CDU will Stadtwerke-Chef stoppen

2013 soll der Offshore-Windpark vor Borkum wie hier der von Ostende in Betrieb gehen. Die Bochumer Stadtwerke sind daran beteiligt, setzen verstärkt auf erneuerbare Energien.
2013 soll der Offshore-Windpark vor Borkum wie hier der von Ostende in Betrieb gehen. Die Bochumer Stadtwerke sind daran beteiligt, setzen verstärkt auf erneuerbare Energien.
Foto: Jakob Studnar
Die CDU hat offenbar vor, den mächtigen Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert in seinem Einfluss zu beschränken. Sie legte im Hauptausschuss den Antrag vor, Wilmert einen Finanzgeschäftsführer zur Seite zu stellen. Der Vorschlag soll im Rat am 13. September diskutiert werden.

Bochum.. Will die CDU den mächtigen Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert (60) entzaubern und an die kurze Leine nehmen? Darauf weist zumindest ein zunächst harmlos klingender Antrag hin, den CDU-Fraktionschef Klaus Franz am Mittwoch in den Hauptausschuss einbringen ließ, damit der Rat darüber am 13. September entscheiden kann: Franz fordert darin nichts weniger als die Erweiterung der Stadtwerke-Geschäftsführung um einen Finanzgeschäftsführer.

Wer soll den Konzern führen?

Damit hätte Franz gleich auch den Kopf von Wilmert (SPD-Mitglied) fordern können. Der gilt nämlich seit vielen Jahren als ausgesprochener Finanzvirtuose, der sein Haus so gut bestellt hat, dass Onkel Dagobert mit seinem Geldspeicher die Krise kriegen könnte.

Dennoch scheint Franz dem roten Stadtwerke-Boss jetzt ins finanzielle Kerngeschäft spucken zu wollen. Der Fraktionsführer der CDU ließ schon früher durchblicken, wie sehr er Wilmerts Kompetenz schätzt, warf aber gern die Frage auf, wer die Stadtwerke mit ihren gewaltigen Beteiligungen als Stadtkonzern steuern soll, falls Wilmert die Brocken hinwirft.

Doch dafür gibt es kein Indiz, im Gegenteil: Erst kürzlich verlängerte der Stadtwerke-Aufsichtsrat den Vertrag mit Wilmert um weitere fünf Jahre. Wahr ist aber auch, dass Franz, selbst Vorstand eines großen Baustoffkonzerns, nicht müde wird, gewisse Beteiligungsgeschäfte der Stadtwerke als viel zu riskant anzuprangern, an der Spitze die Teil-Übernahme der Steag durch ein Stadtwerke-Konsortium. In der Tat: Der Verzicht auf das Atomgeschäft könnte den erwarteten Ertrag der Steag schmälern.

Auch die vielen Auslandsbeteiligungen der Gelsenwasser AG sind Franz schon lange ein Dorn im Auge. Die Bochumer Stadtwerke hatten in den Jahren 2003/2004 rund 560 Millionen Euro als Kredit aufgenommen, um damit rund 50 Prozent der Gelsenwasser AG zu kaufen. Die andere Hälfte wird von Dortmund gehalten.

Gelsenwasser-Kauf zahlt sich aus

Für diesen Deal wird Wilmert aber noch heute quer durch fast alle Fraktionen gepriesen. Denn Gelsenwasser wurde für Bochum ein erstklassiger Goldesel: Von den 560 Millionen Euro Kredit sind 300 Millionen Euro schon getilgt, alljährlich fließen beachtliche Dividenden. Wie aus einem Stadtwerke-Plan, der bis 2016 reicht, hervorgeht, werden bereits für 2012 aus den Finanzanlagen der Stadtwerke über 43 Millionen Euro Gewinne erwartet, darunter auch die Rendite aus der Gelsenwasser-Beteiligung. Bis 2016 steigert sich die Gewinnerwartung bei den Finanzanlagen gar auf über 60 Millionen Euro.

Konzernlenker Wilmert erwies sich besonders für das von Rot-Grün geführte Rathaus in den dürren Jahren der Haushaltssperre als feste Bank: Nicht nur, dass jährlich Gewinnabführungen von über 30 Millionen Euro an die klamme Stadt stattfanden, auch für Finanzspritzen in Millionenhöhe für weit über hundert Vereine und Initiativen quer durch Kultur, Sport und Soziales kümmerten sich die Stadtwerke als Sponsor.

Auch wenn der „Geldspeicher nicht zum Bersten gefüllt“ (Zitat Wilmert von Juni 2012) werden soll, ist man Stadtwerke-intern offenbar guter Dinge, was künftige Einnahmen anlangt: Der Plan bis 2016 geht nach Abzug aller Verpflichtungen immer noch von jährlichen Restgewinnen in Höhe von 8,5 bis 3,6 Millionen Euro aus.

Am Mittwoch passierten die Jahresabschlüsse für 2011, die die Stadtwerke und ihre Holding betreffen, anstandslos den Hauptausschuss. Keiner meckerte, noch nicht einmal über den Offshore-Windpark vor Borkum, obwohl der erst 2013 mit dreiviertel Jahr Verzögerung in Betrieb geht. Aber daran sind nicht die Stadtwerke als Co-Finanzier schuld, sondern der Netzbetreiber. Und der soll dafür zahlen. Falls er es kann.

 
 

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