Bühnensprache zwischen Kaputtheit und Klischee

Mit „Not to Be“ vom Ensemble „only connect!“ zeigt das Kulturhaus Thealozzi eine ebenso düster-eindringliche wie empfehlenswerte, englischsprachige Inszenierung in der Regie von Julie Stearns, die auf Sarah Kanes „4.48 Psychosis“ basiert.

Dafür geht es mitten rein in die tückische Tragik von Depressionen, Psychose und Selbstmordwünschen. Irgendwo zwischen innerer Leere und verlorenem Lebensmut schießt sich Kurt Cobain in den Kopf und die Zuschauer damit in den Raum zwischen dem Leben und dem Danach. Alexander Kupsch als Cobain füllt die Sphäre dieser chimärenhaften Zwischenwelt mit Verzweiflung und Schmerz.

Neben der polymorphen Projektionsfläche Boddah (dämonisch gut gespielt von Jan Frede) stellt Stearns ihm eine kleine Armee puppenartiger Courtney Loves zur Seite, die als fragmentarische Gegenspieler zu den Einblendungen von Cobains Leid und Lebensmüdigkeit fungieren. Dabei betreten und verlassen die Loves immer wieder die Bühne durch eine freistehende Tür. Mit ihren roten Kleidern, dem verschmiertem Lippenstift und den blonden Perücken spiegeln sie gleichzeitig Kaputtheit und Klischee.

Stearns zeigt das Wechselspiel zwischen Betroffenen und Umwelt und findet dafür einen ganzen Katalog an Ausdrucksweisen. Um die Höhen und Tiefen der Gedanken- und Empfindungswelt zu kommunizieren, packt sie Schwermut in Bilder, überträgt Erlösungsfantasien in Bewegungen und illustriert Ohnmacht mit absurden Sequenzen.

Die Schauspieler verfügen über eine beeindruckende Treffsicherheit in Timing und Tonalität. Vor allem Kupsch hält seinen Ausdruck während der gesamten Inszenierung. Immer wieder setzt er die richtigen Akzente, ohne in Kitsch oder Albernheiten abzugleiten. Eine Inszenierung mit einer berührenden Bühnensprache, die Leerstellen zu beschreiben und von Schweigen zu erzählen weiß. Bravo!

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