Bochumer Stadtwerke-Azubis trainieren auf Übungs-Strommasten

Bernd Kiesewetter
Die Lehrlinge Lukas Dominik (li.) und Marius Bünger auf einem Übungsmast.
Die Lehrlinge Lukas Dominik (li.) und Marius Bünger auf einem Übungsmast.
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler
Höhenangst sollte man dabei nicht haben: Auf dem Bochumer Betriebshof der Stadtwerke an der Darpestraße trainieren angehende Elektroniker auf Übungs-Strommasten das Spannen und Montieren von Freileitungen. Nach der Ausbildung werden die Azubis für mindestens ein Jahr übernommen.

Bochum. Der Ausbildungsplatz von Felix Müller liegt zurzeit rund zehn Meter über dem Boden. Der 20-jährige Bochumer ist angehender Elektroniker für Betriebstechnik bei den Bochumer Stadtwerken und trainiert zurzeit mit seinen Kollegen das Klettern und Montieren auf Übungs-Strommasten. „Man muss sich schon überwinden“, sagte er gestern auf dem Trainingsgelände, dem Betriebshof an der Darpestraße. Aber er zähle nicht zu denen, der Höhenangst hätten. „In die Tiefe zu gucken, fällt mir nicht schwer.“

Müller befindet sich bereits im vierten Lehrjahr und klettert locker und sicher die Holzmasten rauf und runter. Dazu trägt er an den Füßen ganz spezielle Steigeisen, die wie ein zweites Paar Arme aussehen und deren Stahlzacken sich durch das Körpergewicht in das Holz des Mastes hineinkrallen. Weil Müller oben beide Arme zum Arbeiten braucht und sich nur auf die eigentlichen Handgriffe an den Freileitungen konzentrieren muss, ist er zusätzlich auch mit einem Klettergurt mit spezieller Seiltechnik gesichert. Ein Absturz, sagt er, sei „nahezu unmöglich“.

Riesiges Netz ist zu pflegen

Elektroniker der Bochumer Stadtwerke haben ein riesiges Netz mit Freileitungen zu pflegen. Es ist 39 Kilometer lang. Es war schon einmal länger. Aber nach und nach sind die Stromleitungen immer mehr unter die Erde gekommen, weil sie dort sicherer liegen. Die oberirdischen Freileitungsseile (230 Volt) und ihre Masten müssen viel öfter ausgetauscht oder repariert werden, etwa wegen Sturmschäden, weil das Holz morsch geworden ist oder weil es Verkehrsunfälle gegeben hat: „Da fahren gern schon mal ein paar Autos dagegen“, weiß Ausbilder Achim Schlüter.

Deshalb üben Nachwuchskräfte wie Müller das Spannen und Montieren und Seilen, Schutzleitern und Isolatoren in luftiger Höhe. Nicht nur Holz-, auch Stahlmasten müssen sie hinaufklettern. Mehrere Wochen lang machen die angehenden Elektroniker das pro Jahr. Dafür steht ihnen eine kleine Strecke von Übungsmasten zur Verfügung. Manchmal wird diese komplett ab- und wieder aufgebaut - und nachher auch zu Testzwecken unter Strom gesetzt.

Über 90 Prozent

Die Stadtwerke in Bochum beschäftigen zurzeit rund 715 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich bilden sie 45 junge Leute aus - außer Elektroniker auch Mechaniker und Industriekaufleute. Alle werden nach der Lehre für mindestens ein Jahr übernommen. Die Mehrzahl, heißt es, würde am Ende einen unbefristeten Vertrag erhalten. Ausbildungsleiter Stefan Vieth: „Wir liegen locker über 90 Prozent.“