Bochumer Gesundheitscampus lockt junge Firmen an

Prost. Rundholz-Bauleiter Ricardas Schlegel, GBTEC-Vorstands Gregor Greinke, Rundholz-Oberbauleiter Guido Brosch (v.l.) feiern mit der GBTEC-Belegschaft Richtfest.
Prost. Rundholz-Bauleiter Ricardas Schlegel, GBTEC-Vorstands Gregor Greinke, Rundholz-Oberbauleiter Guido Brosch (v.l.) feiern mit der GBTEC-Belegschaft Richtfest.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Nach anfänglichen Schwierigkeiten wird der Gesundheitscampus allmählich zur Erfolgsgeschichte
  • 7,5 Millionen Euro investiert die GBTEC AG in ihren neuen Firmensitz
  • Wirtschaftsentwicklung Bochum führt vielversprechende Verhandlungen mit weiteren Interessenten

Bochum.. Der Start war etwas holprig nach der vor etwa sechs Jahren abgeschlossenen Erschließung des neun Hektar großen Gesundheitscampus Süd in Querenburg mit seinen insgesamt 5,5 Hektar Gewerbeflächen für private Unternehmen. Die potenziellen Baufelder blieben lange unberührt. Allmählich aber nimmt die Ansiedlung Fahrt auf. Am Freitag baumelte ein bunt geschmückter Richtkranz über der künftigen Firmenzentrale der GBTEC Software+Consulting AG – einem schnell wachsenden Unternehmen mit derzeit 100 Beschäftigten und offenbar einer glänzenden Perspektive.

Erweiterung möglich

Denn schon Monate vor dem Bezug des Unternehmenssitzes hat Gründer und Vorstandsvorsitzender Gregor Greinke bereits die Erweiterung vor Augen. Auf dem benachbarten Parkplatz, den GBTEC bereits erworben habe, könnte schon 2018 ein weiteres Gebäude entstehen; „vielleicht ja auch als Zentrum für junge, innovative Unternehmen“, sagt der 48-jährige Bochumer.

„Das würde gut auf dieses Gelände passen.“ Ein Gedanke, den andere auch schon hatten. Während bei GBTEC der Richtkranz baumelt und zur einen Seite die Visus GmbH mit ihrem Neubau noch einige Schritte weiter ist, wird auf der anderen Seite eine weitere Ansiedlung vorbereitet. Die Kampmann Hörsysteme GmbH mit Sitz in Essen lassen auf 2700 m² den Bau für ein Innovations- und Gesundheitszentrum errichten, in dem auch die Bochumer Beratungsfirma Contec und die „MedEcon Ruhr“, ein Gesundheitswirtschaftsverband mit 140 Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft in Deutschlands, einziehen werden.

Aesculap Akademie wächst

„Ich bin sehr optimistisch, dass wir in einigen Jahren das gesamte Gelände vermarktet haben“, sagt Johannes Peuling von der Wirtschaftsentwicklung Bochum. Es gebe vielversprechende Gespräche mit zwei weiteren Interessenten. Sollten sie sich ansiedeln, wäre der Gesundheitscampus zur Hälfte vermarktet. Außerdem hat die Aesculap Akademie, eine Weiterbildungseinrichtung für Mediziner und Fachpersonal, nach Angaben von Peuling eine Erweiterung ihres Gebäudes auf dem Gesundheitscampus angekündigt.

Allmählich werden die freien Baufelder im Schatten der Ruhr-Uni also knapper. Expansionsmöglichkeiten sieht Johannes Peuling in unmittelbarer Nähe nicht. Aber auf Mark 51/7, dem nicht weit entfernt gelegenen ehemaligen Opel-Werk, gebe es dafür jede Menge Platz.

7,5 Millionen Euro für den neuen Firmensitz

Alle haben es nicht geschafft. Aber weit mehr als die Hälfte der etwa 100 GBTEC-Beschäftigten sind an diesem Freitagmittag vom nahe gelegenen Technologiezentrum an der Ruhr-Uni, ihrem aktuellen Unternehmenssitz, herüber zum Gesundheitscampus, der künftigen Firmenadresse, gekommen. „Das ist eine Team-bildende Maßnahme“, scherzt eine Mitarbeiterin. Und ein Meilenstein. Schließlich ist das Softwareunternehmen, das sein Geld mit der Analyse und Verbesserung von Produktionsprozesse in vielen unterschiedlichen Branchen verdient, erst vor elf Jahren gegründet worden.

Und es wächst rasant. 2015 hat GBTEC das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr seiner noch jungen Geschichte absolviert – mit einem Personalzuwachs von 30 Prozent, einem zweistelligen Millionen-Umsatz und einer Verdopplung des Jahresergebnis’. In diese Richtung geht es offenbar weiter. „Softeunternehmen müssen wachsen“, sagt Gründer und Vorstandsvorsitzender Gregor Greinke. Die Kunden verlangten immer neue Lösungen.

Große Entwicklungsmöglichkeiten

Bange ist dem Unternehmer, der im Gesundheitscampus 7,5 Millionen Euro investiert, deshalb nicht. Die Entwicklungsmöglichkeiten seien noch groß, und erst allmählich habe er Zeit, um sich mit Marketing- und Vertriebsmaßnahmen zu beschäftigen. „Im Moment bewegen wir uns ja nur auf dem deutschen Markt“. Mit Kunden wie Siemens, Daimler-Benz, der Bundesregierung und mittelständischen Unternehmen habe es sich längst etabliert. Dabei profitiert es von dem branchenübergreifenden Ansatz. Ob Autobauer oder Krankenhausbetrieb. „Es gibt überall Prozesse“, so Greinke. „Und die können analysiert und verbessert werden.“

Seiner „Mannschaft“ gelingt das seit Jahren besonders gut. „Ohne die Produkte, die ihr herstellt, wäre dieser Weg nicht möglich“, dankte er den Mitarbeiter im Rahmen des Richtfests. Wie auf zwei Perlenreihen geschnürt. hatten sie sich in der ersten und zweiten Etage des Baugerüsts zum Teambild aufgereiht.

Wachstum und Investition ohne Banken

Das Wachstum und auch die Investition in den Firmensitz, so ihr Chef, seien bislang ohne Banken und nur aus den Einnahmen möglich gewesen. So oder so ähnlich solle es bleiben. Bei Anfragen von Investoren habe er abgewunken. „Wir wollen weiter selbst entscheiden und das Tempo unserer Entwicklung bestimmen.“ Das ist zwar rasant, Greinke spricht aber dennoch von organischem Wachstum. Hast tut auch in der schnelllebigen Softwarebranche nicht gut.

„Mit dem Bau bekennen wir uns klar zum Standort Bochum“, sagt der Bauherr. Ultramodern werde das neue Gebäude, das die Dortmunder Baufirma Rundholz in gut vier Monaten errichtet und das eine Fläche von insgesamt 2600 Quadratmetern haben wird.

Harte Konkurrenz ums Personal

Dazu gehören nicht nur Büros und Flure. Auch ein Fitnessraum wird im Erdgeschoss eingerichtet. Und auf der Wiese vor der Tür soll ein Fußballplatz entstehen. Wie immer mehr Firmeneigner, ist auch Greinke davon überzeugt, dass ein attraktives Arbeitsumfeld den Beschäftigten ebenso nutzt wie den Betrieben. Zumal: „Wir stehen in Sachen Personal in einem harten Konkurrenzkampf. Immer mehr Bewerber wollen ihren Arbeitsplatz sehen, bevor sie sich entscheiden.“

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