Bochumer Künstler ist fasziniert von "schlechten Verstecken"

Matthias Schamp - fast verborgen im österlichen schlechten Versteck.
Matthias Schamp - fast verborgen im österlichen schlechten Versteck.
Foto: Matthias Schamp
Der Bochumer Matthias Schamp arbeitet seit 1998 an seiner Polaroid-Fotoserie "Schlechte Verstecke". Zwischen den Jahren 2000 und 2004 veröffentlichte die Satirezeitschrift Titanic monatlich die amüsierenden Selbstportraits, die den Aktionskünstler in Europa populär machten.

Bochum. An diesen Festtagen wird in vielen Familien gesucht und gefunden werden. Dass etwas so banales wie das Verstecken auch ein Thema für die Kunst sein kann, ja muss, das beweist der Bochumer Künstler Matthias Schamp. Er arbeitet seit 1998 fortlaufend an der Fotoserie „Schlechte Verstecke“. Die Selbstporträts, die von 2000 bis 2004 monatlich in der Satirezeitschrift Titanic erschienen sind und in zahlreichen Ausstellungen in Europa zu sehen waren, sind aber nicht nur herrlich absurd und witzig, sondern stellen auch grundsätzliche Fragen.

Laut Schamp existiert so etwas wie das „Basis-Schlechte-Versteck“. Diese sucht etwa das Kind auf, das sich die Hände vor das Gesicht hält, um sich unsichtbar zu machen. Erst einmal einleuchtend: wenn ich die Welt nicht sehe, dann sieht sie mich auch nicht. Von dort aus sieht der Künstler zwei Linien abgehen: eine führe zur steten Verfeinerung der besseren Verstecke. Auf den anderen Weg hat sich Schamp gemacht.

Professionalisierung der Verstecke

Die Professionalisierung der schlechten Verstecke. „Sich schlecht zu verstecken ist radikales Scheitern als Methode. Ich begreife es als eine Art Kur. In einer Welt, in der der Erfolg der Maßstab aller Dinge ist, ist es ungemein wohltuend, eine Handlung nicht hinzukriegen, die selbst der letzte Trottel ohne Anstrengung vermöchte.“

Und so sieht man auf diesen Polaroid-Fotos stets den Künstler ungenügend verborgen. Hinter zu kleinen Spielzeugen, hinter bewusst unbedeutenden Objekten im öffentlichen Raum, hinter schmalen Schildern, Blumenkübeln, hinter Küchenhandtüchern oder auch mal unterm Teppich, eine riesige Beule erzeugend. Oder auch fast schon gut versteckt, komplett hinter einer Säule – fast, denn verraten wird er allein durch den deutlichen Schattenwurf seinen Körpers.

Unschwer ist Absicht zu erkennen

Unschwer ist dahinter aber auch immer die Absicht zu erkennen. Die Idee des schlechten Versteckes, wird durch sein funktionelles Versagen geradezu propagiert: Denn, so der Künstler, „ein gutes Versteck funktioniert derart tadellos, dass es von außen als solches gar nicht wahrgenommen wird. Erst ein schlechtes Versteck bringt das Thema aufs Tapet“. Eine messerscharfe Analyse des Bochumer Aktionskünstlers.

Er fährt sehr philosophisch fort. Es gehe um nicht weniger als eine Neuentdeckung der Welt jenseits des Sensationellen. „Den Erwartungshorizont unterschreiten!“, so die Devise.

Unaufhörliche Arbeit am Versteck

Schamps Fotoserie amüsiert den Betrachter. Zuerst ist es eine voyeuristische Schadenfreude, ein Lachen über eine seichte Tragik des Scheiterns, auch eines über die vermeintliche Dummheit des Typen, der sich da so unzureichend zu verbergen sucht. Doch dabei bleibt es nicht, zumal, wenn das Bild zur Serie wird. Erzeugt wird dann auch eine Melancholie über die vergessenen Paradiese der Kindheit und eine Bewunderung für diese unaufhörliche Arbeit am Verstecken. Ein Bochumer Sisyphos, dem es hoffentlich niemals gelingt, ein gutes Versteck zu finden. Die schlechten Verstecke sind zu gut.

 
 

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