Comedians haben Mut zum Absurden

Jürgen Stahl

Bochum. Gebeten wurde zur „Comedy-Nacht“. Geboten wurde weit mehr als das übliche Stand-up-Repertoire: zum Vergnügen der über 500 Zeltfestival-Besucher, die am Mittwochabend das Stadtwerke-Zelt füllten.

Zwar schreiben wir erst Jahr 4 der Zeltstadt am See. Das Comedy-Festival gilt gleichwohl schon als Institution, als Podium für Lach-Nummern auch abseits der ewig gleichen TV-Witzemacher. Dafür bürgt Hennes Bender. Als Gastgeber und Moderator gelingt es dem (nicht böse gemeint!) Klein-Künstler, unterschiedliche Spielarten der Comedy auf unterhaltsame, mitunter skurrile Weise zu vereinen.

Auch das vierte ZFR-Festival wurde seinem Ruf gerecht. Dabei fielen Anfang und Ende vergleichsweise konventionell aus. Nils Heinrich aus Berlin und Tobias Mann verstehen sich auf die klassische Form des komödiantischen Vortrags. Der gebürtige Sachse Heinrich gilt trotz seiner 40 Lenze als ambitionierter Newcomer. Der Mainzer Mann zählt dank eigener WDR-Sendung („Mann an Bord“) und etlicher TV-Gastspiele schon zu den etablierten deutschen Komikern.

Experimentierfreude

Was sich zwischen den beiden Stand-up-Protagonisten auf der Bühne abspielte, spricht für die Experimentierfreudigkeit von Hennes Bender und der Festival-Macher.

Ulan & Bator kreieren mit einem Stakkato aus Sketchen, Musik, Tanz, Pantomime und Gestammel ein wahnwitziges, stellenweise verstörendes Gesamtkunstwerk.

Der Berliner Puppenspieler Michael Hatzius verleiht seiner bizarren „Echse“ Stimme und Unterleib. Einmalig: Eine Puppe spielt eine Handpuppe.

Der durchgeknallte Hamburger Konrad Stöckel beherrscht als Fat King Konrad mit Böller im Hintern die Kunst der Physical Comedy.

Abgedrehte Komik, aufgedrehtes Publikum: Knapp drei Stunden kamen auch Freunde des abstrusen Humors auf ihre Kosten. Bender & Co. mögen weiter auf Abwegen wandeln. Mainstream gibt’s genug.