Bühnenstück soll wirken wie ein „geiles Rockkonzert“

Tom Thelen
Szenenfoto mit Linus Ebner und Kinga Prytula.
Szenenfoto mit Linus Ebner und Kinga Prytula.
Foto: RS 5
Das Bochumer Theater Rottstraße 5 bringt Rainald Goetz’ Bühnen-Eruption „Krieg“ zur Premiere: ein heftiger Text, eine monströse Stimmencollage.

Bochum. Krieg war ein großes Thema des vergangenen Jahres. Nicht nur, aber auch in der Rottstraße 5, im dortigen Off-Theater. Das zündet zum Jahresabschluss eine Spielplanschrapnellbombe. „Krieg“ von Rainald Goetz steht auf dem Programm, am Donnerstag, 2. Dezember, 19.30 Uhr ist die Premiere. Ein heftiger Text, eine Zumutung, eine monströse Stimmencollage, die wie Karl Kraus auf Amphetamin wirkt.

Einst war „Krieg“ als „Heiliger Krieg“ erster Teil einer Trilogie, die 1987 uraufgeführt wurde und den damals 34-jährigen Dichter, Post-Punk, Stirnaufritzer, Provokateur Goetz, den gleichwohl doppelt promovierten Historiker und Mediziner, zum Theater- und Literaturstar machte. Neun Stunden dauerte die Ur-Aufführung in Bonn. Den ersten Teil, vom Suhrkamp-Verlag autorisiert gekürzt, bringt Theaterchef Hans Dreher jetzt mit drei Schauspielern auf die Bühne.

Ein bizarrer "Bürgerkrieg"

Linus Ebner, der jüngst im „Godot“ glänzte, Bernhard Glose (aus dem Rottstraßen-„Macbeth“) und erstmals Kinga Prytula (zur Zeit am Schauspielhaus in „Eine Sommernacht“) geben vor allem die drei obskuren Hauptfiguren Stockhausen, Stammheimer und Heidegger, die einen bizarren „Bürgerkrieg“ entfachen. Bierbefeuert belabern sie sich, saufend wird schwadroniert, Stammtisch-Hetze trifft Propaganda, hier hat seitens des Stückschreibers eindeutig ein Hass die Feder geführt, der einem Thomas Bernhard nicht nachsteht.

„Wir wollen das aufführen wie ein geiles Rockkonzert“, sagt Dreher, „mit einer entsprechenden Song-auf-Song-Dramaturgie und viel Musik.“ Diese reiche von Schostakowitsch über Ministry bis zum fast vergessenen Country-Barden Conway Twitty.