Bochumer Richter rät Antänzer, Deutschland zu verlassen

Dr. Axel Deutscher bei einem Prozess im Dezember 2015.
Dr. Axel Deutscher bei einem Prozess im Dezember 2015.
Foto: Archiv/Dietmar Wäsche/FUNKE Foto Services
  • Wegen eines Antänzertricks und eines Taschenraubes ist ein 30-jähriger Mann zu Hafte verurteilt worden.
  • Außerdem hatte er unter falschem Namen in Deutschland Asyl beantragt.
  • Der Richter sagte, dass man solche Leute in Deutschland nicht brauche.

Bochum.. Anquatschen, einkreisen, anfassen – und dann gezielt die Geldbörse oder das Handy aus einer Tasche herausziehen: Das ist die so genannte Antänzermasche. Ein 30-jähriger Asylbewerber ist deswegen am Montag vom Bochumer Amtsgericht zu 16 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Der Auto-Karrosseriebauer aus Marokko war im Jahr 2015 unter falschem Namen nach Deutschland gekommen, um Asyl zu beantragen. Warum, wurde im Prozess nicht erörtert. Im Mai 2016 beging er dann zusammen mit unbekannten Komplizen einen Antänzertrick auf einem Bahnsteig am Bochumer Hauptbahnhof. Die Täter guckten sich zwei junge Männer aus, sagten „My friend, my friend“, umkreisten sie und zogen einem der Männer dann sein Portemonnaie aus der Tasche. Der 30-Jährige wurde aber in Tatortnähe festgehalten. In der Geldbörse befanden sich sechs Euro und Ausweise.

Beim Festival "Bochum Total" auf frischer Tat ertappt

Am 17. Juli ging der 30-Jährige erneut auf Beutezug. Diesmal beim Festival „Bochum Total“. Er rempelte von hinten eine Frau an, die ihre Handtasche in den Händen hielt. Dadurch verlor sie das Gleichgewicht, so dass der Täter die Tasche wegreißen konnte. Er rannte weg, wurde aber nach kurzer Flucht auf der Humboldtstraße von Sicherheitskräften geschnappt. Zwei Zeugen schlug er auf der Flucht mit der Faust in den Magen bzw. gegen den Kopf. Seitdem sitzt der Räuber in der JVA Bochum in U-Haft.

„Ich glaube nicht, dass Ihr Platz in Deutschland ist.“

Vor dem Schöffengericht räumte er über seinen Verteidiger alle Vorwürfe im Wesentlichen ein. Näheres über sein Leben hier blieb im Verborgenen. Er sagte nur, dass er vor der zweiten Tat Bier und Whiskey getrunken habe. Auf die Schuldfähigkeit hatte dies keine Auswirkung; zumal die Mengenangaben sehr widersprüchlich waren. Richter Dr. Axel Deutscher attestierte ihm bei den Taten eine „erhebliche kriminelle Energie“. Die Antänzermasche zum Beispiel nannte er „eine Sauerei“. Sie sei „ein gängiger Trick gerade bei Personen, die aus den Maghreb-Staaten kommen“.

Der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte äußerte Reue: „Ich möchte mich wirklich entschuldigen.“ Über seine Zukunft sagte er: „Ich möchte in Deutschland gerne meine Zukunft verwirklichen. Ich möchte gerne eine Familie gründen und wie alle Menschen der Welt eine Arbeit bekommen.“

Richter rät Dieb Deutschland zu verlassen

Der Richter nannte es aber „eine Mist-Idee“, in Deutschland zu bleiben. Solche Leute wie ihn brauche man hier nicht. „Ich glaube nicht, das Ihr Platz in Deutschland ist. Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie nicht in Ihre Heimat zurückgehen.“

Verteidiger Henry Alternberg wollte eine Bewährungschance für seinen Mandanten, aber das Gericht lehnte ab. Es sah „keinen hinreichenden Anhaltspunkt für eine positive Sozialprognose“. Der Staatsanwalt forderte 22 Monate Haft ohne Bewährung.

Die Antänzermasche beschäftigt die Bochumer Polizei „regelmäßig“, wie ihr Sprecher Frank Lemanis am Montag sagte. „Ein Delikt, das sich etabliert hat.“ Vor allem freitags- und samstagsnachts seien die Täter aktiv. Oft suchten sie sich alkoholiserte Opfer aus.

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