"Brutaler Einsatz" - Schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Die Polizei soll bei ihrem Großeinsatz in Bochum am 1. Mai unverhältnismäßig hart gegen Nazi-Gegner vorgegangen sein.
Die Polizei soll bei ihrem Großeinsatz in Bochum am 1. Mai unverhältnismäßig hart gegen Nazi-Gegner vorgegangen sein.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Im Nachgang zur NPD-Demo und zum Gegenprotest in Bochum wird Kritik am Polizeieinsatz laut. Ein Polizist soll einem Mann den Arm gebrochen haben.

Bochum. Rund 2500 Gegendemonstranten hatten sich am 1. Mai auf Bochums Straßen versammelt, um gegen den Aufzug der rechtsextremen NPD zu demonstrieren. Darunter waren nach Schätzung der Polizei auch rund 600 "gewaltbereite Personen". Am Rande der NPD-Route hatte die Polizei überall Sperren aufgebaut, an manchen Stellen kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Gegendemonstranten. Aus den Reihen der Nazi-Gegner wurden mitunter Gegenstände in Richtung NPD-Demo und Polizei geworfen, die Polizei antwortete mit dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken und kreiste Gruppen von Gegendemonstranten immer wieder ein. Die Polizei meldete am Ende vier leicht verletzte Beamte, 306 vorübergehende Festsetzungen und 36 Strafanzeigen.

Gesicherte Informationen über die Anzahl verletzter Gegendemonstranten gibt es nicht. Linke Gruppierungen sprechen von rund 50 Personen. Die vermutlich schwerste Verletzung trug der 24-jährige Max (Name von der Redaktion geändert) davon. Ein Polizist soll ihm an der Straßensperre an der Kortumstraße mit einem gezielten Schlag mit dem Schlagstock den Arm gebrochen haben. Das berichtet Max im Gespräch mit unserer Redaktion und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Beamten. Er spricht von "Körperverletzung" und "unterlassener Hilfeleistung". Eine entsprechende Anzeige habe er am Dienstagnachmittag per Post an die Staatsanwaltschaft geschickt. Den Eingang einer solchen Anzeige konnte die Staatsanwaltschaft am Freitag allerdings noch nicht bestätigen.

Der Student der Geisteswissenschaften an der Ruhr-Uni lief nach eigenen Aussagen mit einer Gruppe Gegendemonstranten gerade auf die Sperre an der Kortumstraße zu, da seien plötzlich Polizisten links und rechts an der Gruppe vorbei gerannt, hätten ihnen den Weg abgeschnitten und "aus nächster Nähe" Pfefferspray eingesetzt. "Dabei ist dann ein Polizist von rechts auf mich zugerannt, schlug mir direkt oberhalb des Handgelenks auf den Arm und war sofort wieder weg", berichtet Max.

Der 24-Jährige habe gleich gemerkt, dass sein Arm wohl gebrochen ist. "Meine Hand hing unnatürlich runter, ich hatte große Schmerzen." Obwohl Max dann mehrfach im Gespräch mit drei Polizisten darum gebeten haben soll, Hilfe von einem Sanitäter zu bekommen, hätten die Polizisten ihn weder passieren lassen, noch medizinische Hilfe angefordert. "Die meinten, es wäre doch meine eigene Schuld. Was würde ich denn auch sonntags auf eine Demo gehen", so Max. Die Schmerzen seien dann immer heftiger geworden und Max immer lauter. Dann sei ein vierter Polizist auf die Situation aufmerksam geworden und hätte den 24-Jährigen aus der Polizei-Umkreisung hinaus gelassen. Allerdings nur ihn. Seine Freundin habe ihn nicht begleiten dürfen. "Weil keine Taxen fuhren, bin ich dann zu Fuß und alleine ins Bergmannsheil gelaufen. Dort wurde dann ein isolierter Bruch der Elle festgestellt und ich bekam einen Gips."

Die Dienstnummer der Polizisten ist Max nicht bekannt, wohl aber die Nummer des Einsatzzuges. Er hofft, dass die Staatsanwaltschaft nun die involvierten Beamten ausfindig machen kann und gegen sie ermittelt.

Ermittlungen gegen einen Polizisten eingeleitet

Seit Tagen schon kritisieren auch viele andere linke Gruppen einen überharten Einsatz der Polizei. Zuletzt sprach die Grünen Jugend Bochum am Freitag von "brutaler Polizeigewalt" und forderte den Stadtrat auf, die Ereignisse im Polizeirat "angemessen" aufzuarbeiten.

Indes erklärte ein Sprecher der Bochumer Polizei, dass Ermittlungen gegen einen Beamten aufgenommen wurden, der eine Rauchbombe zurück auf Gegendemonstranten geworfen hatte. Die Szene ist auf einem Video zu sehen. Weitere Anzeigen gegen die Polizei seien bisher nicht eingegangen.

 
 

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