Bochumer Tischfußballer kicken sich in die 1. Bundesliga

Dem Ball gehört die ganze Aufmerksamkeit: Karl-Heinz Spyra streichelt die Kugel, bevor er sie ins Tor kickt.
Dem Ball gehört die ganze Aufmerksamkeit: Karl-Heinz Spyra streichelt die Kugel, bevor er sie ins Tor kickt.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Der TFC Phoenix Bochum marschiert als NRW-Landesmeister in die 1. Bundesliga durch. Im Juli findet die Tischfußball-Meisterschaft in Hennef-Uckerath statt.

Bochum. Gegründet, gespielt, gewonnen: So schlicht könnte man die Vereinshistorie des TFC Phoenix Bochum zusammenfassen. Die Tischfußballer im „besten Kickeralter“ verzichten auf langwierige Ballstafetten und stürmen geradewegs ans Ziel. Im Frühjahr 2015 gegründet, holten sie am 13. Dezember direkt die NRW-Landesmeisterschaft und machten am 10. Januar in Hennef-Uckerath den Durchmarsch in die 1. Senioren-Tischfußball-Bundesliga perfekt.

Zu Zeiten seiner ersten „Kicker-Karriere“ wäre das Lob, „Teamkapitän Rainer Schiemann verschiebt mit hölzernen Beinen gekonnt den Ball“, fraglos fragwürdig gewesen. Eine versteifte Spielweise möchte wohl kein Fußballer in seinem Arbeitszeugnis finden. Zugegeben, die Spielfiguren der Profi-Tische sind längst aus Kunststoff, die „hölzerne“ Huldigung hingegen trifft heutzutage dennoch zu: „Ich war jahrzehntelang für den WSV Bochum aktiv. Bis 2004 lag mein Hauptaugenmerk daher auf dem Fußball.“ Dann kamen einstige Kneipenerfahrungen zurück ins Spiel, „die ich mit 18, 20 Jahren gemacht habe.“ Der Wechsel vom Platz an den Tisch war vollzogen. Zum roten Trikot trägt er nun eben Hand- statt Stollenschuhe.

„Kickern ist keine Altersfrage“

Ein Grund, warum Phoenix erfolgreich den Senioren-Tischfußball aufmischt, scheint der Ehrgeiz. Die ehemaligen Fußballerbeine zucken nach wie vor angespannt mit, wenn der Gegner in Mittelstürmerposition in Ballbesitz kommt. „Du weißt schon, dass ich 3:0 führe?“ Markige Sprüche gehören beim Kneipensport zum psychologischen Inventar, „Abteilung Attacke“ ist allgegenwärtig, wenn die sieben Spieler vom TFC an die Tische im Werner „Dolce Vita“ bitten. „Hochmut kommt vor dem Fall, mein Lieber“, wird prompt gekontert. Endstand 4:5, Spiel gedreht.

Tricksen, Täuschen, Tore schießen. Hört sich einfach an, der Selbstversuch bringt einen ganz schnell auf den grün-lackierten Spanplattenboden zurück. Hier duellieren sich Bundesligisten. „Es ist wie bei anderen Sportarten auch“, sagt Rainer – man duzt sich – nüchtern: „Nur wer trainiert, kann mithalten. Kickern ist keine Altersfrage.“ Man muss sich halt bei der Stange halten. Beim TFV Bochum e.V. starteten die heutigen „Phoenixe“ Rainer Schiemann (66), Alfons Trapp (59) und Karl-Heinz Spyra (66) 2011 – passend benannt – als „Young Boys Bochum“. Nach drei Jahren und einem Abstieg sahen die Aktiven die Zeit für einen Neuanfang gekommen.

Es wäre fahrlässig, die mythologische Floskel nicht zu bemühen: „Wie der Phoenix aus der Asche“ – drei Euro fürs Phrasenschwein – kehren sie nun ins Oberhaus zurück: „Erstes Ziel ist es, nicht abzusteigen. Darüber hinaus erhoffen wir uns einen Platz im guten Mittelfeld, es geht immerhin gegen aktuelle Nationalspieler“, gibt sich Kapitän Rainer angriffslustig. Gespielt wird in Hennef-Uckerath.

Da war doch neulich was…?

Überregionaler Kader ab dem Sommer voll besetzt

Den TFC Phoenix Bochum komplettieren Volker Karl, Ralf Hildebrandt, Frank Flunkert und Klaus Henschel. Die Spieler kommen aus Bochum, Dortmund, Lünen, Hagen und Siegen. Spiel- und Trainingsort ist das „Dolce Vita“ (Werner Hellweg 459).

Im Sommer verzeichnen die Tischfußballer einen Neuzugang: „Dann ist der Kader mit acht Leuten voll“, so Rainer. Voraussetzung, um in der Senioren-Bundesliga antreten zu dürfen: man muss 2015 das 50. Lebensjahr vollendet haben.

16 Mannschaften aus ganz Deutschland spielen am 16./17. Juli um die Deutsche Senioren-Meisterschaft. Gegen jeden Gegner werden fünf Partien (drei Doppel/zwei Einzel) mit je zwei Sätzen bestritten. Gespielt wird bis Fünf. „Bei 4:4 gilt die Regel ‚zwei Tore Vorsprung‘. Maximal geht es bis acht“, erläutert Karl-Heinz Spyra, der neben seiner Spielerrolle auch noch als offizieller Fotograf des Deutschen Tischfußballbundes (DTFB) im Einsatz ist.

Info: www.tfc-phoenix.de.

 
 

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