Bochum

„Ich möchte leben“: Diese tragische Geschichte steckt hinter der Anzeige einer Bochumerin

Seit 2014 teilt Evelin Kegel diesen Aufruf jährlich bei Facebook.
Seit 2014 teilt Evelin Kegel diesen Aufruf jährlich bei Facebook.
Foto: Eveline Kegel
  • Evelin Kegel postet Jahr für Jahr eine emotionale Anzeige bei Facebook
  • Dahinter steckt eine starke Botschaft
  • Sie möchte zeigen, dass man niemals aufhören darf, gegen den Krebs zu kämpfen

Bochum. Die Stimme fängt an zu zittern. Die Worte gehen ihr nicht mehr leicht von den Lippen. Der Krebs hat Evelin Kegel erneut im Griff. Doch die Bochumerin kämpft – wieder einmal. „Ich möchte leben!“, nun klingt ihre Stimme wieder sicher. „Und ich möchte anderen Menschen zeigen, dass man niemals aufgeben darf.“

Um genau das zu erreichen, teilt sie jedes Jahr - und das schon zum vierten Mal - eine emotionale Anzeige auf ihrem Facebook-Profil. Evelin Kegel möchte zeigen: Krebs bedeutet nicht gleich den Tod.

20 Jahre Leben mit Leukämie

An den 17. Februar 1994 erinnert sich die gebürtige Bochumerin noch genau. Evelin Kegel, zu dem Zeitpunkt 43 Jahre alt, arbeitet als Restaurantleiterin in „der Buffeteria“ im Ruhrpark. Ärzte erkennen bei ihr eine chronisch lymphatische Leukämie. Diese Form der Leukämie ist nicht heilbar, da sie über das Lymphsystem geht. Die Diagnose zieht ihr den Boden unter den Füßen weg.

Beinahe gibt sie sich geschlagen, doch Familie und Arbeitgeber stellen sich hinter sie. Sie lässt sich gesundschreiben, arbeitet trotz Chemotherapie und Kortisonbehandlung. Ihre Haut wird angreifbar. Scheuert ein Kleidungsstück, wie die Träger ihres BHs, an den Schultern, fangen diese an zu bluten. Doch die Behandlung schlägt an, Kegels Blutwerte werden besser.

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Zwei Jahre später folgt der nächste Rückschlag. Ihre Milz ist voller Krebsnester. Anstatt gesunden 120 Gramm ist das Organ auf drei Kilogramm angeschwollen. Evelin Kegel will einfach nur gesund werden, ihren 50. Geburtstag noch erleben dürfen.

Auch diesmal besiegt sie den Krebs. Dennoch bleibt die Angst vor neuen gefährlichen Zysten ihr ständiger Begleiter. Ihre Leidenschaft, der Beruf im Restaurant, ihre Familie und die Unterstützung des Ärzteteams geben ihr Hoffnung.

Jährlicher emotionaler Aufruf

In ihr reift die Dankbarkeit. Sie will darauf aufmerksam machen, dass Krebs geheilt werden kann. Auch wenn ihr Bekannte versichern: „Jeder stirbt an Krebs.“ Ihr Vater, die Mutter und der Onkel sind der Krankheit bereits unterlegen.

Sie entschließt sich am 17. Februar 2014, 20 Jahre nach der ersten Krebsdiagnose, eine Anzeige in die Zeitung zu setzen. „20 Jahre Leben mit Leukämie“ schreibt sie und nennt daraufhin die Personen, die ihr medizinisch geholfen haben.

Jährlich postet sie ein Foto der Anzeige auch bei Facebook. Die Resonanz der User ist überwältigend. Viele nehmen Anteil, fühlen sich motiviert oder entschließen sich sogar, Blut bei der DKMS zu spenden.

Man lernt die kleinen Schritte zu schätzen

Ende 2017 erhält Kegel die nächste Schocknachricht. Eine Routineuntersuchung beim Orthopäden offenbart eine Wölbung an der Halsseite. Schnell wird klar: Der Krebs hat sie zurück. Diesmal ist es Lymphdrüsenkrebs. Erneut muss sie die zermürbende Behandlung aus Chemotherapie und Bestrahlung über sich ergehen lassen.

Mittlerweile geht es ihr wieder bedeutend besser. Die Lymphknoten sind kleiner geworden. „Ich kann laufen, wenn auch keine Kilometer“, freut sich die nun 68-Jährige. Mittlerweile weiß sie gerade diese kleinen Schritte zu schätzen.

Du möchtest dich bei der DKMS typisieren lassen und Menschen wie Evelin Kegel helfen? Hier kannst du dich registrieren lassen.

 
 

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