Chopin hätte seine Freude gehabt

Sven Westernströer
Auf in den Kampf: Min-Kyung Baek und Paul Genero kurz vor ihrem großen Auftritt vor der Fachjury.
Auf in den Kampf: Min-Kyung Baek und Paul Genero kurz vor ihrem großen Auftritt vor der Fachjury.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Beim Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ in der Musikschule zeigen 80 junge Musiker ihr Können. Einige von ihnen haben Wahnsinns Talent.

Bochum. Die Jury lässt noch auf sich warten, wichtige Besprechung im Nebenzimmer. Min-Kyung Baek und Paul Genero waren in der Stunde zuvor zwar die Ruhe selbst, aber kurz vor ihrem großen Auftritt scheint den beiden doch die Düse zu gehen. Unruhig tritt Paul von einem Bein aufs andere. Dann endlich: Die Herrschaften kommen rein, Min-Kyung nimmt am Flügel Platz, Paul setzt sich hinters Cello. Beide zwinkern sich kurz zu – und auf geht’s.

Für 20 Minuten gehört der kleine Saal der Musikschule nun ihnen. Handys und Kameras sind streng verboten, nichts darf die Konzentration stören. Ein Stück von Frederic Chopin und eins von Astor Piazolla haben sie sich für ihr Vorspiel ausgesucht. Min-Kyungs zarte Finger flitzen wie entfesselt über die Tasten des Klaviers, während Paul mit großer Meisterschaft die Saiten seines Cellos bearbeitet. Der interessierte Laie im Saal ist komplett platt, was für ein Talent die beiden Nachwuchsmusiker haben – und auch der Experte ist beeindruckt. „Das ist oberste Liga“, lobt Musikschulleiter Manfred Grunenberg. „Für mich ist das eine 25.“

Einladung zum „Recall“

25? Die Punkteverteilung bei „Jugend musiziert“ folgt einem komplizierten Regelwerk. Mit freundlichen vier Punkten hat man am Regionalentscheid „teilgenommen“, während in der Spitze maximal 23 bis 25 Punkte erreicht werden können. Dies berechtigt zur Teilnahme am Landeswettbewerb Anfang März in Düsseldorf. „Bei Dieter Bohlen wäre dies die Einladung zum ‘Recall’“, sagt Grunenberg. Wer auch dort die Jury vom Hocker fegt, fährt zum Bundeswettbewerb nach Hamburg.

So weit denken Min-Kyung und Paul noch nicht, obwohl sie wie die meisten Teilnehmer schon mehrmals am Wettbewerb teilgenommen haben. „Dabei hatte ich eigentlich kaum Zeit, mich darauf vorzubereiten“, lächelt die 17-jährige Min-Kyung, die an der Hildegardis-Schule ihr Abitur macht. Beide kennen sich seit Jahren, sind früher mit einer jungen Geigerin zusammen als Trio aufgetreten.

Das Stück von Chopin ist besonders heikel, das proben sie fast täglich. Und zwar seit den Sommerferien. „Man muss jeden Tag ein bis zwei Stunden üben“, sagt Paul. Das dauernde Wiederholen der immer gleichen Partitur nerve manchmal nicht nur ihn, sondern auch seine Familie. „Die müssen das alles aushalten“, grinst der 16-Jährige, der aufs Neue Gymnasium geht. Allerdings ist bei Familie Genero die klassische Musik ohnehin zu Hause: Sein Vater spielt Viola bei den Bochumer Symphonikern.

Manche haben kaum Zeit zum Üben

Rund 80 junge Musiker aus Bochum und Herne haben bei „Jugend musiziert“ in diesem Jahr teilgenommen: etwas weniger als sonst. „Man merkt vielen die steigende Belastung in der Schule an“, sagt Grunenberg. „Die haben einfach kaum Zeit zum Üben.“ Allerdings: Ein klassisches Instrument zu erlernen, sei für viele junge Leuten noch immer ein großes Thema. „Das Interesse ist nach wie vor da.“

Paul Genero möchte seine Cello-Karriere nach dem Abitur voran treiben. „Ich würde gern Musik studieren.“ Gut möglich, dass ihn der Weg dann weiter in ein Orchester führt. „Das Zeug dazu hat er auf jeden Fall“, meint Grunenberg.

Musik vielleicht nur ein Hobby

Für Min-Kyung Baek hingegen ist dies nicht klar. Als Pianistin kommt man an einem Orchester nur schwer unter. Und der Sprung in die Weltspitze ist kaum zu schaffen. „Vielleicht mache ich die Musik nur als Hobby und studiere Naturwissenschaften“, überlegt sie.

Zwei Stunden später. Die Punkte werden bekannt gegeben. Anders als vom Musikschulleiter prophezeit bekommen Min-Kyung und Paul „nur“ 24 Punkte – und sind trotzdem hoch zufrieden. Applaus!

Dies sind die Gewinner

23 und mehr Punkten sind nötig, um beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ eine Runde weiter zu kommen. Auf den Regionalwettbewerb folgt der Landeswettbewerb, der vom 6. bis 10. März in Düsseldorf stattfindet. Einige bekamen dafür die Einladung. Dies sind die Duos:

– Darius Preuß (Klavier) und Dorothea Zurhove (Violoncello) mit 24 Punkten.
– Elea Sophie Schwarz (Violoncello) und Carla Marie Bernhard (Klavier) mit 23 Punkten.
– Darius Preuß (Violine) und Benedict Heeren (Klavier) mit 25 Punkten.
– Paul Genero (Cello), Min-Kyung Baek (Klavier) mit 23 Punkten.
– Nimo Liu (Klavier), Shenlei Bao (Klavier) mit 24 Punkten.
– Sophia Swirgun (Klavier), Anara Sophia Barth (Klavier) mit 25 Punkten.
– Carlotta Luise Hirschhausen (Violine), Elom Goumegou (Klavier) mit 24 Punkten.

Die drei letzten Duos sind aufgrund ihrer Altersgruppe noch nicht in Düsseldorf dabei.

Das Preisträgerkonzert findet statt am Sonntag, 8.2., 11 Uhr, im Museum, Kortumstraße 147. Eintritt frei