Bochumer Gemeinde kämpft für Eigenständigkeit

Mehr als 70 Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Vierzehnheiligen in Bochum-Weitmar-Bärendorf protestierten mit einer Gebetsstunde gegen die Schließung und den Abriss ihrer Kirche. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Mehr als 70 Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Vierzehnheiligen in Bochum-Weitmar-Bärendorf protestierten mit einer Gebetsstunde gegen die Schließung und den Abriss ihrer Kirche. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Bochum. Die Gemeinde Vierzehnheiligen in Bochum-Weitmar-Bärendorf wurde aus der eigenen Kirche ausgesperrt und kämpft weiter um ihre Eigenständigkeit. Nun soll das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen über den Fortbestand der Gemeinde entscheiden.

Kirche und Pfarrheim sind verschlossen, die Gläubigen wurden endgültig ausgesperrt – nur die Glocke funktioniert noch. Doch aufgeben wollen sie nicht, die Mitglieder der Gemeinde Vierzehnheiligen in Weitmar-Bärendorf. Sie protestierten am Sonntag mit einer Gebetsstunde auf dem Vorplatz der Kirche für den Erhalt ihres Gotteshauses.

Geht es nach dem Willen des Bistums Essen, wird auch das in Zukunft nicht mehr möglich sein, es plant den Abriss der Kirche und den Neubau eines integrativen Wohnprojektes. Schon jetzt dürfen hier keine Wortgottesdienste mehr abgehalten werden, Vierzehnheiligen wurde zur „weiteren Kirche“ erklärt, für die keine finanziellen Mittel des Bistums vorgesehen sind.

Doch auf die seien sie auch gar nicht angewiesen, sagt Kirchenvorstand Gerd-Peter Buyken. Die 1957 geweihte Kirche sei in einem guten Zustand, was nicht zuletzt der „extrem eigenständigen und engagierten Gemeinde“ zu verdanken sei. Er hat Tränen in den Augen wenn er daran denkt, dass die Kirche, die von vielen noch heute aktiven Mitgliedern „mit ihrer Hände Arbeit“ aufgebaut wurde, abgerissen werden soll.

Gericht soll über Fortbestand entscheiden

Gerd-Bernd Mohr, Buykens Stellvertreter, empfindet das Verhalten des Bistums „skandalös“, es nehme „auf Recht und Gesetz keine Rücksicht“. Den Gläubigen werde ein „Grundrecht“ auf freie Religionsausübung verwehrt. Mit dem Austausch der Schlösser habe man sie gewaltsam aus der Kirche vertrieben, das habe es im freien Deutschland noch nicht gegeben.

Bereits 2006 fiel Vierzehnheiligen der Pfarrgemeinde St. Franziskus zu, mitsamt 200.000 Euro, die der Gründungspfarrer zweckgebunden der Kirche vermacht hatte. Zunächst ließ man die Gläubigen um Pfarrer Raimund Bröske auch gewähren. Erst als dieser Ende Juli nach einer Messe noch in der Kirchenbank verstarb, eskalierte der Streit. Nun soll das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen über den Fortbestand von Vierzehnheiligen entscheiden.

Die Pfarrei St. Franziskus plant, auf dem Gelände der ehemaligen katholischen Kirchengemeinde Vierzehnheiligen ein integratives Wohnprojekt zu verwirklichen, in dem behinderte Menschen leben und betreut werden. Das teilt Michael Hildenbrand, Verwaltungsleiter der Pfarrei, mit. Es seien weiterhin barrierefreie Wohnungen für ältere und alte Menschen geplant. Es sei auch daran gedacht, einen Mittagstisch zu etablieren, der auch von den in der Nachbarschaft wohnenden Senioren genutzt werden kann. Darüber hinaus soll dort ein Treffpunkt für junge Familien entstehen, „um so in der ehemaligen Pfarrei Vierzehnheiligen weiterhin ein lebendiges, soziales Leben zu ermöglichen“.

Ende September werden dem Kirchenvorstand die Pläne vorgestellt

Der kirchliche Investor (Franz Sales Haus) wird dem Kirchenvorstand der Pfarrei St. Franziskus das Ergebnis der Planungen am 29. September vorstellen. Der Kirchenvorstand von St. Franziskus begrüße diese Entwicklung.

Ob das Kirchengebäude zu einem späteren Zeitpunkt auch profaniert (als Kirche entwidmen, d.Red.) werde, hänge von der weiteren Planung des integrativen Wohnprojektes ab.