Bochum

„Leider feige“: Trinkhallen-Besitzer bekommt Brief vom Amt – weil ein Bochumer ihn verpfiffen hat

Trinkhallen-Betreiber Refik Gülcü mit Rocco Furiano und Ismahan Altundas in ihrem Lindener Büdchen in Bochum beim Tag der Trinkhalle im August 2018. (Archivbild)
Trinkhallen-Betreiber Refik Gülcü mit Rocco Furiano und Ismahan Altundas in ihrem Lindener Büdchen in Bochum beim Tag der Trinkhalle im August 2018. (Archivbild)
Foto: FUNKE Foto Services

Bochum. Seit 50 Jahren gibt es das „Lindener Büdchen“ in Bochum bereits. Täglich kommen Stammkunden dort hin, um sich vor der Arbeit noch ein belegtes Brötchen oder einen Kaffee zu holen. Um 4.30 Uhr öffnet die Trinkhalle deshalb schon.

Doch damit ist jetzt erstmal Schluss. Denn Betreiber Refik Gülcü hat von der Stadt Bochum einen Brief bekommen, der ihn darüber informiert, dass es Beschwerden gegen das Lindener Büdchen gibt – es sei dort zu laut.

Lindener Büdchen: Angebliche Belästigungen durch Gäste der Traditions-Trinkhalle

„Im Ordnungsamt ist eine Beschwerde über Lärm und Belästigungen durch Gäste Ihrer Trinkhalle sowie deren Parkverhalten eingegangen. Danach soll es teilweise ab circa 4 Uhr zu erheblichen Belästigungen durch an- und abfahrende Kunden Ihrer Trinkhalle kommen, die zusätzlich auch noch auf Geh- und Radweg parken sollen“, heißt es in dem Schreiben, das der 41-Jährige auf Facebook veröffentlicht hat.

Brief vom Ordnungsamt Bochum an Lindener Büdchen: „Völlig überraschend“

Im Gespräch mit DER WESTEN erklärt er: „Wir waren über die Weihnachtsferien im Urlaub und Anfang Januar haben wir dann den Brief erhalten.“ Für ihn und seine Stammkunden war es ein Schock. Zuvor habe sich nie jemand beschwert, dass es zu laut sei. Er sagt weiter: „Es war vollkommen überraschend.Alle waren immer sehr zufrieden.“

Aber Refik Gülcü ist von der Beschwerde nicht nur überrascht, er ist vor allem eines: enttäuscht. Unter seinen Facebook-Post schreibt er: „Leider war diese Person so feige, dass sie nicht mit diesem Anliegen zu uns gekommen ist.“

Trinkhalle liegt an Hauptstraße in Bochum

Auf Nachfrage von DER WESTEN erklärt er zudem: „Es gab nie Beschwerden. Wäre die Person zu uns gekommen, dann hätte man über alles reden können. Sagen, dass die Leute umparken oder leiser sein sollen.“ Dabei sei es aber ohnehin nicht laut. „Wir haben keine Musik, es ist ja keine Disco. Sondern nur ein Kiosk“, so der Büdchen-Betreiber.

Zudem liege die Trinkhalle direkt an einer Hauptstraße in Bochum, der durch Autos verursachte Lärm sei um einiges lauter – doch da beklage sich niemand.

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Zwischen 5 und 6 Uhr: 25 Prozent der Tageseinnahmen

Aufgrund der Beschwerde muss der Laden jetzt bis 6 Uhr geschlossen bleiben. In der ersten halben Stunde bis 5 Uhr sei zwar nie allzu viel los gewesen. Zwischen 5 und 6 Uhr aber schon: „Da haben wir bisher ein Viertel des Tagesumsatzes gemacht.“

Vor allem für seine Stammkunden tut es Gülcü leid: „Denn die müssen sich jetzt fragen: 'Wo sollen wir jetzt hin?'“ Früh morgens zähle nun mal jede Minute. „Die direkte Nachbarschaft ist fassunglos, der gesamte Stadtteil Bochum-Linden zeigt sich betroffen. Am Montag haben wir noch um halb 5 aufgemacht, um unseren Kunden zu erklären, was los ist. Ab Dienstag machen wir dann erst ab 6 Uhr auf.“

Kunden zeigen sich betroffen

Die Reaktionen auf Facebook:

  • „Schade! Aber so ist es wohl, wenn jemand sich beschwert. Der weiß ganz genau, was er bezwecken will. Schade, dass euch sowas passiert.“
  • „Richtig ekelhaft... Das tut mir leid für dich und vor allem die Kunden, die sich morgens vor der Arbeit ein Brötchen, eine Zeitung oder Zigaretten bei dir holen.“
  • „Sauerei! Die Menschen sollten froh sein, dass so früh jemand seine Bude aufmacht. Alle Pendler mit Frühschicht sind froh darüber! Aber das in einige Ego-Schädel reinzubekommen, ist offenbar nicht möglich.“

Lärmbelästigung: Geldbuße droht

Die Kunden bedauern, dass das Büdchen erst später öffnet. Aber weil eine Geldbuße von bis zu 25.000 Euro droht, „werden wir uns erstmal fügen und das so hinnehmen.“ Doch vom Ordnungsamt hätte sich Gülcü zumindest erhofft, dass sie „vorbeikommen und sich selbst ein Bild von der Situation machen. Und dann hätten sie vielleicht gesehen, dass es gar nicht zu laut ist.“

Der nächste Schritt: Refik Gülcü will sich fachliche Unterstützung holen, um dann eine Lösung zu finden, dass das Lindener Büdchen bald wieder ab 4.30 Uhr für seine Stammkunden da sein kann.

 
 

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