Callcenter-Betreiber Sellgate Germany in Schieflage geraten

Eine Wohlfühlatmosphäre sollte es im Sellgate-Center geben. Nun berichten Ex-Mitarbeiter von Missständen.
Eine Wohlfühlatmosphäre sollte es im Sellgate-Center geben. Nun berichten Ex-Mitarbeiter von Missständen.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Sellgate Germany mit seinen Standorten in Bochum und Köln hat ein Planinsolvenzverfahren beantragt. Die Mitarbeiter in Bochum erheben Vorwürfe. Dabei geht es unter anderem um das Abhören privater Telefonate. Sellgate-Auftraggeber Extraenergie versichert: Der Standort Bochum bleibt bestehen.

Bochum.. Die Oberbürgermeisterin kam zur Eröffnungsfeier, schließlich sollte ein Betrieb mit 500 Beschäftigten entstehen. Aber schon gut fünf Monate nach dem Festakt ist die Feierlaune beim Callcenter-Betreiber Sellgate in Riemke umgeschlagen. Die Sellgate Germany GmbH mit Standorten in Bochum und Köln hat ein Planinsolvenzverfahren beantragt. Außerdem empören sich Mitarbeiter über das Abhören privater Gespräche, sollen schriftlich garantieren, keine Fehler zu machen, berichten von Druck auf die Agenten und von Entlassungen unliebsamer Beschäftigter vor allem in den vergangenen Tagen.

„Am Anfang war ich begeistert, bis ich hinter die Kulissen geguckt habe“, sagt Melanie Samson. Die Bochumerin hatte im März als Teamleiterin bei Sellgate angefangen; in dieser Woche wurde ihr fristlos gekündigt. Der Vorwurf: „Ich soll zu nah an den Agenten gewesen sein.“ So habe sie etwa gegenüber Vorgesetzten darauf gedrungen, dass das Abhören eines Privatgesprächs zwischen Mitarbeitern durch einen Qualitätsmanager Konsequenzen für diesen habe müsse. „Das kam nicht gut an.“ Der ebenfalls entlassene Ludger Otten sagt: „Es gab ständig Drohkulissen.“ In einem offenen Brief berichten er und andere Sellgate-Mitarbeiter von Missständen.

„Wir versuchen erst einmal eine Lösung mit Sellgate zu finden"

Erhalten hat diesen Brief nicht nur die Bochumer Agentur für Arbeit, deren Sprecherin Anja Greiter sagt: „Wir werden den Kontakt zum Unternehmen prüfen und gucken inwieweit wir unsere Geschäftsbeziehungen aufrecht erhalten.“ Auch Sellgate-Auftraggeber Extraenergie hat Kenntnis von dem Schreiben bekommen, wie Geschäftsführer Samuel Schmidt bestätigt. Und: „Wir sind von der Sellgate informiert worden, dass es zu datenschutzrechtlichen Fehlern gekommen ist.“ Es sei versprochen worden, diese zu klären und dafür zu sorgen, dass sie nicht wieder auftreten. Ob die Geschäftsbeziehung nach „diesem Rückschlag“, so Schmidt, zwischen beiden Unternehmen aufrecht erhalten bleibt, ließ er offen. „Wir versuchen erst einmal eine Lösung mit Sellgate zu finden. Auf jeden Fall halten wir an dem Standort Bochum fest, ob mit Sellgate oder ohne.“ Um die Mitarbeiter werde sich sein Unternehmen kümmern, möglicherweise auch um gekündigte Beschäftigte.

Was die Sellgate Germany GmbH betrifft, so wurde der Kölner Anwalt Dr. Christoph Niering zum Sachverwalter bestellt, als Eigenverwalter fungiert der Düsseldorfer Anwalt Dr. Nikolas Antoniadis. Derweil nannte der Rostocker Anwalt Dr. Martin Dimieff, der Sellgate in Personalfragen vertritt, als Grund für die Entlassungen „personelle Überkapazitäten“.

 
 

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