Bochumer Moscheen öffneten sich für die Öffentlichkeit

Dominik Lenze
Betende in der Moschee des islamischen Kulturvereins an der Querenburger Straße, darunter Flüchtlinge.
Betende in der Moschee des islamischen Kulturvereins an der Querenburger Straße, darunter Flüchtlinge.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Zum Tag der Einheit luden die Moscheen zu einem Tag der offenen Tür ein. Damit wollen sich die Gemeinden näher in der Öffentlichkeit vorstellen.

Bochum. Als der Gebetsruf ertönt, sammelt sich die Gemeinde im teppichbedeckten Saal der Khaled-Moschee. Gemeinsam senken die Gläubigen ihre Häupter gen Osten, Richtung Mekka, dem heiligsten Ort für Muslime. Der Imam spricht Verse auf Arabisch, die Betenden antworten. Für diejenigen, die nicht mit dem Islam groß geworden sind, versprüht diese Situation eine geheimnisvolle Aura, die selbst einen überzeugten Atheisten mit Ehrfurcht erfüllen kann.

Vielleicht rührt ein Großteil dieses Gefühls auch schlichtweg daher, dass man hier immer noch recht wenig weiß über diese zweitgrößte Weltreligion – auch nach mehr als 50 Jahren islamischer Geschichte in Deutschland. Um das zu ändern, laden islamische Gotteshäuser jedes Jahr zum Tag der offenen Moschee ein – passend am Tag der Deutschen Einheit.

Dieses Jahr war die muslimische Jugend das Thema. Ähnlich wie die christlichen Kirchen müssen auch die Muslime Überzeugungsarbeit leisten, um junge Menschen für ihren Glauben zu gewinnen. Einer, der seinen Weg zu Gott gefunden hat, ist der 22-jährige Valentin Geffke. Im März konvertierte er zum Islam. Nun engagiert er sich in der Gemeinde in der Flüchtlingshilfe und erklärt neugierigen Besuchern seinen Glauben. Viele Besucher stellen ganz grundsätzliche Fragen: Wie wird die Religion gelebt? Wie integriert man die fünf Gebete in den Arbeitsalltag? Und wie schafft ihr es während des Ramadans, einen Monat lang nichts zu essen, nichts zu trinken, solange die Sonne am Himmel ist?

„Ich bin noch nie zuvor in einer Moschee gewesen“, sagt eine Besucherin

„Die Anschläge in Paris sind auch ein Thema“, sagt Ahmad Aweimer, Dialogbeauftragter des Zentralrats der Muslime. Der Zusammenhang zwischen Islam und Islamismus mag ein müßiges Thema sein, aber: „Wir müssen offene Fragen beantworten. Auch wenn wir nichts damit zu tun haben.“

Der Tag der offenen Moschee ist die Gelegenheit, Brücken zu bauen. Auch für Ute Linstädter: „Ich bin noch nie zuvor in einer Moschee gewesen“, sagt sie. Sie möchte sich über den Islam informieren und sich ein eigenes Bild machen.

„Es ist begrüßenswert, wenn Leute den ersten Schritt gehen“, freut sich Ahmad Aweimer. Deshalb sei jeder Interessierte auch herzlich eingeladen, nicht nur am Tag der offenen Moschee. „Einfach anklopfen, irgendwer ist immer da“, empfiehlt er. Wobei er sich auch an weniger vorbildliche Gäste erinnert: Einmal sei während der Gebetszeit ein Betrunkener in die Moschee getaumelt. „Der hat sich zu den Betenden gesetzt“, erzählt Aweimer, mehr amüsiert als empört. „Naja, wir haben den dann einfach gelassen.“ Doch auch wenn die Pforten des Gotteshauses weit geöffnet sind, nicht alle nehmen das Angebot an. „Es ist schade, dass niemand aus der Nachbarschaft hier ist, das hätte uns gefreut“, sagt ein Gemeindemitglied.

Ein Fahrradfahrer hält derweil kurz vor der Moschee an, um sich das rege Treiben an und in der Moschee anzuschauen. „Ach, man soll einfach alle Religionen in die Tonne schmeißen“, grummelt er und fährt dann weiter. Eine ältere Dame geht Richtung Eingangstür und ruft ihm über die Schulter zu: „So einfach kann man sich’s auch nicht machen.“