Bochumer Fußballautor Ben Redelings veröffentlicht neues WM-Album

Jürgen Stahl
Ben Redelings hat sein neues „WM-Album“ veröffentlicht.
Ben Redelings hat sein neues „WM-Album“ veröffentlicht.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
„Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale“, wusste Teamchef Rudi Völler bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 zu berichten – um einzuschränken: „Aber die halbe Miete ist das noch nicht!“ Stilblüten, Anekdoten und Sprüche wie der von Tante Käthe schmücken das neue „WM-Album“ von Ben Redelings.

Bochum. Ob philosophische Höhen oder unterirdische Plattitüden, ob gewollt originell oder ungewollt komisch: Wenn Fußballer mit Weisheiten auf Grasnarben-Niveau glänzen, amüsiert sich das Publikum jenseits des Rasens über manchen Schenkelklopfer.

Ben Redelings lebt von Skurrilitäten rund ums runde Leder. Und das nicht schlecht. Der VfL-Fan hat seine Passion zur Profession gemacht: Als einer der bekanntesten deutschen Fußball-Autoren hat der 37-Jährige in den letzten acht Jahren zehn Bücher verfasst – zuletzt 2012 den Jubiläumsband über 50 Jahre Bundesliga.

Die Kicker-Chronologien fußen auf der als Kind entflammten Sammelleidenschaft. Tageszeitungen, Fach-, Jahr-, WM- und EM-Bücher, tausende Zeitschriften vom Playboy bis Hör zu und Kicker-Ausgaben aus fünf Jahrzehnten bilden den Fundus, aus dem Ben Redelings schöpft. Alles, was witzig und originell erscheint, wird wiederverwertet.

Rückschau beginnt 1930

Die WM 2014 in Brasilien hatte Redelings schon seit Jahren auf der Rechnung. Bei seinen Recherchen der letzten Jahre landeten sämtliche Zitate, Geschichten und Fotos, die sich um Weltmeisterschaften ranken, auf einem Extrastapel. Die Fleißarbeit ist titelreif. Vom ersten WM-Spiel 1930 im verschneiten Montevideo (Frankreich schlägt Mexiko 4:1) bis zur WM 2010 in Südafrika (Arne Friedrich: „Dafür, dass wir in Afrika sind, können wir uns nicht beschweren“) reicht die höchst unterhaltsame Rückschau; liebevoll aufbereitet und mit historischen Fotos illustriert – darunter Perlen wie der grenzdebil lächelnde Horst Hrubesch in Badehosen 1982 im Trainingslager am Schluchsee.

„Die WM ‘82 mag ich besonders gerne“, schmunzelt Redelings. „Nie zuvor und nie danach ist es bei einer deutschen Nationalmannschaft derart drunter und drüber gegangen wie am berühmt-berüchtigten ,Schlucksee’.“ Bens Lieblingsspieler aus dieser Zeit? Ganz klar: der herrlich durchknallte Werderaner Uwe Reinders. „Trainer Derwall sagte damals: ,Wenn man auf solche Spieler wie den Reinders zurückgreifen muss, sieht man, dass mit den anderen etwas nicht stimmt.“

Das neue Buch verkauft sich gut. Wohl auch, weil es der erste WM-Band 2014 ist. Die Chancen, dass er Bens erfolgreichstes Werk wird, stehen bei 50 Prozent. Aber die halbe Miete ist das noch nicht.