Bochum

„Danke Bochum, für die Abschiebung“ – Restaurant-Betreiber überrascht mit diesem Schriftzug

Ein Koch des Badalona in Bochum wird abgeschoben. Sein Chef setzt mit diesem Schriftzug ein Zeichen.
Ein Koch des Badalona in Bochum wird abgeschoben. Sein Chef setzt mit diesem Schriftzug ein Zeichen.
Foto: Privat
  • Eine Familie aus Bangladesch ist abgeschoben worden
  • Der Familienvater hatte als Koch in zwei Bochumer Restaurants gearbeitet
  • Sein Chef nennt die Abschiebepratik: „Erschreckend unmenschlich“

Bochum. Donnerstagnacht wird die Familie vom Ausländeramt geweckt. Es ist gerade 5 Uhr. Sie ahnen wohl schon, dass nach dreieinhalb Jahren in Deutschland der Weg nun zurückführt. Nach Bangladesch, in ihre Heimat. Schnell sucht Rezaul (36) sein Gepäck zusammen. Dann geht es mit seiner 26-jährigen Frau und der gemeinsamen Tochter (3) zum Flughafen.

Dort ruft er seinen Chef an, den Restaurant-Besitzer Jens Schumann, schildert ihm seine Situation. Der Betreiber des Badalona und Max Frituur ist betroffen. Er möchte seinen Unmut kund tun, zeigen, was er von der plötzlichen Abschiebung hält. „Danke Bochum für die Abschiebung“, sprayt er an das Fenster seines Restaurants Badalona.

Bis Samstag bleibt seine Message in weißen und roten Botschaften am Fenster des Restaurants mitten im Bermudadreieck erhalten, dann entfernt Schumann sie wieder.

Bochum: Familie aus Bangladesch abgeschoben

„Rezaul ist ein rührender Familienvater und hat viel gearbeitet“, zeigt Schumann sich traurig über die Abschiebung. „Er war ausreisepflichtig nach Asylgesetz, eine Duldungsverlängerung stand am 8. April bei der Ausländerbehörde an“, erklärt er weiter.

Familie war aus Bangladesh geflohen

Aus Bangladesch war die Familie geflohen, weil die Hochzeit nicht von allen Familienmitgliedern anerkannt wurde. Ebenso seien die Arbeitsbedingungen auf dem Land schlecht gewesen. Daher suchte die Familie 2015 im irakischen Kirkuk Zuflucht, bis der IS in der Region wütete. Mit dem Flüchtlingsstrom gelangte sie nach Deutschland.

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Abschiebung rechtens, aber die Praktiken „sind erschreckend unmenschlich“

Durch drei weitere Angestellte aus Bangladesch sei Gastronom Schumann auf Rezaul aufmerksam geworden. Er begleitet die Familie häufig zu Behördengängen.

Zuletzt hatte er mithilfe eines Anwalts für sie einen Härtefallantrag gestellt. Die Härtefallkommission am Düsseldorfer Landtag hat sich mit dem Fall allerdings noch nicht beschäftigt.

Zwar hält Schumann die Abschiebung für rechtens, die Vorgehensweise lehnt er jedoch entschieden ab. „Diese Praktiken sind erschreckend unmenschlich“, meint er. Sein Appell am Fenster richtet sich nicht gegen die Behörden, sondern an die Menschen im Ruhrgebiet. Er möchte aufrütteln: „Man sollte seine Meinung sagen und sich nicht immer zurückhalten.“

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

Die Stadt Bochum verweist darauf, dass die Abschiebung durch die Ausländerbehörde durchgeführt wurde. Beauftragt hat sie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. Das Ministerium hat sich auf Nachfrage bisher nicht zu dem Fall geäußert. Es verweist darauf, dass personenbezogene Auskünfte nicht getätigt werden können.

Restaurantbesitzer Schumann glaubt dennoch daran, dass die Familie zurückkehren kann: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

 
 

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