Bochumer Intendant Anselm Weber geht nach Frankfurt

Jürgen Boebers-Süßmann
Anselm Weber und OB Ottilie Scholz bei einem Ortstermin anlässlich des Detroit-Projekts.
Anselm Weber und OB Ottilie Scholz bei einem Ortstermin anlässlich des Detroit-Projekts.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Schauspieldirektor löst seinen bis 2020 laufenden Vertrag vorzeitig auf und geht zur Spielzeit 2017/18. Finanzprobleme gelten als ein Beweggrund.

Bochum. Anselm Weber wird neuer Intendant des Schauspiels Frankfurt am Main. Das wurde gestern am späten Nachmittag nach einer Verwaltungsratssitzung in Frankfurt bekannt.

Um zur Spielzeit 2017/18 wechseln zu können, löst der 52-Jährige seinen bis 2020 laufenden Vertrag in Bochum vorzeitig auf. Weber wird Nachfolger von Oliver Reese, der Claus Peymann am Berliner Ensemble nachfolgt.

Der Verwaltungsrat des Schauspielhauses muss den Vorgang noch absegnen. „Ohne die Entscheidung vorwegnehmen zu wollen gehe ich von einer Zustimmung aus“, so Kulturdezernent und Vorsitzender des Verwaltungsrats Michael Townsend. In Bochum beginnt damit ab sofort die Suche nach einem neuen Theaterdirektor. Gerüchte um einen Wechsel gab es schon länger, dennoch ist die Demission eine Überraschung. Denn es ist keine zwei Jahr her, dass Weber vorzeitig verlängerte.

Weber eher Buchhalter als Künstler

„Es war eine Bauchentscheidung“, sagte er damals, ausschlaggebend sei gewesen, „dass sein eingeschlagener Weg noch nicht fertig ist.“ Das war sowohl künstlerisch als auch organisatorisch gemeint, denn die ersten drei Jahre seiner 2010 angetretenen Intendanz war Weber eher als Buchhalter denn als Künstler gefragt, als es galt, die hausgemachten Finanzprobleme des Schauspielhauses in den Griff zu kriegen. Was auch gelang.

Finanzlage war ausschlaggebend

Nicht zuletzt gab dies für den Verwaltungsrat mit Kulturdezernent Michael Townsend an der Spitze den Ausschlag, im Frühsommer 2013 mit Weber vorzeitig zu verlängern. Endlich sollte das BO-Theater auch in künstlerischer Hinsicht wieder Luft zum Atmen bekommen. Die letzte Einladung zum Berliner Theaterfreffen liegt über zehn Jahre zurück. Mit eigenen Inszenierungen wie „Richtfest“ oder „Kabale und Liebe“, vor allem aber mit populären Einrichtungen wie dem „Bochum“-Singspiel konnte der Intendant regelmäßig auftrumpfen; 185 000 Karten wurden in der letzten Spielzeit verkauft, die Auslastung lag bei 76,6 Prozent.

„Ich habe dreimal den Ausputzer gespielt“

Über die Gründe des Wechsels nach Frankfurt muss man deshalb nicht spekulieren; Weber räumte gestern gegenüber der WAZ ein, dass bei seiner Entscheidung die Finanzlage ausschlaggebend war. Denn es ist absehbar, dass in den nächsten Jahren das Bochumer Stadttheater erneut in schweres Fahrwasser kommen wird, Stichwort: Personalbudget/Tariferhöhungen. „Ich habe in fünf Jahren dreimal den Ausputzer gespielt, ich will nicht derjenige sein, der die politischen Folgen für das Bochumer Theater am Ende ausbaden muss“, so Weber.