Bochumer Bücherei ehrt ein Künstler-Urgestein

Horst Dieter Gölzenleuchter und seine Frau Renate stehen im Zentrum der Ausstellung „Edition Wort und Bild“.
Horst Dieter Gölzenleuchter und seine Frau Renate stehen im Zentrum der Ausstellung „Edition Wort und Bild“.
Foto: Ingo Otto
Zu ihrem 111. Geburtstag zeigt die Stadtbücherei in der Ausstellung „Edition Wort und Bild“ Arbeiten von Horst Dieter Gölzenleuchter.

Bochum.. Die Stadtbücherei stellt als Höhepunkt und zum Finale ihres 111. Geburtstags die „Edition Wort und Bild – Buchkunst aus Bochum“ mit Arbeiten von Horst Dieter Gölzenleuchter aus. Die Auswahl seiner Texte, Bilder, Drucke und Arbeiten mit befreundeten Künstlern wird begleitet von der Arbeit Germanistik-Studierender der Ruhr-Universität, die sich im Sommersemester 2016 in akribischer Recherche mit Gölzenleuchter, seinen Veröffentlichungen und der Buchkunst beschäftigten. Dazu hat die 25-köpfige Gruppe eine Broschüre veröffentlicht.

Die Idee hatte Joachim Wittkowski, der das Proseminar leitete und seit zehn Jahren mit Gölzenleuchter, den alle Oskar nennen, befreundet ist. Die jungen Leute porträtieren den Verlag „Wort und Bild“, gegründet 1979. Jeder Bucheinband ist mit einem Originalholzschnitt Gölzenleuchters bezogen.

„Proletenpresse“ als Kampfansage an Springer

In ihren Beiträgen zur Broschüre blicken sie aber auch auf dessen Vorgänger, die „Proletenpresse“, gegründet 1967 als Kampfansage gegen die Springer-Presse. „Die Studis fanden es wohl spannend, wie wir aus dem Nichts versuchten, unsere Heftchen zu machen, und die Zusammenarbeit mit heute bekannten Autoren“, sagt der 72-jährige Künstler, der sein Atelier auf Lothringen in Gerthe hat. Und er findet, das Ergebnis sei sehr wohlwollend ausgefallen. „Und das, obwohl Joachim Wittkowski sie durchaus ermuntert hat, kritisch zu sein.“

Die ersten Gehversuche unternahm er gemeinsam mit seiner Ehefrau Renate in ihrer damaligen Wohnung in der Hustadt, die sie 1973 bezogen. „Wir hatten wenig Platz, deshalb wurde im Schlafzimmer mit Wachsmatrizen gedruckt. Die Katze lief immer über die Blätter, die auf dem Boden trockneten.“

100 Bücher im Repertoire

Die Ausstellung in der Zentralbücherei zeigt einen Querschnitt des Gölzenleuchter-Schaffens, darunter seine Packpapier-Tüten, bedruckt mit Grafik und Texten – zum Beispiel der Beitrag „Pater Noster“ (Unser Vater) des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. Bis heute hat der Gerther Künstler mehr als 100 Bücher herausgebracht, viele davon kann man in der Bücherei ausleihen. Hinzu kommen etliche Grafikmappen, die in Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern entstanden.

Technisch interessant sind auch die „Schulgeschichten“, die Gölzenleuchter gemeinsam mit Wittkowski herausgab und die er mit seinen typischen Holzschnitten bebilderte. Darin lassen beide ein veraltetes Verfahren wieder aufleben, den Spirit-Carbon-Umdruck, der an den Schulen bis in die 90er-Jahre verwendet wurde.

Auch andere Künstler sind vertreten

Wer durch die Ausstellung streift, stößt immer wieder auch auf Beiträge des 2014 verstorbenen Bochumer Autors Hugo Ernst Käufer. Auch der Bochumer Werner Streletz ist häufig vertreten, unter anderem mit einer Hommage an Tana Schanzara, begleitet von einem Druck der Bochumer Chinesin Jung Lan.

Die Zusammenarbeit mit den RUB-Studenten, die etwa ein Dreivierteljahr dauerte, fand auch Gölzenleuchter spannend. „All die alten Papiere mal wieder zu sichten, vergessene Briefe hervorzukramen. Es war anstrengend, aber auch schön, derart intensiv in die Vergangenheit abzutauchen.“ Immer, wenn Joachim Wittkowski im Gerther Atelier vorbeischaute, begrüßte ihn Gölzenleuchter mit: „Guck mal, hier ist noch ein Karton.“

 
 

EURE FAVORITEN