Bochum

Bochum: Mehrere tote Schwäne im Ümminger See – Tierschützer stehen vor Rätsel

Mehrere junge Schwäne wurden am Ümminger See in Bochum gefunden.
Mehrere junge Schwäne wurden am Ümminger See in Bochum gefunden.
Foto: imago images / Hans Blossey; imago images / Marcel Lorenz (Montage: DER WESTEN)

Bochum. Mysteriöse Todesfälle am Ümminger See in Bochum!

Mehrere junge Schwäne wurden am Ümminger See in Bochum gefunden. Zu Beginn der Woche rettete eine Tierschützerin aus Witten die Mutter der toten Wasservögel – sie ist halbseitig gelähmt und kann nicht mehr schwimmen. Die Experten stehen vor einem Rätsel.

Bochum: Tote Schwäne am Ümminger See – Forscher finden Nervengift

DER WESTEN hat mit Birgit Debus vom NABU Bochum über das Schwanensterben am Ümminger See gesprochen. Sie hatte erzählt, dass die Stadt Bochum die Kadaver im „Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Westfalen“ in Arnsberg untersuchen ließ. Dabei wurde im Darm der toten Jungtiere Botulinum nachgewiesen – ein Nervengift, das auch unter dem Sammelbegriff Botox bekannt ist.

Bei Botulinum handelt es sich um ein toxisches Stoffwechselprodukt des Bakteriums Clostridium botulinum, erklärt Birgit Debus. Dieses Bakterium kann sich im Schlamm warmer, nährstoffreicher und sauerstoffarmer Gewässer besonders in den Sommermonaten stark vermehren. Beispielsweise durch das Düngen mit Gülle kann es ins Erdreich und dann durch Regen in die Gewässer gelangen, schreibt das Schwanenschutz-Kommitee auf seiner Website.

+++ A40 in Bochum: Autofahrer sieht exotisches Tier auf der Autobahn – und ruft sofort die Polizei +++

Und die Wasservögel, die bei der Nahrungssuche den Schlamm am Boden aufwühlen („gründeln“), nehmen das Botulinum dann mit der Nahrung auf. Die daraus folgende Erkrankung bei Wasservögeln nennt sich Botulismus und kann zum Tod führen. Doch die Betonung liegt hier auf dem Wort „kann“ – denn ob die jungen Schwäne daran gestorben sind, ist keinesfalls klar.

Todesursache noch immer nicht klar

Dass ein Botulismus als alleinige Todesursache der Schwäne feststeht, „wird vom Untersuchungsamt in Arnsberg so nicht bestätigt“, betont Birgit Debus. Denn vor allem eine Sache ist besonders verwunderlich: Am Ümminger See starben nur Schwäne einer einzigen Schwanenfamilie – andere Wasservogelarten, die ebenfalls bei der Nahrungssuche „gründeln“, waren nicht betroffen.

------------------------

Mehr News aus Bochum:

Bochum: Geburtstagsparty mit über 100 Gästen trotz Corona – wegen dieses Fehlers drohen jetzt Konsequenzen

Bochum: Abschied von bekanntem Lokal – Betreiber am Ende: „Corona hat es endgültig geschafft“

Bochum: Kunde will Brötchen kaufen – dann verlangt der Kassierer diesen unglaublichen Betrag

------------------------

„Das könnte bedeuten, dass bei dieser Schwanenfamilie ein genetischer Defekt vorliegt“, vermutet Debus. „Dann könnten bereits geringe Konzentrationen von Botulinum tödlich wirken.“

Füttern kann zu mehr Erkrankungen führen

Wer Schwäne und andere Wasservögel vor einer solchen Erkrankung bewahren will, der sollte sich auf jeden Fall an Fütterungsverbote halten. „Die unerlaubte Fütterung mit Brot und Kuchenresten – oft in großen Mengen – trägt gerade in Kleingewässern in den Sommermonaten erheblich zum Botulismus bei“, erklärt Debus. Die Reste sinken zu Boden, die Vögel tauchen ab um zu „gründeln“ – und wirbeln dabei noch mehr Schlamm und damit auch mehr Gift auf. (at)

 
 

EURE FAVORITEN