Bogestra will stärker ins ÖPNV-Geschäft im Ennepe-Ruhr-Kreis

Andreas Rorowski
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  • Über ein gemeinsames Tochterunternehmen wird die Bogestra intensiver im Ennepe-Ruhr-Kreis aktiv
  • Zuständige Stadträte müssen dem Plan aber erst zustimmen
  • Das Unternehmen erhofft sich Synergieeffekten in Millionenhöhe

Bochum. Die Katze ist aus dem Sack. Über ein gemeinsames Tochterunternehmen wird die Bogestra nächstes Jahr noch weit intensiver als bislang ins ÖPNV-Geschäft im Ennepe-Ruhr-Kreis einsteigen. So jedenfalls sehen es Pläne des Nahverkehrsunternehmens und seines künftigen Partners, der Verkehrsgesellschaft Ennepe Ruhr (VER), vor.

„Wir möchten uns dafür noch in diesem Jahr den Auftrag der Räte einholen“, erklärte Bogestra-Vorstand Andreas Kerber gegenüber der WAZ. Entscheiden darüber werden die Stadträte von Bochum, Gelsenkirchen, Ennepetal, Gevelsberg, Schwelm, Sprockhövel und Wetter sowie der Kreistag des Ennepe-Ruhr-Kreises als politische Vertreter der Eigentümer. Bogestra und VER sind beide im kommunalen Besitz.

„Synergieeffekte“ sollen Millionen einbringen

2017 soll das neue Unternehmen bereits seinen Betrieb aufnehmen. Bogestra-Vorstand Kerber spricht von Synergieeffekten in Millionenhöhe, die mittelfristig möglich seien – etwa durch eine gebündelte Verwaltung. Erste Effekte soll die Zusammenarbeit bereits von Oktober an haben, dann werden beide Unternehmen erstmals gemeinsam Dieselkraftstoff beschaffen und über die größere Menge Preisvorteile erzielen.

Einsparungen sind im Personalbereich absehbar. „Aber es wird keine betriebsbedingten Beendigungskündigungen geben“, so Kerber. Entlassen werde niemand. Wohl aber könnten künftig Stellen nicht mehr neu besetzt werden. Die Bogestra hat etwa 2250 Mitarbeiter, die VER 327 Beschäftigte.

Mit den Betriebsräten beider Unternehmen habe es bereits einvernehmliche Gespräche gegeben. Gleichwohl stehen zahlreiche Details noch aus – wer etwa zu welchen Bedingungen in das neue Unternehmen wechselt.

Während die Bogestra weiterhin allein ihr eigenes Geschäft mit 77 Bus- und Bahnlinien betreibt, die schon jetzt zum Teil auch in den Kreis Ennepe-Ruhr hineinreichen, wird das Geschäft der neuen gemeinsamen Tochter das gesamte Leistungsangebot der VER mit 49 Linien umfassen. „Am Ende wird der VER dann nur noch eine Hülle sein“, so Kerber.

Steuerlicher Querverbund

Bestehen bleiben wird das Unternehmen aber ebenso wie die jetzige Bogestra, weil nur dann die steuerlichen Querverbünde im jetzigen Umfang bestehen bleiben. Über Dachgesellschaften, in Bochum ist das die Holding für Verkehr und Versorgung, fließen die Gewinne etwa aus dem Energiesektor und die Verluste aus dem Verkehrsektor zusammen und werden zum steuerlichen Vorteil miteinander verrechnet.

Käme es zu einer Fusion, würde eine Querverbund-Option, vermutlich die des kleineren Partners, entfallen. „Aber warum sollten wir ohne Not darauf verzichten“, so Kerber.

Rhein-Neckar als Blaupause

Er selbst hat gute Erfahrungen mit der Gründung einer solchen ÖPNV-Tochter durch regional etablierte Nahverkehrsunternehmen gemacht – in seiner Heimatregion Rhein-Neckar. Die von ihm mit gestaltete Gründung der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) bezeichnet er als „Blaupause“ für den angestrebten Weg von Bogestra und VER. In Mannheim und Heidelberg folgte auf die Gründung der rnv 2003 die Übernahme des operativen Geschäfts der Partner 2005, drei Jahre später folgte dann die gemeinsame Betriebszentrale.