Bochumer Künstler zeigen Solidarität mit Opel

Jürgen Boebers-Süßmann
Kämpferisch: Intendant des Schauspielhauses Anselm Weber.
Kämpferisch: Intendant des Schauspielhauses Anselm Weber.
Foto: WAZ FotoPool

Bochumer Künstler für Opel! Unter diesem Motto steht die große Solidaritätsveranstaltung, zu der am Dienstag, 26. Juni, ab 19.30 Uhr auf den Hans-Schalla-Platz vor dem Schauspielhaus eingeladen wird.

Das Motto ist wörtlich gemeint: Namhafte Kulturschaffende werden sich im Schulterschluss mit Vertretern der Stadt und der Gewerkschaften mit den Opel-Arbeitern und Ihren Familien solidarisch erklären. Bis zu 5000 Besucher werden erwartet.

Es geht um die Zukunft der ganzen Stadt

„3500 Beschäftigte und ihre Familien sind von den Schließungsplänen direkt betroffen und viele weitere zehntausende Arbeitsplätze hängen von der Produktion im Opel-Werk ab. Doch es geht nicht nur um sie, es geht um die Zukunft der ganzen Stadt, und die sollte nicht in Detroit entschieden werden“, befindet Schauspielhaus-Intendant Anselm Weber, der die Kundgebung ins Leben gerufen hat.

Hintergrund: Das Schauspielhaus hat seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 sehr gute Kontakte ins Opel-Werk. Ein Jahr lang hatten damals die Grimme-Preisträger Ulrike Franke und Michael Loeken im Rahmen des Schauspielhaus/Ruhr2010-Projekts „Next Generation“ den Alltag der Azubis im Werk II in Langendreer mit der Kamera dokumentiert und sie dabei nach ihren Wünschen und Erwartungen gefragt. Was erhoffen sich diejenigen von der Zukunft, deren Arbeitsleben schon am Anfang ungewiss ist?, lautete die Fragestellung.

„Diese dokumentarische Installation war der Ausgangspunkt; über unsere Dramaturgin Sabine Reich wurden die Kontakte zu Opel nun aufgefrischt und auf die Kulturszene ausgeweitet“, erläutert Weber. Er sei überrascht gewesen, wie schnell und zahlreich die Zusagen am Ende herein gekommen seien. „Die Reaktionen auf unseren Rundruf waren absolut positiv und kooperativ“, sagt Weber. Nicht nur die „große“ Kultur wurde angesprochen, sondern auch die freie Szene sowie einzelne Künstler.

Einmischen hat am Theater Tradition

Die Soli-Aktion vor dem Schauspielhaus ist naturgemäß auch ein politisches Statements des Theaters. In dieser Hinsicht hat das Bochumer Haus eine gewisse Tradition, denn auch die Intendanten früherer Jahre haben sich immer wieder in das politische Geschehen (nicht nur) in unserer Stadt eingemischt und Stellung bezogen. Man denke an die Unterstützung, die die Hausbesetzer-Szene Anfang der 1980er Jahre durch Claus Peymann bekam (Stichwort: BO-Fabrik), man denke an Frank-Patrick Steckel, der als Logo ein durchgekreuztes Atomkraftwerk einführte und angesichts der Gründung des Starlight Express mit der Einschätzung „Das ist Schrott auf Rädern“ unsterblich wurde.

Anselm Weber ist ebenfalls ein politisch denkender Künstler. Einen wie auch immer gearteten elitären Anspruch hat er von Anfang an eine klare Absage erteilt. „Wir sind hier nicht im Elfenbeinturm. Wer mich kennt, weiß, dass mein Verständnis von Theater nicht an der Bühnenpforte endet“, betont der Intendant. Ihm gehe es darum, in die Stadt hineinzuwirken, sich zu öffnen. Dazu gehöre, gehört zu werden: „Wer, wenn nicht das Theater, wäre jetzt aufgefordert, seine Solidarität zu bekunden“, sagt Weber.

Opel ist Bochum. Und Bochum ist Opel.

Um 19.30 Uhr beginnt auf der Bühne auf dem Hans-Schalla-Platz das Programm mit Musik, Lesungen und Beiträgen von Ensemblemitgliedern und Künstlern wie Frank Goosen, den Bochumer Symphonikern, Armin Rohde, X-Vision, Sebastian 23, Hennes Bender, dem Bahnhof Langendreer, der Fidena, dem Prinz Regent Theater, dem Rottstr 5 Theater, dem Starlight Express und dem VfL Bochum, sowie dem Museum, dem Kulturhaus Thealozzi und dem Theater Total. Es sprechen Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, Rainer Einenkel, Opel-Betriebsratsvorsitzender, Ulrike Kleinebrahm (IG Metall) und Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Gudrun Müller.