Bochum

Bochum: Obdachlosen-Verein wettert gegen Stadt – „Konzept ist zusammengebrochen“

Bochum: Der Obdachlosen-Verein bodo e.V. kritisiert die Stadt scharf. (Symbolbild)
Bochum: Der Obdachlosen-Verein bodo e.V. kritisiert die Stadt scharf. (Symbolbild)
Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum. Schon im November übte der Obdachlosen-Verein bodo e.V. aus Bochum scharfe Kritik an dem Kältekonzept der Stadt. Jetzt hat der Verein in noch heftigeren Tönen gegen die Stadt gewettert.

„Das Konzept ist zusammengebrochen“, beklagt der Obdachlosen-Verein.

Bochum: Obdachlosen-Verein mit scharfer Kritik gegen Stadt

In vielen Teilen Deutschlands läuft aufgrund des extremen Wintereinbruchs beinahe nichts mehr so wie es sollte. Bei den eisigen Temperaturen von deutlich unter Null Grad und dem anhaltenden Schneefall hält sich wohl kaum jemand gerne draußen auf.

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Damit ist es längst höchste Zeit, dass auch die obdachlosen Menschen einen Platz im Warmen haben, wie der Obdachlosen-Verein bodo e.V. aus Bochum fordert.

Genau darin liegt auch die erneute Kritik des Vereins. „Es zieht ein Wintersturm über Bochum hinweg und weder sind Räume für Wohnungslose verfügbar noch sind die zusätzlichen Schlafplätze erreichbar“, kritisiert Alexandra Gehrhardt von bodo. „Das ‚Konzept‘ der Stadt ist zusammengebrochen – und das war absehbar“, heißt es weiter.

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Das ist die Stadt Bochum:

  • erste urkundliche Erwähnung im Jahr 890
  • mit 365.587 Einwohnern (Stand: Dezember 2019) die sechstgrößte Stadt in NRW
  • besitzt sechs Stadtbezirke
  • Sehenswürdigkeiten unter anderen: Deutsches Bergbau-Museum, Kemnader See, Eisenbahnmuseum
  • Oberbürgermeister ist Thomas Eiskirch (SPD)

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Zwar habe die Stadt – quasi als Überlauf, falls die Notschlafstelle am Fliednerhaus belegt ist – zusätzliche Schlafplätze in einer ehemaligen Schule in Hamme geschaffen. Die Wohnungslosen sollten aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin fahren – die Bogestra habe jedoch am Sonntagmorgen den Betrieb eingestellt.

Auch warme Aufenthaltsorte gebe es nicht. „Obwohl heftiger Schneefall, starker Wind und Eisregen seit Tagen angekündigt waren, hat die Stadt es nicht geschafft, einen Tagesaufenthalt für Wohnungslose zu öffnen – Sonntagsöffnungszeiten sind im Konzept nämlich nicht vorgesehen“, kritisiert Gehrhardt.

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Stadt Bochum „muss umgehend handeln“

Im November hatte der Obdachlosen-Verein bereits kritisiert, dass die Schlafstellen nach eigenen Angaben frühestens bei Temperaturen ab unter Null Grad und nur nachts geöffnet sind – ein Bahnhof sogar erst bei minus zehn Grad. Und die Stellen für Tagesaufenhalte seien mit einer Begrenzung auf 45 Minuten zu kurz. Zudem seien Schlafsäcke „kein Konzept“. Die Wohnungslosenhilfe warnte bundesweit davor, dass der Winter unter Corona-Bedingungen für Wohnungslose besonders gefährlich werden könnte.

Damit sei das Kältekonzept der Stadt in wesentlichen Teilen zusammengebrochen. „Die Folge ist, dass Menschen, die ungeschützt auf der Straße leben, weiter ungeschützt sind.“ Deshalb fordert Bodo: „Die Stadt Bochum muss jetzt umgehend handeln: Aufenthaltsorte bereitstellen und die Unterkünfte rund um die Uhr öffnen. Sie muss Maßnahmen ergreifen, die Wohnungslose wirklich schützen. Der Winter bedeutet Lebensgefahr“, mahnt Gehrhardt an. (nk)