Bochum: Anwohner schimpfen nach „extra3“-Beitrag über diese Brücke: „Der größte Humbug der Welt“

Wenn die S-Bahn parallel zur Ruhr an der Brücke in Bochum vorbeifährt, müssen Autofahrer auch schon mal länger warten.
Wenn die S-Bahn parallel zur Ruhr an der Brücke in Bochum vorbeifährt, müssen Autofahrer auch schon mal länger warten.
Foto: Julia Scholz / DER WESTEN

Bochum/Hattingen. „Jetzt! Jetzt! Jetzt! Oh Mann, wir wären schon längst drüben. Wie lange dauert es denn?“, beschweren sich drei kleinere Jungs, die endlich in ihre Pedalen treten wollen. Sie stehen an der Radfahrerampel neben der Pontonbrücke auf Hattinger Seite und wollen ihre Radtour fortsetzen.

Die Pontonbrücke in Bochum wurde jüngst vom Satire-Magazin „extra3“ aufs Korn genommen. >>> hier mehr dazu lesen. War die Brücke wegen häufiger Missachtung der Verkehrsregeln zunächst geschlossen worden, wurde sie im Mai wieder für Autos geöffnet - allerdings doch unter sehr strengen Auflagen, die mit hohen Kosten verbunden waren.

Pontonbrücke in Bochum: „Der größte Humbug der Welt“

Und genau über diesen Batzen an Geld (615.000 Euro) machten sich die NDR-Satiriker jetzt lustig. Der wurde unter anderem in neue Ampeln für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer, Rotlicht-Blitzer, Betonpoller und Verkehrszähler gesteckt. Die Betonpoller sollen verhindert, dass Lkw die Brücke überqueren.

Viel Verkehr ist an diesem sonnigen Freitagnachmittag an der Brücke nicht. Im Schnitt warten fünf Autos auf die Grünphase. Ein paar Radfahrer müssen auch stoppen, um ihre Route bei Grün fortzusetzen. Als Fußgänger ist es fast schwierig auf die andere Seite der Brücke zu kommen. Welche Strecke muss ich nun gehen? Die Markierungen auf dem Boden sind durchaus verwirrend.

Ebenso auffällig: Augenscheinlich ist es auch für Autofahrer schwierig über die enge Brücke zu fahren, sind doch einige Unfallspuren an Pollern zu sehen.

„Das ist der größte Humbug der Welt“, meint Thomas Enbergs aus Bochum-Dahlhausen. „Was das alles hier wohl gekostet hat?“, wundert er sich. Vor der Sperrung habe es auch so gut wie immer geklappt. Er räumt aber ein, dass es einmal zu einem Lkw-Unfall kam.

Oft fährt er mit dem Rad über die Brücke. „Trotzdem finde ich es verwirrend und auch unangemessen“, sagt er. Immer wieder müsse er absteigen. „Das ist hier ein richtiger Schilderwald, ja man könnte schon von einem Schildbürgerstreich sprechen“.

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Anderer Meinung ist da der Hattinger Arno Israel. „Ich finde es besser als vorher“, sagt er. „Es gab immer welche, die die Regeln missachtet haben“, sagt er und zeigt prompt auf einen Radfahrer, der über den Gehweg über die Brücke hinweg fährt. Mit dem Motorrad fahre er die Strecke oft ab. Die Maßnahme störe ihn keineswegs.

„Finde es besser als vorher“

Andere Radfahrer warten ohne zu murren an der Ampel. Die aufwendige Verkehrsführung beachten sie gar nicht weiter. „Ja, ist schon ein bisschen übertrieben. Kann es auch verstehen, wenn es ein Ärgernis ist“, sagt ein Radler im Vorbeifahren.

Außerdem gibt es da auch noch ein kleines Holzhäuschen. Dort sitzt am Freitag Verkehrszähler Uwe Freund. „Viele denken, ich überwache sie. Aber ich zähle hier nur den Verkehr“, erklärt er. Im Schnitt kämen pro Tag 800 Autos aus einer Richtung vorbei. Am Sonntag habe er allein in drei Stunden 127 Fahrräder am Mittag gezählt.

„Wenn die S-Bahn kommt, warten Radfahrer schon mal fünf Minuten“, sagt Freund. Sieben Tage die Woche von „Sieben bis Sieben“ gehen die Verkehrszähler-Schichten.

Wie die Stadt Bochum auf Nachfrage von DER WESTEN erklärte, ist sie für die sichere Verkehrsführung an der Brücke verantwortlich. Deshalb wurde im vergangenen Jahr ein langwieriger Acht-Punkte-Plan gemeinsam mit den Städten Essen und Hattingen entwickelt.

Das ist der Acht-Punkte-Plan an der Pontonbrücke in Bochum:

  • neue Ampeln auf beiden Seiten der Brücke
  • Radfahrer haben bei der Ampel eine Vorrangschaltung
  • Mit zwei Blitzern wird kontrolliert, ob über Rot gefahren wird
  • Schilder an den Ampeln weisen Autofahrer daraufhin, dass sie länger warten müssen, falls die Schranken am Bahnübergang geschlossen sind
  • Betonpoller verengen die Fahrbahn vor der Brücke so stark, dass Lkw nicht heimlich passieren können
  • Aus Bochum kann die Brücke nur aus südlicher Richtung befahren werden.
  • Dafür wurde die Lewackerstraße in eine Einbahnstraße umgewandelt
  • Verkehrszähler sind im Einsatz

Knapp zwei Jahre werde diese Maßnahme so noch laufen. Dann werde evaluiert. Ob es dann so bleibt oder etwas verändert wird, ist derzeit noch unklar.

Hier siehst du den „extra3“-Beitrag über die Pontonbrücke in Bochum-Dahlhausen.

 
 

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