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Bochum: Flüchtlings-Helfer erhebt schwere Vorwürfe gegen Jobcenter: „Das geht gar nicht“

Flüchtlings-Helfer Edgar Zimmermann regt sich über das Jobcenter Bochum auf.
Flüchtlings-Helfer Edgar Zimmermann regt sich über das Jobcenter Bochum auf.
Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services & privat

Bochum. Edgar Zimmermann (64) hat den Kaffee auf. Seit Jahren regt sich der ehrenamtliche Flüchtlings-Helfer aus Bochum immer wieder über das Jobcenter auf.

Ein aktueller Fall um einen Flüchtling aus Bochum bringt das Fass für den frühpensionierten Lehrer zum Überlaufen.

Flüchtlings-Helfer aus Bochum regt sich über Jobcenter auf: „Geht gar nicht“

Dabei geht es um einen Mann, der bis März letzten Jahres in der Gastronomie in Bochum arbeitete – dann kam Corona. Im Sommer habe er nochmal arbeiten können. Mit dem verschärften Lockdown seien ihm - wie vielen in der Branche - endgültig alle Einnahmen weggebrochen.

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Auf der Suche nach Unterstützung wandte sich der einst als Flüchtling nach Deutschland gekommene Mann an den 64-jährigen Zimmermann.

Doch trotz dessen Hilfe warte der nun arbeitslose Mann seit Monaten auf Geldleistungen des Jobcenters. Edgar Zimmermann schimpft: „Das geht gar nicht.“

Flüchtlings-Helfer klagt über Jobcenter Bochum: „Das kann ich nicht nachvollziehen“

Nach Angaben des Flüchtlings-Helfers seien mehrfach Unterlagen nicht beim Sachbearbeiter angekommen - obwohl er beteuert, sie persönlich abgegeben zu haben. „Ich faxe die Post. Die Post kommt nicht an. Ich gebe sie persönlich bei der Security ab. Die Unterlagen liegen nicht vor“, so Zimmermann.

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Der 64-Jährige würde sich darüber nicht so aufregen, wenn er diese Erfahrung mit dem Jobcenter Bochum nicht schon vor Corona gemacht hätte. „Das kostet mich unfassbar viel Zeit. Das kostet Geld. Das kann ich nicht nachvollziehen“, klagt der Bochumer.

Das Ergebnis in diesem Fall: Seit zwei Monaten warte der Flüchtling auf Arbeitslosengeld, die Krankenkasse auf Beiträge und sein Vermieter auf Miete. Für Zimmermann „mehr als ärgerlich.“

Bochum: So reagiert das Jobcenter auf die Vorwürfe

Jobcenter-Sprecher Johannes Rohleder kann sich aus Datenschutzgründen zu dem konkreten Fall nicht äußern. Aber monatelanges Verschleppen von Vorgängen? „Aus unserer Sicht trifft das nicht zu“, sagt Rohleder.

Das Jobcenter Bochum habe 2017 auf die E-Akte umgestellt. Seitdem werden eingehende Unterlagen von der Deutschen Post eingesammelt und in Scan-Zentren digitalisiert. Der Prozess würde etwa drei Tage in Anspruch nehmen. „Dadurch ist das Verschwinden der Post gar nicht mehr möglich“, so der Jobcenter-Sprecher.

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Rohleder bestätigt allerdings, dass das Jobcenter als Behörde „sehr formalistisch“ arbeite. Rein rechtlich dürfe das Jobcenter seine Leistungen erst nach eingängiger Prüfung ausschütten. „Es benötigt viele Unterlagen, bis wir erkennen, dass wir der zuständige Sozialleistungserbringer sind“, sagt er und weiter: „Nur bei zwei von 100 Fällen liegen bei Neuanträgen alle nötigen Unterlagen vor.“

Wegen zusätzlicher Sprachbarrieren ziehe sich der Prozess dann schon einmal hin, aber es liege im eigenen Interesse des Jobcenters die Anträge so schnell wie möglich abzuarbeiten.

Jobcenter Bochum: „Das finde ich ein Unding“

Edgar Zimmermann hat da allerdings andere Erfahrungen gemacht. Zwar betont er, dass er auch häufig mit engagierten Sachbearbeitern im Jobcenter zu tun gehabt habe. Doch die Enttäuschungen hätten sich gehäuft.

Der 64-Jährige fragt sich, warum Flüchtlinge Details zum Prozedere wiederholt nicht schriftlich bekommen würden. So hätten sie die Chance, sich Hilfe zu suchen. Stattdessen würden Jobcenter-Mitarbeiter mit unterdrückter Nummer anrufen. „Ich sage denen jedes Mal: Mit unterdrückter Nummer rufen eigentlich nur Verbrecher an, die mir einen Telefonvertrag verkaufen wollen oder so. Das finde ich ein Unding, dass man das so macht.“

Eine Klärung offener Fragen sieht Zimmermann dadurch erschwert.

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Rohleder bestätigt, dass Mitarbeiter aus der Abteilung der Leistungserbringung tatsächlich mit unterdrückter Nummer anrufen. Dazu habe man sich entschieden, damit die Sachbearbeiter möglichst effektiv arbeiten könnten. „Kunden haben jederzeit die Möglichkeit das Service Center anzurufen.“

Bochum: Flüchtlings-Helfer empfiehlt Betroffenen dieses Zauberwort

Edgar Zimmermann empfiehlt hingegen, sich im Zweifel an das Kundenreaktions-Management zu wenden. „Wenn Sie dieses Zauberwort gegenüber einem Sachbearbeiter erwähnen, werden alle plötzlich ganz flott“, sagt er.

In den Fall des Flüchtlings aus der Gastronomie kam nach einer Anfrage von DER WESTEN an das Jobcenter Bochum auch Bewegung. Zwar würden weiterhin Unterlagen fehlen. Er könne übergangsweise aber mit einem Barcode vom Jobcenter 900 Euro bei Rewe abheben. Ein Vorgang, den Zimmermann bis dahin noch nicht kannte: „Ich hab auch nur gestaunt.“