Bochumer Chirurgie-Professor beklagt rückläufige Organspender-Zahl

Bei einer Operation wird einem Spender eine Niere entnommen, die für eine Transplantation vorgesehen ist.
Bei einer Operation wird einem Spender eine Niere entnommen, die für eine Transplantation vorgesehen ist.
Foto: Archiv/dpa
Im Sommer 2012 geriet das Thema Organspende durch den damaligen Skandal in aller Munde. Die Zahl der Spender ist seither spürbar zurückgegangen. Richard Viebahn, Direktor der Chirurgie am Bochumer Universitätsklinikum, erklärt, warum Organtransplantation nach wie vor wichtig ist.

Bochum.. Richard Viebahn ist Professor für Chirurgie an der Ruhr-Universität und Direktor der Chirurgischen Klinik und des Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum. Organspende ist sein Thema. Es ist eins, das weiterhin kontrovers diskutiert wird und aktuell wieder dazu führt, dass Patienten mitunter sehr lange auf ein Spenderorgan warten müssen.

Stimmt es, dass es aktuell zu wenig Spender gibt?

Richard Viebahn: Das stimmt. Seit dem Sommer 2012, als der Organspendeskandal durch die Presse gegangen ist, sind die Zahlen um 25 Prozent zurückgegangen. Das ist gravierend. Wir waren vorher auf einem ganz ordentlichen Stand, hatten auch die Hoffnung auf das neue Transplantationsgesetz. Zudem haben wir ja auch vorher schon alle Ersatzmaßnahmen ergriffen, die möglich sind. Lebendspende zum Beispiel.

Oder die Tatsache, dass die Organe erfolgreich transplantiert werden und dass sie viele, viele Jahre halten, damit die Empfänger nicht wieder auf eine Warteliste müssen. Es ist aber jetzt so, dass die Organe noch kostbarer werden und dass es sich weiter verknappt. Eine fürchterliche Entwicklung.

Die auch mit dem demografischen Wandel zusammenhängt?

Viebahn: Das hätte man schon vor 30 Jahren absehen können: Unsere Gesellschaft wird immer älter. Dazu kommt, dass die Unfallzahlen zurückgehen. Der absolut gesunde Motorradfahrer, der bei einem Unfall stirbt, ist eine Rarität geworden.

Wie ist die weitere Entwicklung?

Viebahn: Das Problem bleibt das Ende der Warteliste. Die Wartezeiten waren schon lang, jetzt sind sie noch länger. NRW war vor zehn Jahren Entwicklungsland bei der Organspende, hatte wenig Spenden aber viele Transplantationen. Wir sind wieder auf dem Weg dahin. Dabei hatte sich das verbessert. Derzeit sind wir wieder auf einem Stand, der nicht annähernd in einem Bereich ist, der akzeptabel wäre.

Wie kann man dem gegensteuern?

Viebahn: Wir haben oft dargestellt, wie ernst es uns ist. Wir haben darüber aufgeklärt, dass es sich bei diesem Skandal 2012 nicht um Organhandel handelte. Kein gesunder Patient konnte sich ein Organ kaufen. Wir klären auf, die Krankenkassen sind gefragt. In Bochum ist die Zusammenarbeit sehr gut, wir sind eine gute Region. Aber wir sind in einer Situation, in der wir uns nicht selber aus dem Sumpf ziehen können.

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