Bochum

Ein Jahr nach Prozess: Deshalb sendet „Uni-Vergewaltiger“ Ziyad K. Hilferuf aus dem Gefängnis

Der Angeklagte Ziyad K. mit Anwalt Egbert Schenkel (ganz links) und seinem Übersetzer.
Der Angeklagte Ziyad K. mit Anwalt Egbert Schenkel (ganz links) und seinem Übersetzer.
Foto: Jürgen von Polier

Bochum. Ziyad K. hat im Ruhrgebiet als „Uni-Vergewaltiger“ traurige Bekanntheit erlangt. Am 16. Mai 2017 wurde der Iraker zu elf Jahren Haft verurteilt. Mit erdrückender Beweislast konnte das Gericht damals nachweisen, dass er zwei chinesische Mädchen vergewaltigt und eine davon stranguliert und fast erdrosselt hat.

Am 21. November war das Urteil vom Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestätigt worden. Auf Anfrage von DER WESTEN sagt Rechtsanwalt Egbert Schenkel, damals Pflichtverteidiger des Irakers, dass er erst kürzlich von Ziyad K. gehört hätte. Der habe ihn angerufen und gefragt, ob Schenkel ihm bei den Gerichtskosten von mehr als 40.000 Euro helfen könne - für die muss er als Verlierer des Prozesses aufkommen.

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Die Summe setzt sich unter anderem zusammen aus Gutachterkosten, Kosten der Nebenklage und auch den Kosten für Verteidiger Schenkel selbst. Auch das Revisionsverfahren hat Geld gekostet. K. habe nun die Zahlungsaufforderung bekommen und könne den Betrag nicht bezahlen.

„Dafür kommt aber nicht gesondert ein Gerichtsvollzieher, um das zu vollstrecken“, erklärt Schenkel. Es sei davon auszugehen, dass der Gerichtskostenanspruch niedergeschlagen würde. „Es wird ihm aber nicht geschenkt. Der Titel hat 30 Jahre Bestand.“

Forderung ruht vorerst

Das bedeutet, dass die Forderung der Justizkasse von 40.000 Euro vorerst ruht, weil K. im Gefängnis sitzt. Sobald er aber in irgendeiner Art und Weise zu Geld kommt, muss er damit die offenen Forderungen begleichen.

Dass er zu Geld kommt, ist aber relativ unwahrscheinlich. Denn Ziyad K. habe auch nicht die Möglichkeit, im Gefängnis zu arbeiten - weil die wenigen anstaltsinternen Betriebsstätten deutschen Insassen vorbehalten seien und es insgesamt zu wenige Stellen gebe.

„Sein Bruder scheint Kontakt zu haben und ihn zu besuchen“, sagt Schenkel. Bei Frau und Kindern sei das unklar. „Ich gehe davon aus, dass er da auf sich gestellt ist und keinerlei Hilfe bekommt." Es gibt auch Sozialarbeiter, die Häftlinge auf eine Entlassung aus dem Gefängnis vorbereiten. „Aber das wird an seinen sprachlichen Problemen scheitern. Denn er kann ja weder lesen noch schreiben", sagt Schenkel.

 
 

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