Bochumer Schüler erhalten Hilfe über das Abitur hinaus

Austausch mit Talentscout Emine Bambal (M.) am Heinrich-von-Kleist-Gymnasium: (v.l.n.r.) Julia Bischoff (16), Yusuf Kücük (18), Felicia Thiel (16) und Chun Bai Chien (16).
Austausch mit Talentscout Emine Bambal (M.) am Heinrich-von-Kleist-Gymnasium: (v.l.n.r.) Julia Bischoff (16), Yusuf Kücük (18), Felicia Thiel (16) und Chun Bai Chien (16).
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Am Heinrich-von-Kleist-Gymnasium gibt es zunächst ein Pilotgruppe. Ab dem kommenden Schuljahr soll es das Angebot für alle Schüler geben.

Bochum. Bilder, die Menschen beim Unterzeichnen von Kooperationsverträgen zeigen, sind nicht spannend. Also gibt es kein Bild, das Eckhardt Buda, den Schulleiter des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums, und Professor Dr. Jürgen Bock, den Präsidenten der Hochschule, in wichtiger Pose zeigt. Ein anderes Bild ist besser. Schließlich geht es um Talent-Scouting, ein Angebot der Hochschulen der Stadt, um Schülern, vorrangig solche aus Nichtakademikerhaushalten, bei ihrem Weg hin zu Ausbildung oder Studium zu begleiten. Also müssen Emine Bambal und Schüler auf das Bild. Bambal ist Talentscout. Da stimmt das Motiv. Das neue Angebot kommt an – auch weil Bambal ankommt.

Zur Zeit zehn Bochumer Scouts

Seit Februar ist sie regelmäßig am Gymnasium. Ihre Aufgabe ist umfassend. Sie soll die Schüler auf ihrem weiteren Bildungsweg bis über den Schulabschluss hinaus unterstützen. Sie soll im besten Fall Beraterin, Lotsin und Schnittstellenmanagerin sein. Unter dem Begriff Talentscout ist ihr Arbeitsfeld zusammengefasst. Sie ist einer von aktuell zehn Bochumer Scouts, die zunächst im Einzugsgebiet der Bochumer Hochschulen aktiv werden.

Zunächst ist Bambal Scout, also „Sucher und Finder“, für 20 Schüler. Später kann sich das, wird sich das ändern. Das Projekt, das vom Bund bis zum Jahr 2020 mit 6,4 Millionen Euro gefördert wird, läuft gerade an. Am Heinrich-von-Kleist-Gymnasium gibt es eine Pilotgruppe. Julia Bischoff (16), Yusuf Kücük (18), Felicia Thiel (16) und Chun Bai Chien (16) gehören dazu. Sie sind allesamt zufrieden mit diesem neuen Angebot, sehen jetzt, schon nach wenigen Gesprächen mit Bambal, klarer, was sie studieren oder in welchen Beruf sie arbeiten wollen.

Bischoff hat bereits an Workshops teilgenommen. Sie will Mediendesign studieren. Kücük, der Elektroingenieur werden will, hat durch Bambal die Telefonnummer eines Studenten der Ruhr-Uni bekommen. „Mit ihm kann ich mich austauschen und fragen, wie so ein Studium an aussieht.“ Thiel hat von Bambal den Hinweis auf den Studifinder bekommen. Das ist eine Suchmaschine im Internet, die man mit persönlichen Daten füttert und die dann ermittelt, welches Studium wohl das beste für sie wäre. Chien schließlich will Grundschullehrer werden. Er wird sich mit Studierenden treffen – und weiterhin mit Bambal austauschen.

Die Unterstützung durch den Talentscout soll eben nicht nach dem Abitur enden. So zumindest ist es angedacht, deshalb kooperieren sie mit allen beteiligten Hochschulen des Univercity-Verbundes und dem Kooperationsnetzwerk des NRW-Zentrums für Talentförderung. Sie binden auch weitere Akteure ein: die Agentur für Arbeit, die Stipendienberatung, Kammern.

Theodor-Körner-Schule kooperiert mit der Ruhr-Uni

Ziel des NRW-Wissenschaftsministeriums beim NRW Talent-Scouting ist es, Chancengleichheit herzustellen. Nicht die familiären Hintergründe oder die soziale Herkunft sollen über den weiteren Bildungsweg entscheiden, sondern die Talente und Fähigkeiten.

Als eine der ersten Bochumer Schule will auch die Theodor-Körner-Schule das Angebot nutzen. Sie hat beim Projekt „Talentscouting“ mit der Ruhr-Universität einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Julia Zielberg, Projektleiterin an der Ruhr-Uni, geht das Projekt gemeinsam mit Talentscout Halil Ülker an der TKS an. Die neue Beratungsmöglichkeit soll allen Schülern der Oberstufe die Möglichkeit bieten, eine kontinuierliche individuelle Beratung zur Ent­deckung noch unbekannter Fähigkeiten zu bekommen und sich auf Studium oder Ausbildung vorzubereiten. Julian Sprenger, Berufswahlkoordinator an der TKS: „Wir haben lange nach so einem Angebot gesucht, weil die über das Ende der Schullaufbahn hinausgehende Betreuung für uns als Schule nicht leistbar ist. Die erste Resonanz auf das Angebot zeigt, dass unsere Schüler diese Chance nutzen wollen.“

 
 

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