Bochumer protestieren gegen verordnetes Sparen

Sabine Vogt
Das Bündnis für Arbeit und soziale Gerechtigkeit hat am Donnerstag zur Menschenkette rund ums Rathaus aufgerufen. Foto: Ingo Otto
Das Bündnis für Arbeit und soziale Gerechtigkeit hat am Donnerstag zur Menschenkette rund ums Rathaus aufgerufen. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum. Mit einer Menschenkette um das Bochumer Rathaus protestierte das Bündnis für Arbeit und soziale Gerechtigkeit gegen die Sparpolitik der Stadt. Einhellig forderte der Sprecherkreis des Bochumer Bündnisses eine Stärkung der kommunalen Haushalte.

„Aufrücken, weiter. Schließt die Reihen!“ Die Ordner trieben die Teilnehmer an, und kurz nach 17 Uhr stand die Menschenkette rund ums Bochumer Rathaus. Erwachsene und Kinder, Hand in Hand. Das Bündnis für Arbeit und soziale Gerechtigkeit, das im Frühjahr gegründet worden war, hatte am Donnerstag zu dieser Aktion aufgerufen, Motto: „Mit der Sparpolitik reißt man uns das letzte Hemd vom Leib“. Und so konnten Bürger ihre Hemden, mit Slogans versehen, an eine Wäscheleine hängen.

„Wir brauchen 400 bis 500 Leute, um die Reihen ums Rathaus tatsächlich schließen zu können“, hatte Gudrun Müller, Bezirksgeschäftsführerin von Verdi Bochum, im Vorfeld erklärt. Die Zahl der Mitwirkenden reichte sogar aus, um zusätzlich die Bauzäune zu umschließen. Viele Kinder hatte die Ifak mobilisiert, ebenso die von Schließung bedrohte Carl-Arnold-Kortum-Schule. Auf rege Teilnehme aus der Verwaltung setzte auch der Personalrat: „Wir haben im Vorfeld für die Menschenkette geworben, besonders auch bei den Beschäftigten im Bürgerbüro und aus den Bädern, die in den letzten Tagen viel einzustecken hatten“, erklärte Stefan Hölling.

Schwarzer Peter läge bei Bund und Land

Es war ein Protest gegen die Sparpolitik der Stadt, nicht aber gegen die Stadt. Gudrun Müller: „Wir wollen mit der Aktion auch zeigen: Wir schützen unser Rathaus, wir halten unsere Stadt zusammen.“

Der schwarze Peter liegt nach Ansicht der Veranstalter bei Bund und Land. Deren Beschlüsse hätten den Kommunen immer mehr Kosten aufgedrückt mit der Folge, dass die Städte pleite seien. Eine Politik, die die Reichen verschone und von den Armen nehme.

„Geld ist genug da; es muss nur gerecht verteilt werden“, hieß es im Anschluss bei der Kundgebung auf dem Rathausvorplatz. Symbolisch hatte Christiane Conradt (Bochumer Symphoniker) ein „Streichkonzert“ auf ihrem Cello angestimmt, bei dem nach und nach die Saiten des Instruments entfernt wurden. Exemplarisch berichteten Vertreter von den Kürzungen betroffener Einrichtungen über mögliche Folgen dieser Politik. Bettina Eickhoff vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband etwa drückte ihre Angst aus, das soziale Netz könnte reißen: „Wenn so rigide gespart wird, werden wir später Probleme kriegen, die mit Geld allein nicht mehr zu lösen sind.“

Einhellig forderte der Sprecherkreis des Bochumer Bündnisses eine Stärkung der kommunalen Haushalte. Doch auch beim lokalen Sparpaket sahen die Teilnehmer Nachbessungsbedarf. In der Kultur und im Sozialbereich dürfe der Rotstift nicht angesetzt werden. Doch allen auf dem Podium war klar: Selbst, wenn Bochum auf alle möglichen Projekte verzichten würde, für einen Haushaltsausgleich würde das Geld dennoch nicht reichen.