rund 500 Schülern des Alice-Salomon-Berufskollegs statt.

Das Konzept des „Crash Kurses NRW“: Feuerwehrmänner, Notärzte, Polizisten und Unfallseelsorger schildern, was sie bei schweren Unfällen erlebt haben. Und das ist keine leichte Kost.

Bevor es ernst wird, lässt Polizeioberkommissar Thomas Barschke, der als Moderator fungiert, einige Schüler ihre Lebensträume auf Ballons schreiben. Als Symbol für die Verletzlichkeit des Lebens hängt er sie auf der Bühne auf.

Wahre Fälle mit Filmszenen eingeleitet

Die wahren Fälle aus Bochum und Umgebung werden eingeleitet mit nachgestellten Filmszenen, wie sich Unglücke im Inneren der Autos abspielen können. Junge Menschen, erst noch glücklich und ausgelassen, werden durch den Wagen geschleudert, bluten und bleiben dann regungslos – dem jungen Publikum in der Aula des Berufskollegs stockt schnell der Atem.

Intensiv sind die furchtbaren Geschichten, etwa von dem 15-jährigen Mädchen, dass 2005 durch den lebensgefährlichen Fahrstil ihres 19-jährigen Freundes an der Wuppertaler Straße zu Tode gekommen ist. Der Feuerwehrmann Christoph Kutz erinnert sich noch „an die wunderschönen blauen Augen, die weit aufgerissen waren und mich anschauten.“ Die Unfallsituation mit dem toten Mädchen im Auto hätte bei allen Beteiligten schwer erträgliche Erinnerungen hinterlassen, so der Feuerwehrmann.

Verschiedene Unfallursachen sind Thema: Handygebrauch, Alkohol am Steuer, Fahren ohne Gurt und Wettrennen im Straßenverkehr. Den Abschluss jedes Vortrags bilden Bitten an die Zuhörer:„Nehmt euch ein Taxi, wenn ihr Alkohol getrunken oder Drogen genommen habt. Schmeißt zusammen, das kostet oft nur zehn Euro“, sagt Notarzt Jens Asmus. „Denkt daran, wenn ihr Auto fahrt: Es hängen immer andere Menschen mit drin – Eltern, Geschwister, Freunde. Macht euch klar, was ihr denen antut!“, so Notfallseelsorger Hajo Witte.

keine Schocktherapie

Das Konzept habe nichts mit einer Schocktherapie zu tun, stellt die Polizeibehörde NRW klar. Es gehe darum, zu zeigen, worum es wirklich geht – nämlich um Menschenleben. Bochums Polizeipräsidentin Diana Ewert hofft, die jungen Menschen auf der emotionalen Ebene zu erreichen: „Intellektuell lernen sie diese Dinge ja schon in der Fahrschule“, so die Polizeipräsidentin.

Hinterher sprechen die Schüler noch untereinander über das Erlebte. „Ich fand die Erklärungen richtig gut. Mir ging das ans Herz“, sagt Alban Colakaj (17) im Beisein seiner Kumpels. Andere reflektieren eigene Erlebnisse:„Für mich war das schockierend, weil ich selbst vor Kurzem einen Unfall hatte“, so Romana Wirth (24).

Der „Crash Kurs NRW“ soll ab Januar 2012 einmal im Monat in Bochum, Witten oder Herne stattfinden.