Buntes Treiben in Jahrhunderthalle

Schwein gehabt. Auch das Karussell auf dem historischer Jahrmarkt hat schon einige Jahre auf dem Buckel.
Schwein gehabt. Auch das Karussell auf dem historischer Jahrmarkt hat schon einige Jahre auf dem Buckel.
Foto: WAZ FotoPool
Der traditionelle Jahrmarkt in der Bochumer Jahrhunderthalle erfreut sich großer Beliebtheit. Geht es nach Albert Ritter aus Essen, dem Vorsitzender des Deutschen Schaustellerbundes, dann bekommt die Kirmes den Status des Weltkulturerbes. Das Brauchtum ist bereits 1200 Jahre alt.

Bochum. Hier wurden Erinnerungen wach, bei der Berg- und Talfahrt, der „Fahrt ins Paradies", und wer etwas anderes behauptete, der flunkerte. Nicht umsonst entschieden sich Eltern wie Großeltern gerade bei dieser historischen Zugmaschine aus dem Jahr 1939 für eine Reise in die Vergangenheit -- und die Kleinen fuhren gleich gerne mit. „Wo kann man heute noch behaupten, auf dem gleichen Gerät zu fahren, auf dem schon die Oma saß?“, fragt Albert Ritter, Präsident des Schaustellerbundes. Genau hier, auf dem historischen Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle.

Seit 2008 sorgt der Essener für die märchenhafte Kulisse in der Kulturkathedrale, mitsamt einem Pferdekarussell aus dem Jahr 1878, damals von einem echten Vierbeiner angetrieben, der Schießbude (Baujahr 1800), Riesenrad, Kettenflieger – man könnte viele Geräte mehr aufzählen. Das „jüngste“ Model, die Geisterbahn, stammt aus dem Jahr 1947. „Bei allen Teilen handelt es sich um Originale, und die sind nicht nostalgisch, sondern historisch“, betont Ritter. Wo genau der Unterschied liegt? „Alle Modelle, die heute hier stehen sind nicht auf alt getrimmt, sondern echte historische Exponate“. Wahre Sammler- und Liebhaberstücke eben, wie es sie kaum noch zu vorzufinden gibt, schon gar nicht, auf den heutigen Rummelplätzen.

Den Geist der Vergangenheit spüren

In der Jahrhunderthalle konnte man ihn hingegen fast spüren, den Geist der Vergangenheit. Eine Seele haben diese Geräte, da waren sich die Schausteller einig. „Hier singen selbst die Holzwürmer“, scherzt Ritter, wie immer stilecht gekleidet mit Weste und Hut. Dennoch, das sei versichert, erfüllen alle Attraktionen die Sicherheitsbedingungen der heutigen Zeit und sind vom TÜV abgenommen.

Eine Pause von Raupe, Schiffsschaukel, Auto-Scooter und Co. gönnten sich die kleinen Gäste beim Kasperle-Theater, „einer frühen Form des politischen Kabaretts auf Jahrmärkten“, wie Ritter sagt. Eigens aus Paris angereist war Straßenkünstler und Pantomime Gilbert; ein waschechter Franzose, der mit seinen Einlagen der Veranstaltung noch mehr Jahrmarkt-Flair einhauchte. Und wer meint, dass sich die Kinder von heute nicht mehr mit den kleinsten Dingen des Lebens zufrieden geben, der wurde beim Flohzirkus der Familie Birk eines besseren belehrt.

Kirmes als Weltkulturerbe sichern

Er hatte eben an alles gedacht, der Schaustellerkönig aus dem Ruhrgebiet. Und weil Ritter den Rummel über alles liebt, hat er nun einen Antrag bei der UNESCO gestellt, der bei den Vereinten Nationen zuständigen Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur.

Die Kirmes möchte Ritter als Weltkulturerbe gesichert wissen. „Es handelt sich hier um einen Brauchtum, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Und das ist ja wohl bei 1200 Jahre, die es diese Tradition nun gibt, durchaus der Fall.“

 
 

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