Bochumer Ensemble wirft der Stadt Untätigkeit vor

Jürgen Boebers-Süßmann
Das Bochumer Schauspielhaus.
Das Bochumer Schauspielhaus.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Die Nachfolger-Suche für Anselm Weber kommt nicht von der Stelle. Jetzt melden sichdie Schauspielhaus-Schauspieler zu Wort. Tenor: „Uns reicht’s!“

Bochum. Das Schauspielhaus sucht einen neuen Intendanten. Und das schon lange. Fast neun Monate sind nach der Ankündigung von Anselm Weber vergangen, das Bochumer Theater im Sommer 2017 verlassen zu wollen. Ein Nachfolger, eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht. Die Unruhe wird täglich größer. Jetzt hat das Ensemble sich zu Wort gemeldet. Tenor: „Uns reicht’s!“

Hausintern ein drängendes Thema

Es wurde ein offener Brief lanciert, der von den Schauspielern unterzeichnet ist, von A (wie Günter Alt) bis Z (wie Anke Zillich). Das Schreiben ist gerichtet an Kulturdezernent Michael Townsend und an die „sehr geehrten Damen und Herren“ des Verwaltungsrates. „Noch immer ist die Nachfolge ungewiss. Nicht nur das Ansehen und die Stellung des Schauspielhauses sind dadurch gefährdet. Mit einem der letzten Aushängeschilder der Stadt wird leichtfertig, ja sträflich umgegangen“, spart der Brief nicht mit starken Worten.

Außerordentliche Ensembleversammlung

Aufgesetzt wurde er nach einer außerordentlichen Ensembleversammlung. Diese wurde einberufen, weil die Hängepartie zunehmend nicht nur in der theaterinteressierten Öffentlichkeit, sondern auch hausintern zum drängenden Thema gerät. „Es ist uns allen unverständlich, dass die Stadt ihre Verantwortung nicht mit mehr Bedacht und Klarheit gerecht wird“, so Florian Lange, Ensemblemitglied, auf WAZ-Nachfrage. Gefordert wird schriftlich, „in diesen undurchsichtigen, schleppenden Prozess Transparenz zu bringen und uns, das Ensemble, umfassend über den Stand der Findung zu informieren.“

Denn es sind vor allem die Schauspieler, die in der Luft hängen. Wer kann bleiben? Wer geht mit Weber nach Frankfurt? Wer wird neu übernommen? Das ist das Eine. Die andere Sorge, die die Schauspieler umtreibt, ist die Finanzlage. „Die Ausstattung muss auch über 2017/18 hinaus gesichert werden, damit das Theater mit einem geeigneten Nachfolger fortgeführt werden kann“, heißt es in dem offenen Brief. Kein gewissenhafter Theatermacher von Rang könne sich auf die ungeklärte finanzielle Situation einlassen, aus der der jetzige Intendant scheide. Das Ensemble bietet seine Hilfe an: „Wir möchten in die Arbeit des Verwaltungsrates eingebunden werden, um als künstlerischer Beirat von unserer Kompetenz Gebrauch machen zu können.“

Kommt eine Übergangs-Intendanz?

Dies sei gerade vor dem Hintergrund wichtig, dass es zu einer Übergangs-Intendanz kommen könnte, sollte sich ein neuer Intendant nicht mehr zeitnah finden lassen. Florian Lange selbst engagiert sich weiter, obwohl ihn das Ganze gar nicht mehr betrifft: Er hat sich bereits für einen Wechsel ans Schauspiel Düsseldorf entschieden.