Bochumer Promi-Vermittler will Honorar-Vorschuss zurückzahlen

Sascha Hellen, Bochumer Promi-Vermittler, zahlt Honorar-Vorschuss zurück.
Sascha Hellen, Bochumer Promi-Vermittler, zahlt Honorar-Vorschuss zurück.
Foto: WAZ FotoPool
Vor dem Aufsichtsrat der Stadtwerke Bochum und in einer Presseerklärung hat der Bochumer Promi-Vermittler Sascha Hellen mitgeteilt, dass er einen Honorar-Vorschuss aus dem Jahr 2008 in Höhe von 10.000, gedacht für einen Auftritt von Mario Adorf, jetzt an die Stadtwerke zurückzahlen werde.

Bochum.. Im Verlauf einer ebenso stürmischen wie langwierigen Sitzung des Stadtwerke-Aufsichtsrates hat der Promi-Vermittler Sascha Hellen eingeräumt, dass er vor vier Jahren einen Honorarvorschuss in Höhe von 10.000 Euro, den die Stadtwerke an ihn für einen Auftritt des Schauspielers Mario Adorf beim Stadtwerke-Treff „Atrium-Talk“ gezahlt hatten, nicht an Adorf weitergereicht hatte. Er sicherte zu, dass er jetzt das Geld an die Stadtwerke zurückzahlen werde, „da ein Nachholtermin mit Mario Adorf nicht länger möglich ist“.

Dass er noch letzte Woche kommuniziert hatte, das Geld sei längst an Adorf überwiesen worden, begründete Hellen so: „Aufgrund einer einwöchigen Auslandsreise in der letzten Woche habe ich aus dem Bauchgefühl heraus gegenüber meinem Anwalt die Aussage getroffen, dass die Akontozahlung an Mario Adorf im Juni 2008 geflossen sei.

Ich habe den Vorgang nicht sorgfältig geprüft, sondern aus dem Ausland heraus diese Aussage getroffen. Wir haben umgehend nach meiner Rückkehr und nach einer Prüfung durch unsere Buchhaltung dies gegenüber den Stadtwerken korrigiert. Es gab im Laufe der vier Jahre seit der Absage durch Mario Adorf keine Rückforderung des Honorars durch die Stadtwerke - vielmehr waren die Unternehmenskommunikation und ich immer wieder im Gespräch für einen Nachholtermin.“

Zahlung ohne schriftlichen Vertrag geleistet

Das wurde auch im Aufsichtsrat angesprochen, der am Donnerstag von 16 bis 23.20 Uhr im Stadtwerkehaus getagt hatte. Dabei sei es hoch hergegangen, erfuhr die WAZ. Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz, auch Vorsitzende des Stadtwerke-Aufsichtsrates, sei „ausgerastet“, habe „herumgegrölt“ und „geschrien“.

Das sei passiert, als Sascha Hellen zu später Stunde die Anregung geäußert habe, mit den Stadtwerken noch einmal „in aller Ruhe“ über die Fortführung von Veranstaltungen zu reden. Die OB ist die Schirmherrin der beiden Hellen-Veranstaltungen „Steiger Award“ und „Herausforderung Zukunft“ und hatte dort Prominente aus aller Welt begrüßt, im November erst den ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter.

Im Aufsichtsrat der Stadtwerke habe man auch darüber gesprochen, dass der Promi-Vermittler von den Stadtwerken nicht nur den Vorschuss für Adorf, sondern auch über 100.000 Euro Vorschuss bekommen habe, um Ex-Beatle Paul McCartney für einen Auftritt im Bochumer RuhrCongress zu gewinnen. Die Stadtwerke hatten diese Zahlungen ohne schriftlichen Vertrag geleistet. Hellen habe sinngemäß erklärt: „Ich flieg zu McCartney, da brauche ich im Vorlauf Geld.“

Lohnfortzahlung für vier Jahre

Ein E-Mail-Verkehr zwischen Hellen und dem früheren Stadtwerkesprecher Thomas Schönberg, der zum 1. Dezember 2012 auf einen anderen Stadtwerke-Posten gewechselt war, belege, dass zwischen beiden über eine spätere Verpflichtung von Mario Adorf gegrübelt wurde.

Hellen dazu in einer Presseerklärung Erklärung vom 7. Dezember 2012: „Ein Nachholtermin mit Mario Adorf war angedacht und wurde immer wieder auch thematisiert, schriftlich und mündlich, letztmalig in einem Schriftverkehr im November 2011 und mündlich vor rund zwei Monaten mit Blick auf die Fortsetzung der Atrium Talk-Reihe für 2013.“

Im Aufsichtsrat wurde dazu vorgetragen, dass Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert (60) nicht mehr so scharf auf Mario Adorf war, sondern lieber Hape Kerkeling als Promi-Gast in seinem Hause beim „Atrium Talk“ sehen wollte. Mit einer Ablösung des Stadtwerke-Geschäftsführers, der im Zuge der Honoraraffäre mit nebulösen Spendenversprechen eigene Fehler eingeräumt hatte, ist zur Zeit nicht zu rechnen.

Für eine Ablösung von Wilmert seien die Vorgänge nicht schwerwiegend genug, heißt es aus Kreisen des Aufsichtsrates. Vor allem müsste man ihm dann einen „siebenstelligen Betrag überweisen“ - quasi als Lohnfortzahlung für rund vier Jahre, die Wilmert bei den Stadtwerken noch unter Vertrag steht. Das sei zu teuer.

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