Bochum sucht nach neuem Platz für die Morellet-Plastik vom Springerplatz

Das liegende Element der Morellet-Plastik in Bochum ist mit Sperren gegen mögliche Beschädigungen gesichert. Foto: Ingo Otto
Das liegende Element der Morellet-Plastik in Bochum ist mit Sperren gegen mögliche Beschädigungen gesichert. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Wegen eines Umbaus an der Bochumer Arnoldschule und der Wiese davor muss das dort seit 1980 stehende Kunstwerk von Francois Morellet - zwei feuerrote Stahlbalken, einer senkrecht, einer horizontal - verschwinden. Die Frage ist nur: wohin?

Bochum.. Am Springerplatz tut sich was: Die Arnoldschule wird einer Fassadenauffrischung unterzogen, und auch die Fläche davor hat sich verändert: Aus der Wiese wurde eine Baustelle, bald wird hier der „Generationenpark“ entstanden sein. Also alles gut im Griesenbruch? Mancher Kunstfreund meint: nein. Denn durch den Schul- und Platzumbau wird eine der prägnantesten Bochumer Beispiele für Kunst im öffentlichen Raum aus Stahlhausen verschwinden – Francois Morellets grellrote Stahlbalken, die 30 Jahre lang Wiese und Schulfassade schmückten.

Mit dem nach Angaben der Stadt „bautechnisch unabweisbaren Umbau“ der Schule ging der Bau einer Feuertreppe einher, die sich exakt dort breit macht, wo früher das eine Segment des Doppel-Kunstwerks hing. Der Eingriff in das Gebäude und das Gelände hat nun die Anmutung der Morellet-Installation vollkommen verändert, zwar wäre es technisch möglich, den senkrechten Balken wieder an der Hauswand anzubringen, aber das wäre angesichts der voluminösen Feuertreppe „nur eine sehr unbefriedigende ästhetische Lösung“, wie auch Kultur- und Schuldezernent Michael Townsend befindet. Denn der Ort, die Form und die Distanz der zwei Kunstsegmente waren vom Künstler einst exakt für diesen einen bestimmten Ort in der Stadt entwickelt worden.

Guter Rat ist teuer

Jetzt ist guter Rat teuer: Wohin mit dem Ding? In Absprache mit Museumsdirektor Hans Günter Golinski solle, so Townsend, „ein Ort, der auch inhaltlich geeignet sein muss“, gefunden werden. Wo? Wann? Das ist bis auf Weiteres ungewiss.

Francois Morellets abstrakte Minimal Art, die nun aus dem Griesenbruch vertrieben wird, hat eine bewegte Geschichte. Erst im Herbst 2004 hatte ein solventes Bürgerbündnis um die Bochumerin Bettina Eickhoff mit einem Rettungsbudget von 10.000 Euro die Plastik vor dem Untergang bewahrt. Damals konnte man schaudern, angesichts dessen, was aus dem Kunstwerk geworden war. Die Stahlblöcke waren verrottet, mit Farbe besudelt, das waagerechte Element aus der Verankerung gerissen.

Nicht mehr zu retten

Weil die Original-Teile von 1980 nicht mehr zu retten waren, ließ man identische Stahlteile fertigen, die mit der Tagesleuchtfarbe „Feuerwehrrot“ gespritzt wurden. Vor fast genau sechs Jahren, im April 2005, knallten die Stahlbalken in Stahlhausen endlich wieder ins Auge, bereicherten als abstrakte Findlinge einen jahrzehntelang Kunst-fernen Ort im alten Bochumer Arbeiterquartier Griesenbruch. Seine „Zwei geraden Segmente, das eine horizontal, das andere vertikal“ hatte Morellet beim heute so gut wie vergessenen „1. Bochumer Symposion Stadt und Bildhauerei“ anno 1979/80 realisiert. Die räumliche Größe wie die geistige Tiefe gleichermaßen machen die Bedeutung dieser Plastik – geschätzter Verkehrswert 100 .000 Euro – aus.

 
 

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