Bochum

Bochumer wettert gegen Maßnahme auf Straße – „Eine Katastrophe! Das kann so nicht bleiben“

Auf der Herner Straße wurden im vergangenen Jahr auch Grünstreifen gepflanzt, um die Dieselabgase zu filtern. (Archivbild)
Auf der Herner Straße wurden im vergangenen Jahr auch Grünstreifen gepflanzt, um die Dieselabgase zu filtern. (Archivbild)
Foto: Gero Helm / FUNKE Fotoservices

Bochum. Die Autobahnen im Ruhrgebiet sind voll. Gerade zur Rush Hour tummeln sich die Fahrzeuge. Stau im Feierabendverkehr ist meist vorprogrammiert. Die neue Tempo 30-Strecke zwischen den Autobahnen A40 und A43 in Bochum mache alles nur noch schlimmer. Dieser Meinung ist Dirk Schmidt, CDU-Ratsmitglied aus Bochum.

Da die Messstation auf der Herner Straße in Bochum immer wieder zu hohe Stickoxid-Belastungen gemessen hatte, musste eine Lösung her: Seit Oktober 2018 gilt also ein Durchfahrtverbot für Lkw und das Tempo 30-Limit. Der Bochumer Politiker Schmidt hatte im März die Online-Petition „Schluss mit Tempo 30“ gestartet. Diese läuft nun bald aus.

Bochum: CDU-Politiker will die Tempo 30-Zone an der Herner Straße abschaffen

„Wir drosseln eine innerstädtische Verbindung, Fahren Sie mal diesen Weg, am besten Freitagnachmittags nach 13 Uhr. Die Verkehrssituation ist eine Katastrophe“, macht der Ratsherr deutlich. Und der Schadstoff-Ausstoß sei beim Stop-and-Go erhöht. Obendrauf sei die Verlegung von Flüsterasphalt überflüssig gewesen, wenn die Autos nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren dürfen, prangert er an.

Fakt ist allerdings auch: Seit der Einführung des Tempolimits auf der Herner Straße sind die Belastungswerte gesunken. Waren sie noch vor der Maßnahme bei bis zu 51 Mikrogramm pro Kubikmeter hoch, pendeln die Stickoxidwerte nun zwischen 36 und 48 Mikrogramm pro Kubikmeter“, teilte Stadtbaurat Markus Bradtke Ende April mit, als das Landesamt für Natur und Umweltschutz die Ergebnisse der Messungen veröffentlichte.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Ruhrgebiet: Verkehrschaos im Pott – Experte mit krasser Forderung

Dieselfahrverbot droht in Bochum: Stadt führt Tempolimit ein und macht dann auch noch das

• Top-News des Tages:

Türkei: Paar erlebt im Urlaub schlimmes Drama am Strand – jetzt erheben beide schwere Vorwürfe

„Bares für Rares“ im ZDF: Frau will Schmuck verkaufen – plötzlich fängt Horst Lichter an zu tuscheln

-------------------------------------

„Wir haben keine Veranlassung das Tempolimit zurückzunehmen. Es hat sich absolut bewährt“, macht auch Stadtsprecher Peter van Dyk. Auch sei Sicherheit ein wichtiger Faktor, da Schulen und Kindergärten an der Verkehrsroute lägen.

Die gesunkenen Belastungswerte waren vor dem Start der Petition noch nicht bekannt, Schmidt räumt diesen Erfolg auch durchaus ein. Doch: „Das kann jetzt einfach nicht so bleiben,“ meint er aber. Die Autofahrer würden jetzt einfach Umwege in angrenzenden Wohngebieten fahren. So verteile sich die Emission nur anders. Das sei keine Lösung, nur eine Verschiebung.

„Das Autofahren muss unattraktiv werden“

Um das Klima zu verbessern und die Schadstoffe zu senken, müsse „das Autofahren unattraktiv werden“, so der Stadtsprecher. Nach jetzigem Stand sind etwa 60 Prozent der Bochumer mit dem Auto unterwegs, und 40 Prozent nutzen alternative Wege (Rad, zu Fuß oder den ÖPNV). „Diese Zahlen wollen wir drehen“, so Dyk.

+++ Dieselfahrverbot droht in Bochum: Stadt führt Tempolimit ein und macht dann auch noch das +++

Der Vorschlag des CDU-Politikers zur Lösung des Schadstoff-Problems: Die Kennzeichen der Lkw, die trotz Verbot über die Herner Straße fahren, sollten erfasst werden. Der Lkw-Verkehr müsse mehr kontrolliert werden. Der Nahverkehr zwischen den Städten müsse weiter ausgebaut werden. Dabei solle beispielsweise die Taktung der U35 zwischen Bochum und Herne erhöht werden.

City-Maut? „Das lehne ich ab“

Wäre eine sogenannte City-Maut denkbar, die derzeit auch im Gespräch ist? „Das lehne ich ab“, meint Schmidt. Wenn diese Maut-Gebühr eingeführt werde, müssten alle Fahrzeuge eine Abgabe zahlen, für jede einzelne Fahrt und auch für das Parken >>> mehr dazu hier.

801 Menschen unterzeichneten bislang seine Online-Forderung zur Abschaffung des Tempolimits. Ein Erfolg? „Es hat auf jeden Fall Erkenntnis gebracht“, meint Schmidt. Ihn wunderte, dass das Problem auch über die Grenzen von Bochum hinaus Unterstützung fand.

+++ Ruhrgebiet: Verkehrschaos im Pott – Experte mit krasser Forderung +++

Am Montag endet seine Unterschriftenaktion. Dann will er in der Bochumer Innenstadt ein Zeichen setzen und Kommentare aus der Petition ausstellen. Außerdem soll das Thema im Ausschuss erneut auf den Tisch.

Hier einige Auszüge der Befürworter-Kommentare:

  • „30 km auf der Strecke ist der größte Witz und durch die Blitzer nur Geldmacherei“
  • „Ich nutze die Straße regelmäßig und kann nur bestätigen, dass der Verkehr sehr ins Stocken geraten ist.“
  • „Ich wohne in der Herner Straße und die 30er Zone belastet den Verkehr so sehr“
  • „Da die 30iger Zone den Verkehr auf der Herner Straße nur verschlimmert hat. Stop and Go unterstützt bestimmt nicht die Luftreinheit, sondern eher das Gegenteil.“
  • „Hauptverkehrsadern in 30er Zonen zu verwandeln hilft weder Umwelt noch Einwohner noch dem Verkehrsfluss. So sind NICHT nur zu Stoßzeiten Staus vorprogrammiert !!!“

400 Bochumer haben bei einer Bürgerkonferenz der Stadt übrigens aktiv mitgearbeitet und die „Mobilität von Morgen“ in Bochum mit Ideen mitgestaltet. Denn die Bochumer legen täglich rund 9,7 Kilometer zurück. Das muss sich ändern. >>>mehr zu dem Thema hier.

 
 

EURE FAVORITEN