Bochum

Bochum: Ihr Lebensgefährte erstickte qualvoll – Rentnerin (72) unter Tränen: „Dann war Stille“

Artiom P. (37/vorne) und Grzegorz Janusz S. (22/hinten) stehen in Bochum vor Gericht.
Artiom P. (37/vorne) und Grzegorz Janusz S. (22/hinten) stehen in Bochum vor Gericht.
Foto: Funke Foto Service

Bochum. „Ich kriege keine Luft mehr“. Das waren die letzte Worte, die Maga S. (72) von ihrem Lebensgefährten Heinz-Günter K. (68) hörte.

Wenig später war der Mann tot. Qualvoll erstickt durch ein Klebeband, dass ihm Einbrecher um seinen Mund gewickelt hatten. Mit einem Rollator und einem Sauerstoff-Gerät kam die 72-Jährige ins Landgericht Bochum, um ihre Aussage über die grausamen Ereignissen am 4. Februar diesen Jahres zu machen.

Bochum: Seniorin schildert vor Gericht von tödlichen Einbruch

Ihr Lebensgefährte, mit dem sie 33 Jahre zusammen war und von dem sie zuletzt getrennt lebte, habe sie an diesem Tag gegen 15 Uhr aus ihrer Wohnung in Bochum abgeholt. Sie sei die Haustür rein, habe in der Küche Platz genommen, während er noch im Garten nach dem Rechten gesehen hätte. Als sie auf Toilette habe gehen wollen, sei die Haustür aufgeflogen und zwei maskierte Männer ins Haus gestürmt. Einer habe sie am Nacken gepackt und zu Boden gestoßen. Anschließend warf er ihr eine Jacke über den Kopf.

Dann sei ihr Lebensgefährte nach drinnen gekommen, wurde nach einem kurzen Kampf mit den Einbrechern überwältigt und gefesselt. „Ich sag doch nix, ich tue doch nix“, soll er noch gerufen haben. „Ich habe nur noch das Klebeband gehört“, sagt Maga S. „Dann war Stille.“ Mehr als eine Stunde kauerte sie voller Angst auf dem Boden, während die Einbrecher das Haus nach Wertgegenständen durchwühlten. Sie sei so verängstigt gewesen, dass sie sich nicht traute, ihr Handy aus der Hosentasche zu nehmen und die Polizei zu rufen.

„Ich knabbere immer noch dran“

„Dann habe ich zu Hans-Günter gesagt: 'Jetzt sind sie weg!' Aber ich habe keine Antwort bekommen“, berichtet sie unter Tränen. Erst dann wählte sie den Notruf. Die Ereignisse haben Spuren hinterlassen. Sie habe eine Trauma-Therapie hinter sich, erklärt sie. „Aber ich knabbere immer noch dran, traue mich nicht mehr auf die Straße, wenn es dunkel ist.“

Die beiden Angeklagten legten am Donnerstag ein Geständnis ab. Er habe bereits vorher Straftaten verübt, um seine Drogensucht zu finanzieren, erklärte Verteidiger Michael Emde für seinen Mandanten Artiom P. Nach einem Gefängnisaufenthalt sei der in Kasachstan geborene und in Polen großgewordene Mann in Deutschland wohnungslos gewesen.

Mittäter soll ausgeliefert werden

Schon vor Jahren habe er gehört, dass in dem Haus in der „Kappskolonie“ Gold und Bargeld zu holen sei. Gemeinsam mit einem Mittäter, der in Polen wegen einer anderen Tat in Haft sitzt und ausgeliefert werden soll, sei er in das Haus eingebrochen. Der Mitangeklagte Grzegorz Janusz S. (22) habe die beiden gefahren, sei jedoch im Glauben gelassen worden, sie würden Kupfer aus dem Garten des Hauses klauen.

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Angeklagter: „Wollte nicht, dass das passiert“

Vor Ort sei die Haustür offen gewesen. Im Haus habe er „vorsichtig“ die Seniorin zu Boden gebracht und ihr eine Jacke über den Kopf gelegt. Sein Komplize, Spitzname „Schraube“, soll den aus dem Garten kommenden Rentner gefesselt haben.

„Ich ging davon, dass er den Mann wie die Frau mit einer Jacke abdeckt. Ich wollte nicht, dass das passiert und wünschte, ich könnte es ungeschehen machen“, so Artiom P.. Er bestritt, etwas mit dem Mord zutun gehabt zu haben. Er sei mit seinem Komplizen anschließend zu Fuß geflüchtet, da der Mitangeklagte Grzegorz Janusz S. bereits getürmt war. „Ich habe erst am Tag danach im Fernsehen erfahren, dass jemand zu Tode kam. Ich wollte nicht, dass passiert.“

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Der Prozess wird fortgesetzt.

 
 

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