Bochumer City könnte Einkaufs-Center vertragen

Michael Weeke
Die Kortumstraße könnte etwa durch ein Einkaufszentrum am Husemannplatz an Bedeutung verlieren, fürchten zumindest Kritiker. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ
Die Kortumstraße könnte etwa durch ein Einkaufszentrum am Husemannplatz an Bedeutung verlieren, fürchten zumindest Kritiker. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ
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Bochum. Auch Bochum könnte bald in den Kreis der Städte mit Einkaufs-Center in der City vorstoßen. Die Untersuchung eines Dortmunder Planungsbüros sieht gute Chancen für eine Mall in der Innenstadt mit bis zu 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Noch in diesem Jahr beginnen nach WAZ-Informationen die Vorbereitungen für die Ansiedlung eines Shopping-Centers im Herzen der Innenstadt. Zumal jetzt die Ergebnisse eines von der Stadt in Auftrag gegebenen Einzelhandelsgutachtens vorliegen. Kern-Aussage des renommierten Dortmunder Planungsbüros Junker und Kruse: Die City verträgt ein Center mit einer Verkaufsfläche zwischen 15.000 und 20.000 Quadratmetern.

Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch möchte, dass noch in diesem Jahr die Moderationsgespräche zwischen Einzelhandel, Stadt, Politik und potenziellen Investoren beginnen. Er kennt die Ängste des eingesessen Handels, genährt durch eher abschreckende Beispiele aus anderen Städten mit solch’ innerstädtischen Centern. „Ich kämpfe dafür, dass wir zu einer Verbesserung der innerstädtischen Situation kommen.“

Die Essener ECE-Gruppe mischt mit

Einzelhandel und Industrie und Handelskammer hatten sich bereits beizeiten zusammengekuschelt und ein Positionspapier ausgearbeitet (die WAZ berichtet). Der Chef des traditionsreichen Bekleidungshauses Baltz, gleichzeitig Sprecher der Interessengemeinschaft Boulevard, Andor Baltz, bringt die Ziele noch einmal auf dem Punkt. „Wir hatten selten so eine Einigkeit. Jetzt geht es uns darum, dass die Stadt ihre Chance wahrt und Steuerungsmöglichkeiten erhält.“ Dies könne etwa durch ein planerisches Sondergebiet geschehen, mit dem sich etwa exakte Verkaufsflächen festlegen lassen. Baltz zur Seite steht IHK-Hauptgeschäftsführer Tillmann Neinhaus: „Es darf keine isolierte Lösung kommen. Was wir brauchen, ist ein ‘vernünftiger Rundlauf’.“

Kenner wissen, dass ein Innenstadt-Center auf dem Gelände der Justizbehörden, der Post und dazwischenliegenden Grundstücken, diesen ‘Rundlauf’ ordentlich durcheinander wirbeln würde. Der Gigant unter den deutschen Shopping-Center-Betreibern, die Hamburger ECE-Gruppe, hat sich durch einen Coup bereits das Mittelgrundstück an der Viktoriastraße 10 und an der Junggesellenstraße gesichert. Damit läuft ohne die Profis um den Versandhauserben Alexander Otto beim Thema Center, ob es Rathaus-Arkaden, City-Galeria oder wie es heißen mag, wenig.

Die Stadt steht jedenfalls kurz vor der Entscheidung, ob sie zunächst nach einem Investor sucht, falls der s.o. nicht schon vorhanden ist, oder einen städtebaulichen Wettbewerb ausschreibt, auch um eine ordentliche Gestaltung anbieten zu können.

Nicht warten möchte jedenfalls die CDU: Auf einer Fraktionssitzung am 22. November geht es unter dem Motto „Wie viel Einzelhandel darf’s sein?“ genau darum – öffentlich übrigens.