Bochum ist mit Laser-OPs Vorreiter beim Grauen Star

Jürgen Stahl
Als erste Klinik in Europa setzt das Knappschaftskrankenhaus Langendreer bei Operationen des Grauen Stars einen Femtosekunden-Laser ein. Die Erfahrungen sind bisher „herausragend“.

Bochum. 0,000.000.000.000.001 Sekunden: Dagegen ist ein Wimpernschlag eine Ewigkeit. Als Femtosekunde wird diese Winzigkeit einer Maßeinheit bezeichnet, die Hunderttausende Patienten große Hoffnung schöpfen lässt. Das Knappschaftskrankenhaus Langendreer macht in Europa den Anfang: Seit Dezember kommt bei der Operation des Grauen Stars ein Femtosekunden-Laser zum Einsatz.

Eine halbe Million Euro kostet das in den USA entwickelte und produzierte Gerät. Dass Bochum als Vorreiter fungiert, ist Prof. Dr. Burkhard Dick zu verdanken. Der Direktor der Universitäts-Augenklinik gilt bei Katarakt-OPs als internationale Kapazität. Bei der Suche nach einem Standort für die Europa-Premiere fiel die Wahl der Amerikaner somit auf Langendreer.

Dort ist man ob der Leistungsfähigkeit der neuartigen Technik geradezu euphorisch. Bisher sind über 70 Eingriffe mit dem Femtosekunden-Laser erfolgt. „Die Ergebnisse sind allesamt herausragend. Die Präzision ist unerreicht. Das ist von Hand nicht zu toppen“, schwärmt Prof. Dick.

Skalpell wird bei der Augen-OP nahzu überflüssig

Die an ein Mikroskop im XXL-Format erinnernde Apparatur macht das Skalpell nahezu überflüssig. Bei konventionellen Eingriffen wird per Hand geschnitten, um die getrübte Linse mit Ultraschall zu zerstäuben und abzusaugen. Das übernimmt das Spezialgerät quasi im All-inclusive-Verfahren. Der Infrarot-Laser entlädt sich im Femtosekunden-Takt auf die Augenkapsel und stanzt ein 5 mm großes Loch um die Linse aus. „So lässt sich das Gewebe extrem exakt und vor allem schonend schneiden. Schließlich geht die Wärmeentwicklung gegen Null. Und: Die Linsenkapsel bleibt reißfester als bei herkömmlichen Techniken und ist danach besser für den Einsatz von Speziallinsen geeignet“, berichtet Prof. Dick. Ein weiterer Pluspunkt sei der niedrige Druck, mit dem das Auge schonend und ohne Unannehmlichkeiten angesaugt wird. „Es entstehen keine Wellen auf der Hornhaut.“

Der Linsenkern wird behutsam zerkleinert. Einem Staubsauger ähnlich, werden die winzigen Trümmer aus dem Auge entfernt. Ein bildgebendes Verfahren macht es möglich, dass kleinste Strukturen des Sehorgans mikrometergenau dargestellt werden. So wird das Feld für den Einsatz der Kunstlinse und deren perfekten Sitz bereitet.

Der Eingriff dauert rund acht Minuten

Durchschnittlich sieben bis acht Minuten dauert der Eingriff unter örtlicher Betäubung. „Die meisten Patienten haben schon kurz nach der OP wieder gute Sicht“, so Prof. Dick, der ausdrücklich betont, dass das Laser-Verfahren sowohl Privat- als auch Kassenpatienten als Kassenleistung offen steht. „Etwaige Zusatzzahlungen werden nur bei Sonderwünschen fällig.“

SpezialZwar ist an die Anschaffung eines zweiten Gerätes vorerst nicht gedacht. Angesichts des erfolgreichen Probelaufs will das Knappschaftskrankenhaus aber die OP-Kapazität erhöhen. Ziel sind jährlich über 4000 Katarakt-Eingriffe. Der Bedarf, weiß man In der Schornau, ist riesig und nachhaltig. Alle Menschen leiden im fortgeschrittenem Alter unter abnehmender Sehstärke – die einen früher (meist ab 60), die anderen später. Die neue Technologie, verheißt Prof. Dick, werde die Behandlung dieser Volkskrankheit entscheidend voranbringen.

Die Entfernung der Linse im menschlichen Auge gilt als der häufigste Eingriff in Deutschland. Jährlich unterziehen sich 700 000 Menschen einer Operation. Das Knappschaftskrankenhaus Langendreer verzeichnet jährlich 3800 Katarakt-OPs.