Bochumer gesteht tausende Scheinverkäufe bei Ebay

Bernd Kiesewetter
Bereits zum zweiten Mal steht ein 28-jähriger Bochumer wegen tausender Scheinverkäufe bei Ebay vor Gericht. 923.000 Euro sollen Käufer von Akkuschraubern und Bohrmaschinen vorgeschossen haben, dann aber vergebens auf ihre Waren gewartet haben. Dem Mann droht jetzt eine jahrelange Haft.

Bochum. Der Angeklagte (28) war bei Ebay ein „Powerseller“, ein Vielverkäufer: Auf der Internet-Auktionsplattform machte er einen enormen Umsatz mit Elektro-Werkzeugen wie Akkuschraubern oder Bohrmaschinen. Seit Montag steht der Bochumer vor dem hiesigen Landgericht - und muss akut um seine Freiheit bangen. Die Anklage lautet auf Betrug in 6383 Fällen.

Mit seiner damaligen Online-Firma hatte der Mann von Herne, später von Bochum aus Werkzeugmaschinen eines asiatischen Herstellers an Kunden in Frankreich verkauft. Dort war er ganz dick im Geschäft. „Es hat wunderbar geklappt“, sagte er vor der 6. Strafkammer. Er konnte die Waren weit unter Listenpreis anbieten, weil ihm der Lieferant seinerseits traumhafte Rabatte einräumte. Als ihm aber wegen heftiger firmeninterner Querelen der Vertrag gekündigt wurde und er keinen Nachschub mehr bekam, ließ er seine Angebote einfach weiter auf Ebay stehen.

593.000 Euro bereits erstattet

„Es ging weiter mit der Hoffnung, dass das noch geliefert wurde“, sagte er vor Gericht. Die Hoffnung war aber offenbar völlig irrational. Die Kunden überwiesen den ersteigerten Preis als Vorkasse, warteten danach aber vergebens auf die Waren aus Germany, weil der Angeklagte gar keine mehr besaß.

Zwischen Ende Januar 2011 und Anfang März 2011 hatten die Kunden 923.000 Euro vorgeschossen. Nur weil sie über das Käuferschutzsystem PayPal versichert waren, bekam sie von dort ihr Geld zurück. 593.000 Euro sind laut Anklage bereits erstattet worden. Was mit dem Rest ist, blieb vor Gericht unklar.

"Teilweise in Saus und Braus" gelebt

Ebay und PayPal hatten den Angeklagten damals gesperrt, nachdem sich immer mehr Kunden beschwert hatten. Vier Wochen schmorte der Bochumer damals in U-Haft. Rund 600.000 Euro aus der Beute soll er von seinen Konten in Herne abgehoben und teilweise auch privat verbraucht haben. „Teilweise in Saus und Braus“ habe er gelebt, räumte er ein. Das Geld sei jetzt weg. Bis heute hat er nichts an PayPal erstattet.

Bereits Anfang Dezember 2012 hatte er wegen der Luftverkäufe vor dem Bochumer Schöffengericht gestanden. Das aber gab den Fall ans Landgericht ab - weil die eigene Strafgewalt nur bis vier Jahre Haft reicht.

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird am 25. Februar erwartet.