Bochum rechnet mit Millionen-Kosten für Turnhallen-Sanierung

Christoph Husemeyer
Statiker Thomas Lohmann begutachtet eine der mangelhaften Deckenkonstruktionen.
Statiker Thomas Lohmann begutachtet eine der mangelhaften Deckenkonstruktionen.
Foto: FUNKE Foto Services
Statiker haben von den 34 geschlossenen Hallen bislang acht überprüft. In allen wurden Baumängel an den Deckenkonstruktionen festgestellt.

Bochum. Die Freigabe der gesperrten Bochumer Turnhallen wird sich teils über Monate hinziehen. Am Mittwoch hatte die Stadt vorsorglich 34 Hallen geschlossen, weil die Gefahr besteht, dass sich Deckenplatten lösen und Menschen verletzt werden.

Bislang haben Statiker acht der 34 betroffenen Gebäude überprüft, in jeder wurden Baumängel an der Deckenkonstruktion festgestellt. „Bei den Untersuchungen wurden zwei unterschiedliche Schadenskategorien entdeckt“, berichtete Andreas Grosse-Holz vom Technischen Gebäudemanagement gestern bei einem Begehungstermin in der Turnhalle des Alice-Salomon-Berufskollegs.

Nägel statt Schrauben in der Decke

Kern des Problems sei die mangelhafte Befestigung der Deckenkonstruktion, erklärt der zuständige Statiker Thomas Lohmann. „Die Deckenplatten sind lediglich durch Nägel mit dem darüber liegenden Holzlatten-Konstrukt verbunden und nicht fest verschraubt.“ Da die Nägel zudem glatt lackiert und senkrecht – statt diagonal – angebracht seien, fehle womöglich der nötige Halt. „Heutzutage verwendet man ohnehin Schrauben, aber eine senkrechte Vernagelung war auch damals vor 30 bis 40 Jahren ungewöhnlich“, urteilt der Experte.

In dieser ersten Schadenskategorie genüge es, die Deckenplatten mit der darüber liegenden Konstruktion zu verschrauben, so Andreas Grosse-Holz. „Diese Sanierung dauert pro Halle vier Tage und kostet bis zu 15 000 Euro“, schätzt er.

Kosten bis circa 100.000 Euro pro Halle

Im zweiten, gravierenderen Schadenfall seien jedoch nicht nur die Deckenplatten, sondern auch die darüber liegenden Holzlatten nur vernagelt. „Hier muss die gesamte Deckenkonstruktion samt Beleuchtung ausgetauscht werden“, so Grosse-Holz, der pro Halle mit 100.000 Euro und mindestens vier Wochen Sanierungszeit rechnet.

Ob und welcher Schadensfall jeweils vorliegt, werde nun nach und nach ermittelt. „Die Statiker werden bis zum 28. August alle Turnhallen überprüfen“, kündigt Grosse-Holz an. Unbedenkliche Turnhallen würden direkt wieder freigegeben – wie bereits an der Feldsieper­straße 94 und Marktstraße 21-23 geschehen, da hier schon in der Vergangenheit saniert wurde, wie nun aus Akten hervorging. Wo jedoch aufwendig saniert werden muss, werde es dauern. „Bis die Aufträge an Firmen vergeben sind, vergehen rund drei Monate“, schätzt Grosse-Holz.

Trotz Haushaltssperre sollen die betroffenen Hallen auf jeden Fall saniert werden. „Im schlimmsten Fall rechnen wir mit rund 3,5 Millionen Euro Kosten“, so Stadtdirektor Michael Townsend. „Wenn Platten herunterfallen, besteht aber Lebensgefahr. Wir tun das, was jeder vernünftige Mensch tun würde.“