Bochumer Studierende spielen Harry Potters Lieblingsspiel

Und sie können doch fliegen – zumindest kurzzeitig. Seit diesem Semester gibt es Quidditch-Kurse beim Hochschulsport in Bochum. Sie waren schnell ausgebucht. Foto: Ingo Otto
Und sie können doch fliegen – zumindest kurzzeitig. Seit diesem Semester gibt es Quidditch-Kurse beim Hochschulsport in Bochum. Sie waren schnell ausgebucht. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Harry-Potter-Fans vereinigt euch. Seit diesem Semester gibt es Quidditch-Kurse beim Hochschulsport in Bochum. Geflogen wird natürlich nicht – dafür gerannt.

Bochum.. So lässig wie Lukas Boltner es hinbekommt, dass der gelbe Gymnastikstab in die Hand an seinem nach unten ausgestreckten Arm fliegt, sieht es fast so aus, als könne er wirklich zaubern. „Auf“ sagt er nur, rollt dabei den Stab unter seinem Fuß durch, bringt ihn auf den Rand seines Schuhs und von da aus mit Schwung nach oben in die Hand. „Das mache ich jetzt immer so“, sagt er zu den beiden Übungsleitern, Saskia Busse und Niklas Müller, klemmt sich den Stab zwischen die Beine, rennt los – das Quidditch-Training hat begonnen. Es ist ein neuer Kurs beim Hochschulsport. Innerhalb kurzer Zeit waren die Kurse des Hochschulsportes voll. Harry-Potter-Fans aller Hochschulen vereinigt euch.

Harry-Potter-Lektüre hilft bei den Regeln und Abläufen

Alle sieben Harry-Potter-Bücher gelesen zu haben, die J.K. Rowling über den Zauberlehrling geschrieben hat, ist keine Zugangsvoraussetzung. Es hilft aber, sich in den Regeln und Abläufen zurecht zu finden, in dieser zauberhaften Sportart, in der es Jäger und Hüter, Quaffel und Klatscher und einen goldenen Schnatz gibt.

In der Zaubererwelt von Harry Potter würden die Spieler fliegen. Hoch in der Luft, schnell zudem. Auf einem Zauberbesen. Es wäre vielleicht nicht gleich ein „Nimbus 2000“, wie Harry Potter ihn geschenkt bekommt, schließlich spielen hier Quidditch-Anfänger und der „Nimbus 2000“ ist gefährlich schnell. Aber fliegen könnten sie. Können sie aber natürlich nicht in echt. Und die erste Frage, die kommt, wenn sie erzählen, dass sie sich nun im Quidditch versuchen, ist immer die, ob sie denn dann auch fliegen würden. Sie müssen laufen, rennen, dürfen auch gehen, werfen oder fangen verschiedene Bälle oder versuchen ihnen auszuweichen, müssen dabei aber immer, das ist die vielleicht wichtigste Regel, einen Stab als Besen-Ersatz zwischen den Beinen haben. Sieht komisch aus, ist aber so. „Wer absteigt“, sagt Sven Schulz, „also wer den Stab auf den Boden stellt, muss sofort in seine eigene Hälfte zurück.“ Schulz hat keins der Bücher gelesen, immerhin aber die Filme gesehen. Er versucht Quidditch, „weil es so exotisch ist. Ich probiere gerne Dinge aus“. Gewöhnungsbedürftig sei das Spiel aber schon. Wenn man den Menschen mit den Stäben zwischen den Beinen dabei zuguckt – und wenn man es spielt.

Gymnastikbälle sind die Klatscher

Das ist es auch für Christiane Grinda, die von sich selber sagt, dass sie ein großer Potter-Fan sei. Sie kann etwas mit den Fachbegriffen anfangen. Die Quaffel, mit denen Tore erzielt werden dürfen, sind Volleybälle, Gymnastikbälle die Klatscher, die bei Harry Potter zwei schwere Eisenkugeln sind und selbstständig fliegen können und echt gefährlich sind. Das ist es auch ohne sie. Körperkontakt ist unbedingt erlaubt, Verletzungen kommen vor.

Gespielt wird sieben Spieler gegen sieben auf drei Tore, die in der Zaubererwelt in 20 Metern Höhe schweben und hier auf dem Kunstrasenplatz der Ruhr-Uni Hula-Hoop-Reifen sind, die an T-Stücken von Wasserschläuchen und damit an Plastikrohren befestigt sind, die wiederum in Ständern von Sonnenschirmen stehen. „150 Euro haben unsere Trainingsgerätschaften gekostet“, sagt Müller. Billig war auch der „goldene Schnatz“. Bei Rowling ist es ein walnussgroßer goldener Ball mit silbernen Flügeln, der so verzaubert ist, dass er sehr schnell herumfliegt und sich versteckt ist hier einfach ein: Tennisball. Er befindet sich in einem Socken, der wiederum in einen Hosenbund eines Schiedsrichters steckt und von den Jägern hinausgezogen werden muss.

Meisterschaften in Darmstadt

Es ist ein Exotensport, aber einer, der in Australien, England und Amerika viele Anhänger hat und dort völlig selbstverständlich gespielt wird. Weltmeisterschaften gibt es im Quidditch, Deutsche Meisterschaften auch. „Sie finden im Januar in Darmstadt statt“, sagt Müller, der den Sport in Heidelberg kennenlernte und der nun Bochumer Studenten darauf vorbereitet. Ganz ohne Zauberei.

 
 

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