Bogestra-Kunden sollen „clever kombinieren“

Startklar: Bogestra-Vorstand Burkhard Rüberg und Ruhrauto-e-Initiator Ferdinand Dudenhöffer stellen die Kooperation der beiden Unternehmen vor. Platz genommen haben sie im E-Zweisitzer Renault Twizy.
Startklar: Bogestra-Vorstand Burkhard Rüberg und Ruhrauto-e-Initiator Ferdinand Dudenhöffer stellen die Kooperation der beiden Unternehmen vor. Platz genommen haben sie im E-Zweisitzer Renault Twizy.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Öffentlicher Nahverkehr und Individualverkehr sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Eigentlich. Aber beide können voneinander profitieren. Umweltschonend und vielleicht sogar gewinnbringend. Das soll die Kooperation der Bogestra mit dem Car-Sharing-Anbieter Ruhrauto-e möglich machen.

Bochum. Bilder im Kopf, die der Name Bogestra erzeugt, sind solche von imposanten Bussen und flotten Straßenbahnen. Künftig könnte andere hinzu kommen: das etwa vom zweisitzigen Flitzer Renault Twizy. Der gehört zur Elektromobil-Flotte des Car-Sharing-Anbieters Ruhrauto-e, der mit dem Nahverkehrsunternehmen kooperiert. Bogestra-Abonnenten können künftig neben Bus und Bahn auch Autos nutzen. Der Slogan dafür: clever kombinieren.

Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheint, der öffentliche Nahverkehr verbindet sich mit dem Individualverkehr, macht auf den zweiten Blick Sinn. Es gehe nicht um Konkurrenz, sondern um ein zusätzliches Angebot, das die Bogestra bieten will, so Vorstand Burkhard Rüberg. Bus- und Bahnkunden finden an vorerst vier Standorten in Bochum E-Autos, die sie online buchen und mit ihrem frei geschalteten Abo-Ticket öffnen können – um dorthin zu fahren, wo Bus und Bahn nicht hinkommen.

„E-Mobilität betreiben wir doch schon von Geburt an“, so Rüberg. Ende des 19. Jahrhunderts fuhr die erste elektrische Tram in Bochum. Das neue Geschäftsfeld sei als eine „Fortentwicklung“ in einem neuen Markt zu verstehen, so Bogestra-Vorstand Gisbert Schlotzhauer.

Car-Sharing-Angebot noch bescheiden

Noch überragt der Betrieb im öffentlichen Nahverkehr um Längen. Neun Millionen Kilometer legen Bogestra-Kunden jährlich in Bussen und Bahnen zurück. Dagegen macht sich das Car-Sharing-Angebot von Ruhrauto-e noch bescheiden aus: 700 Kunden im gesamten Ruhrgebiet legten im ersten Jahr insgesamt 40.000 Kilometer zurück.

„Aber wir wollen weiter wachsen“, sagt Ruhrauto-e-Initiator Ferdinand Dudenhöffer. Und in Bochum, so der Wissenschaftler von der Uni Duisburg/Essen, habe das Unternehmen „die besten Erfahrungen“ (O-Ton) gemacht. Vier Autos an vier Stationen gibt es, künftig könnten es mehr werden. Das hängt auch davon ab, ob nach der Förderung mit 1,1 Millionen Euro durch das Bundesverkehrsministerium weiteres Geld für eine zweite Förderphase hinzu kommt.

Ein besonderes Projekt

Besonders ist das Projekt in jedem Fall. Nur in Berlin gibt es noch die Kombination aus ÖPNV und Car-Sharing ausschließlich mit E-Fahrzeugen. Aus Sicht von Bogestra-Vorstand Burkhard Rüberg geht es bei der Kooperation “um die letzte Meile“ für die Bogestra-Kunden. Und er ist überzeugt, dass dieses Geschäft auf die Dauer zu nennenswerten Ergebnissen führt. Dazu bei trage auch der Wertewandel in der Gesellschaft. Junge Leute seien weniger an früheren Statussymbolen wie dem eigenen Auto interessiert, wohl aber an hoher Mobilität.

Jetzt müssen sie bei der Bogestra und der Ruhrauto-e nur noch dahinter kommen, wie sie mehr Frauen hinters Steuer eines E-Autos bringen. Denn: „Wenn wir etwa in der Fußgängerzone für unser Angebot werben, dann bleiben zu 90 Prozent die Männer stehen“, sagt Ferdinand Dudenhöffer. Möglicherweise ist das ein Fall für die E-Auto-Designer.

 
 

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