Bochum

Bochum: Student (30) erhält einen unheilvollen Anruf – danach ist nichts mehr, wie es war

Robin Henschel ist Student in Bochum und hat als Proband an einer Studie teilgenommen. Doch dabei wurde ein schlimmer Zufallsbefund entdeckt.
Robin Henschel ist Student in Bochum und hat als Proband an einer Studie teilgenommen. Doch dabei wurde ein schlimmer Zufallsbefund entdeckt.
Foto: Julia Scholz / DER WESTEN

Bochum. Er fing wie ein ganz normaler Montag an, dieser 12. August 2019. Doch nach einem Anruf, den der Student Robin Henschel (30) in Bochum erhielt, war nichts mehr, wie es vorher war. Robin leidet an einer Autoimmunerkrankung und sammelt nun Geld für eine Operation.

Studenten sind oft chronisch pleite. Nebenjobs sollen da schnell Abhilfe schaffen, um die Ebbe im Portemonnaie auszugleichen. So auch bei dem 30-jährigen Jurastudenten aus Witten. Blutplasma spenden und sogar Samenspenden gehörten regelmäßig zu den Nebenverdiensten des Studenten der Ruhr-Uni in Bochum.

Bochum: Student erhält einen schrecklichen Anruf, der sein Leben verändert

Und oft locken auch Aushänge über medizinische Studien in den Unis aus, die Probanden benötigen. Robin sah seine Chance und nahm an einer Reizdarm-Studie teil. Doch diese letzte Studie veränderte sein Leben grundlegend.

Der Anruf kam überraschend. Robin Henschel erzählt im Gespräch mit DER WESTEN, wie er an diesem besagten Montag einen Freund am Bochumer Hauptbahnhof verabschiedete, als sein Handy klingelte.

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Das ist multiple Sklerose:

  • Multiple Sklerose ist eine Autoimmunkrankheit
  • Bei der Erkrankung greifen die Zellen des Immunsystems die Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmark an
  • Somit können die Nerven Reize nicht mehr weiterleiten, was zu Lähmungen oder Taubheitsgefühlen, Sehstörungen führen kann
  • Im weiteren Krankheitsverlauf kann es sein, dass der Patient im Rollstuhl sitzen muss
  • Etwa 230.000 Menschen in Deutschland sind erkrankt, besonders häufig Frauen
  • Der Auslöser für MS ist bisher unbekannt

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Was er dann von der Uniklinik Essen hörte, warf ihn aus der Bahn, ihm wurde schwindelig. Man habe bei der Auswertung einen Zufallsbefund im zentralen Nervensystem entdeckt, erinnert er sich grob. Er solle das unbedingt bei einem Neurologen abklären lassen. Der Verdacht: Multiple Sklerose (MS).

„Die Frau am Telefon hat das so erzählt, als würde sie es jeden Tag mitteilen, empathielos“, erinnert er sich. „Das kann doch nicht wahr sein? Kann mich jemand kneifen?“, waren seine ersten Gedanken. Er setzte sich auf die Treppen, um nicht umzukippen.

Der 30-Jährige leidet am Multipler Sklerose (MS)

Geahnt hat er diese Hiobsbotschaft nicht, bislang keine Symptome gespürt. Mehrere Untersuchungen folgten. Ihm wurde Nervenwasser entnommen, sein Gehirn wurde im MRT gecheckt. Der Verdacht bestätigte sich.

Wenige Wochen später dann der erste Schub im Bein, den Robin wahrnahm. „Und er begleitet mich manchmal auch heute“, sagt er resigniert. Bei dieser Erscheinung wurde er sofort in die MS-Ambulanz im Krankenhaus eingewiesen, intravenös mit Kortison behandelt. Bis heute nimmt er Tabletten, die die Symptome eindämmen sollen.

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Doch für Robin ist klar: „Ich will nicht einfach weiter warten, bis noch andere Nervenzellen absterben. Das will ich auf jeden Fall vermeiden“. Sagt er und trifft eine Entscheidung. Er will eine Stammzellentransplantation in Moskau vornehmen lassen. Möglichst bald, weil er noch im Anfangsstadium der Krankheit steckt. „Ich will keinen neuen Schub“, sagt er bestimmt. Er will nicht die ständige Angst im Nacken haben, wann die nächsten Anzeichen oder Ausfälle kommen.

Wie funktioniert eine Stammzellentransplantation bei MS?

Bei der Stammzellentransplantation werden dem Patienten blutbildende Stammzellen entnommen. Sie werden eingefroren. Dann bekommt der Patient - ähnlich wie bei Leukämieerkrankten - eine Chemotherapie. Diese soll die erkrankten Immunzellen zerstören. Danach werden die zuvor entnommenen Stammzellen zurückgegeben, um ein neues Immunsystem aufzubauen.

So erklärt es die Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Doch diese Therapiemöglichkeit steckt in Deutschland noch weitestgehend in den Kinderschuhen. Noch gibt es nur wenige Studien zu der Behandlung. Sie gilt laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als „ultima ratio“ und werde bislang nur bei sehr schweren MS-Verläufen eingesetzt, da es zu „lebensgefährlichen Komplikationen“ kommen kann.

Doch der junge Jura-Student ist sich nach eigener Ausssage des Risikos durchaus bewusst, ist in mehreren MS-Foren, tauscht sich mit anderen Leidensgenossen aus und kam so auf die Moskauer Klinik.

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Seit 15 Jahren behandle die medizinische Einrichtung MS-Patienten auf diese Weise, erzählt Robin. Bei den allermeisten der etwa 1500 Patienten mit positivem Ausgang. Vier seien verstorben, so der Wittener.

„Ich werde kämpfen! Robin gegen MS“

Doch die Operation kostet eine Menge Geld. Kostenpunkt: 45.000 Euro. Die will der 30-Jährige nun über die Spendenseite „Ich werde kämpfen! Robin gegen MS“ bei „Gofundme“ sammeln.

Aktuell sind dort 4555 Euro eingegangen. 119 Menschen haben schon gespendet. Auch Robin selbst, der sich im dritten Jura-Semester befindet, hat seinen Fokus derzeit verstärkt auf Nebenjobs gelegt, um die Spendensume zu erreichen. Er hat um den Jahreswechsel herum für die Wittener Stadtwerke die Zählstände abgelesen.

Und will sich danach weitere Jobs suchen, um das Geld zusammenzubekommen. Denn die Samenspende oder Blutplasmaspende fällt nun als Einnahmequelle mit der Autoimmunerkrankung weg.

Hier gelangst du zur Spendenkampagne.

 
 

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