Bochumer sollen sich an städtischen Solaranlagen beteiligen

Sabine Vogt
Die Sonnenschule in Weitmar erzeugt Solarenergie. Im vergangenen Herbst wurde die Photovoltaikanlage eingebaut. Foto: Ingo Otto
Die Sonnenschule in Weitmar erzeugt Solarenergie. Im vergangenen Herbst wurde die Photovoltaikanlage eingebaut. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochumer Hausbesitzer zeigen eine anhaltende Neigung zur Sonnenenergie. Ob ihr Dach geeignet ist, lässt sich im Nu checken. Die Stadtwerke haben 2010 das gesamte Stadtgebiet überflogen und die Gebäude auf ihre Solareignung hin geprüft. Ergebnisse gibt’s seit Mitte 2011 im Solarradar im Internet.

Das macht sich jetzt auch die Stadt zunutze: Seit klar ist, welche Flachdächer öffentlicher Gebäude für Photovoltaik geeignet sind, will sie die Nutzung vermarkten in Form von Bürgersolaranlagen. Vier Schulen nutzen nach städtischer Umrüstung bislang die Sonnenkraft zur Energiegewinnung. Sechs weitere Schulen wurden mit Photovoltaik bestückt, bezahlt von Fördervereinen.

Unterstützung seitens der Politik erwünscht

Jetzt soll es den großen Wurf geben. Achim Paas (Zentrale Dienste): „Wir wissen jetzt durch das Solarkataster, welche unserer Gebäude für Photovoltaik geeignet sind. Doch die Stadt will nicht selbst dran verdienen.“ Vielmehr will sie Bürger beteiligen, das soll Vorrang haben. Ein Genossenschaftsmodell ist eine der Varianten, die nun politisch abgewogen werden sollen. Achim Paas: „Bei diesen Bürgersolaranlagen haben alle die Möglichkeit, sich auch mit kleinen Geldbeträgen an den Photovoltaikanlagen zu beteiligen und entsprechend an den Erträgen zu partizipieren.“ Die Stadt will die Solarstromgewinnung in großem Stil vorantreiben und hofft, dass die Politik das unterstützt.

Der Betriebsausschuss für die Eigenbetriebe gab gestern einhellig grünes Licht; Lob für das Konzept gab’s von allen Fraktionen. Frank Allmeroth, Leiter der Zentralen Dienste: „Wir rechnen mit genügend Interessenten.“

Die Bürger könnten sich zu Genossenschaften zusammenfinden und die Dachflächen etwa von Schulen für kleines Geld pachten. Denkbar wäre auch, einen externen Investor zu beauftragen, öffentliche Dächer zu sanieren und seine Aufwendungen durch die Einspeisevergütung zu refinanzieren, doch das wäre nur die zweite Option.

Lohnenswerte Investition auf eigenem Dach?

Solarradar zeigt auch Hausbesitzern auf einen Blick, ob sich die Investition auf dem eigenen Dach lohnt: dazu geben Interessierte nur ihre Adresse ein. Erscheint dann das Haus sonnengelb, kann’s losgehen. Im letzten Jahr haben sich 290 Eigentümer entschieden, Photovoltaikanlagen installieren zu lassen; Ende 2011 gab’s insgesamt 1069 private Anlagen. Die meisten gehen diesen Weg aus wirtschaftlichen Gründen. Denn auch, wenn Jahr für Jahr die staatlichen Fördersummen sinken; unter dem Strich ist die Investition immer noch lukrativ.

„Die meisten Bochumer speisen ihren selbst erzeugten Strom ins allgemeine Netz ein“, erklärt Stadtwerke-Sprecherin Heike Paplewski. Diejenigen, die ihn selbst nutzen, verbrauchen nicht einmal 30 Prozent davon, auch bei kleinen Photovoltaikanlagen. Auf der anderen Seite müssen sie von den Stadtwerken dazukaufen, etwa beim Duschen: „Ein Durchlauferhitzer zieht viel Strom. Die Solaranlage auf dem Dach erzeugt 3 Kilowatt (KW/h), benötigt werden 18 KW/h. Das verrechnet sich in dem Moment, wenn die Sonne scheint und dann viel ins Netz eingespeist wird.“